Fachsprache

Neues aus der Welt des Kots

In vivo, in vitro, in silico – aber wie bezeichnet man Entdeckungen im Kot? Wissenschaftler der University of North Carolina at Chapel Hill fügen dem biologischen Fachwortschatz einen neuen Begriff hinzu.

Elefant mit Kot
Kot ist allgegenwärtig. Foto: Rabenspiele, pixabay.com, CC0 Creative Commons

Kot als spannendes Forschungsobjekt

In vino veritas. Sprichwörtlich liegt die Wahrheit im Wein. Forscher finden sie mitunter auch im Kot – und das ganz wörtlich. Die Zusammensetzung von Kot gibt Aufschluss über den Gesundheitszustand und den Ernährungsgewohnheiten des Ausscheiders. Mitunter dient er außerdem als Lebensraum für Bakterien, Pilze, Fliegenlarven und Würmer. Auch neue Arten entdecken Forscher im Kot.

Sprachlose Wissenschaft

Bisher blieb bei solchen Entdeckungen immer eine Frage offen: wie werden sie fachsprachlich korrekt angegeben? Beobachten Wissenschaftler zum Beispiel die Lebensweise von Bakterien im lebenden Organismus, spricht man von in vivo. Vollziehen sie diese im Reagenzglas nach, nennt sich die Methode in vitro. Auch Vorhersagen mittels computergestützter Simulationen sind in der Forschung inzwischen üblich. Mit in silico erfassen Wissenschaftler diese in zwei kurzen Wörtern. Auch für Entdeckungen aus dem Kot soll nun fachsprachlich Abhilfe geschaffen werden.

Zeitschrift
Unterricht Biologie Nr. 437/2018 Sprachsensibel unterrichten

Wissenschaft gründet auf Kommunikation. Da ist es nicht überraschend, dass auch im Biologieunterricht die Sprache eine zentrale Rolle einnimmt. Das Heft unterstützt Sie bei der Förderung der schriftsprachlichen und mündlichen Fähigkeiten der Lernenden.

16,50 EUR Preise jeweils zzgl. Versandkosten

Produkt ansehen

Das Kind braucht einen Namen

Matthew Redinbo und sein Team der University of North Carolina at Chapel Hill haben dazu einen konkreten Vorschlag. Zukünftig wollen sie Funde und Erkenntnisse aus dem Kot in fimo nennen. Dabei bezieht sich das Forscherteam aber nicht auf die weiche Modelliermasse aus dem Bastelgeschäft. Um einen passenden Begriff zu finden, wandten sie sich an den Altphilologen Luca Grillo. Dieser durchsuchte daraufhin die Klassiker der römischen Literatur, wie Schriften des Cicero, nach Fäkalbezeichnungen. Am Ende fiel die Wahl auf in fimo. Es leitet sich vom lateinischen fimus ab, ein neutraler Begriff für Exkremente, welcher vor allem bei Vergil, Livius und Tacitus Anklang fand. Ob sich dieser Begriff in der Wissenschaft durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.  

Fachbegriffe im Unterricht

Neben fachlichen Inhalten ist im Unterricht auch die Anwendung einer genauen Fachsprache unerlässlich. Ein sprachsensibel gestalteter Unterricht hilft den Schülerinnen und Schülern sich präzise auszudrücken und gibt ihnen die Möglichkeit, sich eigenständig in Fachliteratur zurechtzufinden. Ein guter Fachwortschatz bedeutet somit auch Selbstständigkeit. Weiteres zu diesem Thema finden Sie in unserer Ausgabe „Sprachsensibel unterrichten“. 


Verwandte Inhalte:

Biologische Fachbegriffe in Deutsch - Arabisch - Englisch

Fachwortschatz Biologie      

Das Leben der Zersetzer

Destruenten & Aasfresser

Fakten zum Artikel
Fachwissen Schuljahr 5-13