Thomas Gerl

Wo wächst welcher Wald?

Grafik zur Höhenzonierung
Höhenzonierung der Waldtypen Mitteleuropas (stark vereinfacht)., Abbildung: T. Gerl

Thomas Gerl

Bis auf wenige Sonderstandorte, wie zum Beispiel Moore, Sanddünen oder alpine Vegetationsgemeinschaften, wäre beinahe die gesamte Fläche Deutschlands unter natürlichen Bedingungen von Wald bedeckt. Aber Wald ist nicht gleich Wald. Sowohl klimatische Faktoren als auch die Bodenverhältnisse und vor allen Dingen der Einfluss des Menschen entscheiden darüber, welcher Waldtyp sich ausbildet (Abb.1 ). In sogenannten Ökogrammen versuchen Vegetationskundler darzustellen, welche Waldgesellschaft sich unter bestimmten abiotischen Faktoren bildet. Abb.2 zeigt, welche Waldtypen des Tieflandes sich im Zusammenspiel aus Bodenfaktoren und Feuchtigkeit ergeben. Daneben bilden sich aufgrund der mit der Höhe abnehmenden Temperaturen und der kürzeren Vegetationszeiten sogenannte Höhenstufen der Vegetation aus (Abb.3 ). Im Flachland bis in die montane Stufe, das heißt in Höhen von um die 1000 Meter über Normalnull, dominiert der Buchenwald. Auf den Gipfeln der deutschen Mittelgebirge und in der subalpinen Stufe der Alpen löst die Fichte die Buche ab. Ab hier sind Nadelbaumarten konkurrenzkräftiger. Sie kommen mit Forsttrocknis, Schneedruck und der kürzeren Vegetations-periode besser zurecht als die meisten Laubbäume. In den Alpen liegt die Baumgrenze, das heißt die Höhenstufe, ab der keine Bäume mehr wachsen, zwischen 1800 und 2100 Meter über Normalnull. Dabei wachsen Fichten, Zirben und Lärchen an den höchsten Wuchsorten.
Der Mensch formt den Wald
Neben diesen natürlichen Einflussgrößen spielt der Mensch eine zentrale Rolle für die Ausbildung unserer Wälder. Unter natürlichen Bedingungen wäre die Rotbuche der bei Weitem häufigste Baum Deutschlands. Ein Blick auf die Ergebnisse der Bundeswaldinventur von 2012 zeigt, dass dies tatsächlich aber nicht der Fall ist (Tab.1 ). Durch Eingriffe des Menschen sind in Deutschland Wald-Kiefer und Fichte viel häufiger. Über die Hälfte der einheimischen Waldfläche, genauer gesagt 55,5 Prozent, ist mit Nadelbäumen bestockt. Diese haben die Menschen aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus gepflanzt.
Laubwaldtypen
Statt die gesamte Fläche Deutschlands einzunehmen, wachsen Buchenwälder durch die Überformung der Wälder durch den Menschen nur noch auf rund 7 Prozent ihres ursprünglichen Areals. Natürliche oder auch nur naturnahe Rotbuchenbestände sind inzwischen so selten geworden, dass sie als einer der wertvollsten Naturschätze Mitteleuropas gelten, für deren Erhalt insbesondere Deutschland eine Verantwortung trägt. Besonders eindrucksvoll sind zum Beispiel die alten Buchenbestände in den Nationalparks Hainich, Kellerwald-Edersee oder in der Eifel.
Diese europäischen Urwälder sind dabei vergleichsweise arm an anderen Gehölzarten. Die Rotbuche ist so konkurrenzkräftig, dass sie fast alle anderen Arten verdrängt. Ausnahmen bilden wenige Bäume und Sträucher, wie zum Beispiel Stechpalmen oder Eiben, die auch im Schatten des geschlossenen Kronendachs gedeihen können. Edellaubhölzer wie Ahorn, Ulme oder Esche sind in Buchenwäldern nur zu finden, wenn die Böden besonders nährstoffreich sind.
In den Monaten vor dem Laub-austrieb der Buchen finden sich im Frühling in wärmeren Lagen über Kalkgesteinen zahlreiche hochattraktive und zum Teil sehr seltene Arten in der Krautschicht (Abb.4 ).
Unter natürlichen Bedingungen sind Eichenarten die größten Konkurrenten für die Rotbuche. Vor allem an Standorten mit sauren Böden verdrängen sie die Rotbuche auch aus feuchteren Habitaten. Auf allen anderen Böden gewinnen Eichen nur an trockenwarmen Standorten die Oberhand über die Buche. Diese Sukzession dauert viele Jahrhunderte oder noch länger, wobei die extrem langlebige Eiche am Ende dieser Zeit allmählich die Buche verdrängt. Besonders schön ausgeprägte Eichenwälder finden wir in den klimatischen Gunstregionen des Spessarts oder im Steigerwald, Pfälzerwald und dem Sachsenwald Schleswig-Holsteins.
Eichen bieten aufgrund ihrer tief-rissigen Rinde und ihres relativ hohen Totholzanteils...

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Fakten zum Artikel
aus: Biologie 5-10 Nr. 30 / 2020

Wald erleben

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