Paul Dierkes

Wie lange gibt es mich noch?

Paul Dierkes

Aussterbeprognosen veranschaulichen

Nicht alle Arten sind in gleichem Maße durch menschliche Einflüsse vom Aussterben bedroht. Die Sensitivität hängt von mehreren Faktoren ab, zu denen Reproduktion, Individualentwicklung, Größe und Qualität des Lebensraumes oder auch die Häufigkeit von Natur-katastrophen gehören. Prognosen, die ein Aussterberisiko errechnen, werden daher sehr individuell für die einzelnen Arten erstellt.

Das Aussterben von Arten ist eigentlich im Rahmen der Evolution ein ganz natürlicher Prozess. Hochrechnungen gehen davon aus, dass ca. 99% aller Arten ausgestorben sind, die jemals auf der Erde gelebt haben. Das Aussterben dieser Arten erfolgte nicht kontinuierlich, es gab immer wieder ein Massenaussterben bestimmter Gruppen. Das wohl bekannteste Beispiel aus der Erdgeschichte ist die Naturkatastrophe am Ende der Kreidezeit, bei der nicht nur die Dinosaurier, sondern etwa 70% aller damals das Festland bewohnenden Arten verschwanden (Smith/Smith 2009). Auch in der jüngsten Vergangenheit wird ein Massensterben beobachtet, dass allerdings nicht durch Naturkatastrophen versursacht wird. Es sind die Auswirkungen menschlichen Handelns! Die übermäßige Bejagung als Nahrungsquelle führte zum Aussterben vieler, meist kleiner oder lokaler Populationen (z.B. die Stellersche Seekuh um 1760; Riesenalk um 1844; Tasmanischer Beutelwolf 1936).
Auch sehr große Populationen blieben nicht verschont. Der amerikanische Bison stand Ende des 19. Jahrhunderts kurz vor der Ausrottung. Die Gründe für das Artensterben sind vielfältig! Hierzu zählen u.a. das rasche Wachsen der Weltbevölkerung, mit dem die Zerstörung und Fragmentierung von Habitaten einhergeht; invasive Arten, in der Neuzeit befördert über Transportwege der Menschen; Monokulturen, die beispielsweise in biodiversitätsreichen Ländern große Flächen mit genetisch verarmten Hochzucht-sorten besetzen sowie die Umweltverschmutzung, die durch Industrialisierungsprozesse immer noch ansteigt. Zukünftig könnte auch der anthropogen verursachte rasche Klimawandel, als Naturkatastrophe zum Aussterben vieler Arten führen (Abb. 1 ).
Ist Artensterben für uns überhaupt problematisch?
Die Biodiversität, zu denen die Vielfalt der Ökosysteme, der Arten und auch die genetische Vielfalt zählen, hat einen großen Einfluss für die Zukunft des Menschen. In diesem Zusammenhang wird oftmals von relevanten Ökosystemdienstleistungen gesprochen, die für den Menschen wertvoll sind oder zukünftig sein können (Purves/Savada/Orians/Heller 2006; Loft 2009):
  • 1.Arten, die von Menschen genutzt werden, dienen in Form von Nahrung oder zur Gewinnung von Medikamenten, als Lebensgrundlage. Über 50  % der verschriebenen Arzneimittel beinhalten ein pflanzliches oder tierisches Produkt und ca. 80.000 der 250.000 bekannten Gefäßpflanzen enthalten essbare Anteile.
  • 2.Die Vielfalt der Natur befriedigt ästhetisch-emotionale Bedürfnisse und trägt bei vielen Menschen zur Erholung oder Freizeit bei.
  • 3.Durch den Verlust der Artenvielfalt wird die Forschungsgrundlage in unterschiedlichen Disziplinen entzogen, zu denen u.a. die Analyse komplexer Wechselwirkungen zwischen Organismen, die Wirkstofferzeugung aus natürlicher Herkunft oder technologische Entwicklungen aus der Bionik gehören.
  • 4.Durch das Aussterben von Arten können Ökosysteme destabilisiert werden. Als Beispiel könnte die Problematik Bienensterben angeführt werden. (Bienen nehmen in ihrer Funktion als Bestäuber eine wichtige Rolle bei Nutzpflanzen ein.)
  • 5.Wir Menschen tragen zudem Verantwortung, nicht nur für uns, sondern auch für andere Arten, zu denen ein Abhängigkeitsverhältnis besteht.
Populationsbiologie, Gefährdungsgrad und quantitative Ökologie
Populationsbiologen zählen Individuen an verschiedenen Orten und versuchen die Gründe zu klären, wie dynamisch sich Populationen verhalten und warum sie in ihrer Größe schwanken (vgl. auch Simon 2015). Die Liste der Einflussfaktoren ist lang:...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 427 / 2017

Artenschutz

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 11-13