Sabrina Schläger

Ratten – sozial und empathisch

Farbratten schlafen zusammen. Das wird als Huddling bezeichnet.
Huddling bei Farbratten, © veineleissa/stock.adobe.com

Sabrina Schläger/Stephanie Grünbauer/Dörte Ostersehlt

Nutzung von digitalen Videos zur Verhaltensbeobachtung

Ratten lösen bei vielen Menschen Abscheu aus. Sie werden oft mit Dreck, Müll und Krankheiten verbunden. Dabei weisen diese Tiere faszinierende Verhaltensweisen auf. Der Unterrichtsvorschlag zum Thema Ratten ermöglicht es den Lernenden, Verhaltensstudien zu Farbratten über digital bereitgestellte Videos durchzuführen. Die Lernenden können dabei ihr Wissen zu Ratten erweitern und ihre Einstellung zu diesen Tieren verändern.

Das Zitat der Ethologin Jane Goodall (Kasten 1)
1 | Jane Goodall über den Respekt gegenüber allen Lebewesen
1 | Jane Goodall über den Respekt gegenüber allen Lebewesen
„Ich bin zutiefst überzeugt, dass es unendlich wichtig ist, vor allem Kindern beizubringen, allem Leben gegenüber respektvoll zu sein. Ich glaube, die wichtigste Botschaft an die Menschheit ist, dass jedes einzelne Individuum zählt, auch jedes nicht menschliche. (Goodall 2016)
verdeutlicht die Bedeutsamkeit einer Bildung, die die Intention eines respektvollen Umgangs mit Lebewesen impliziert. Doch die Einstellung, dass jedes Lebewesen bedeutsam ist, findet sich nicht bei jedem Menschen. Insbesondere Ratten werden von Menschen oft verabscheut. Wenn sie sich in Städten massenhaft vermehren, werden sie oft über Giftköder dezimiert. Auf der einen Seite ist das verständlich, auf der anderen Seite erwecken wir wohl so kaum den Eindruck, dass wir diese Tiere in irgendeiner Form wertschätzen. Verhaltensstudien an Farbratten (Rattus norvegicus f. domestica) können der generellen Abscheu entgegenwirken und zum Nachdenken über das menschliche Verhalten gegenüber dieser Nagetiergattung anregen.
Das Verhalten der Farbratten
Farbratten stammen von der aus Asien eingewanderten Wanderratte (Rattus norvegicus) ab. Sie werden hierzulande oft als Heimtiere oder Labortiere gehalten. Wie bei ihren wild lebenden Artgenossen ist bei Farbratten ein breites Spektrum an Verhaltensweisen zu beobachten. Wildratten, Laborratten und Ratten, die als Heimtiere gehalten werden, zeigen sehr ähnliche Verhaltensmuster, auch wenn sich die Domestikation auf das Verhalten der Heimtiere ausgewirkt hat. Bei domestizierten Ratten ist beispielsweise in einer vertrauten Umgebung kein Meiden von fremden Gegenständen (Neophobie) zu beobachten. Stattdessen wecken unbekannte Objekte das Interesse eine Verhaltensweise, die Barnett und Cowan (1976) in ihrer ethologischen Studie der Neophilie zuordneten.
Aktivitätsphasen der Tiere
Farbratten sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere, die viel Zeit damit verbringen, ihre Umgebung zu erkunden (Koch/Bolz 2005). Das Verhalten der Farbratten ist zudem von einem 24-Stunden-Rhythmus geprägt. Während der Hellphasen zeigen sie sich weitgehend inaktiv. Die Tiere schlafen zu dieser Zeit bevorzugt an abgedunkelten Rückzugsorten, häufig eingerollt oder gestreckt im Liegen. Bevor sich die Ratten hinlegen, zeigen sie manchmal eine Art Nistverhalten. Mit Eintreten der Dunkelheit beginnt ein mehrphasiges Aktivitätsmuster der Tiere, welches unter anderem durch einige Fressperioden gekennzeichnet ist (Weiss u.a. 2014). Farbratten zeigen unterschiedliche Fortbewegungsarten wie langsames Kriechen, Gehen, Trippeln, Traben, Hüpfen und Rennen. Außerdem können sie klettern, springen, schwimmen und tauchen. Ferner bewegen sich Ratten bevorzugt entlang von Objekten und vermeiden es, offene Flächen zu betreten, was einem Verhalten ähnlich der Thigmotaxis, einer durch Berührungsreize gerichteten Bewegung, entspricht (Döring 2017).
Sozialverhalten
Da es sich bei den Farbratten um sehr soziale Tiere handelt, ist das soziopositive Verhalten von besonderer Relevanz. Die Nager suchen den Körperkontakt zueinander und schlafen aufeinander, was auch als „Huddling bezeichnet wird. Die Nähe der Tiere ist dabei oft abhängig von der Umgebungstemperatur. Zudem sind das Über- und Unterkriechen der Ratten häufig zu...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 459 / 2020

Verhalten ist individuell

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-6