Akustik

Der Klang des Ozeans

In den Ozeanen der Welt ist es nie völlig still. Vor allem Wind und Wellen sorgen für ein kontinuierliches Hintergrundgeräusch. Menschliche Aktivitäten, wie zum Beispiel die Schifffahrt oder Ressourcennutzung fügen mancherorts weitere Geräusche hinzu, die je nach Entfernung das natürliche Hintergrundgeräusch übertönen können. Die Antarktis bildet jedoch eine Ausnahme.

Zwergwal im Wedellmeer
Zwergwal im Wedellmeer Foto: Alfred-Wegener-Institut / M. Hoppmann

Einzigartige Akustik im Südpolarmeer

Die Antarktis ist wegen ihrer abgeschiedenen Lage durch die Menschheit akustisch noch weitgehend unbelastet. Deshalb gibt es weltweit keinen zweiten Ozean, der sich so gut für eine akustische Studie über Meeressäuger und die natürliche Geräuschkulisse unter Wasser eignet wie das Südpolarmeer. Nahezu drei Jahre lang haben Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Ozeanische Akustik am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) diese besondere Geräuschkulisse in der Antarktis aufgezeichnet. Die Wissenschaftler haben im Südpolarmeer u.a. die Laute von Seeleoparden, Antarktischen Blauwalen, Finnwalen und Südlichen Zwergwalen identifiziert, die zu einer Art monotonem Hintergrundchor verschmelzen. Die Tierlaute variieren dabei zeitlich und lokal in der Zusammensetzung, sodass die aufgezeichneten Geräusche neue Erkenntnisse zu Verhalten und Vorkommen der Tiere liefern.

Zeitschrift
Unterricht Biologie Nr. 446/2019 Säugetiere im Wasser

Das Heft befasst sich unter anderem mit dem Menschen als Evolutionsfaktor, der den Lebensraum der wasserbewohnenden Säuger verändert und damit ihre Existenz gefährdet.

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Ein Tierchor unter der Eisschicht

Die Wissenschaftler konnten außerdem herausfinden, wie groß der Einfluss des Meereises auf die Geräuschkulisse im Südpolarmeer ist. Es legt sich in den Wintermonaten wie ein schallisolierender Teppich über den Ozean. Dann prägen nicht mehr hauptsächlich physikalische Phänomene wie Stürme und Wellen die Schallkulisse, sondern auch die Tierwelt. Die akustischen Aufzeichnungen zeigen, dass dabei nicht nur die Fläche des Meereises eine Rolle spielt, sondern auch seine Konzentration und Beschaffenheit.


Menze, S; Zitterbart,D.P; van Opzeeland, I; Boebel, O. (2017): The influence of sea ice, wind speed and marine mammals on Southern Ocean ambient sound.

Fakten zum Artikel
Fachwissen Schuljahr 5-13