Anja Mechler/Paul Dierkes

Unsere nächsten Verwandten sind bedroht!

Anja Mechler/Paul Dierkes

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Man achtet und schützt nur, was man kennt. Daher ist es sinnvoll, Informa-tionen zu den Primaten zu sammeln, zu analysieren und Erkentnisse daraus abzuleiten: die Vielfalt der Arten, ihre unterschiedlichen Lebensweisen und Lebensräume und auch die anthropogenen Einflüsse, durch die unsere nächsten Verwandten bedroht sind.

Primaten bilden eine Ordnung innerhalb der Säugetiere, die nach Angaben der IUCN (International Union for Conservation of Nature) 435 verschiedene Arten umfasst. 266 Primatenarten, also mehr als die Hälfte, gelten derzeit als „gefährdet (IUCN 2016). Vielfältige Bedrohungsgründe, zu denen die Abholzung von Wäldern, die Fragmentierung des Lebensraumes, der Abbau von Rohstoffen (Bergbau), die Land- und Forstwirtschaft, die Bejagung der Tiere wegen ihres Fleisches („Bushmeat) bzw. für den Tierhandel und nicht zuletzt auch Virusinfektionen (z.B. Ebola-Virus) gehören, führen zu einem dramatischen Rückgang vieler Populationen (Mackay 2009). Da diese Bedrohungslage zum Großteil direkt oder indirekt auf menschliche Ursachen zurückzuführen ist, trägt der Mensch eine besondere Verantwortung, zielgerichtet Schutzmaßnahmen zu ergreifen und effektiv zum Arterhalt von Primaten beizutragen.
Primaten ähneln uns in vielen charakteristischen Merkmalen: Große Gehirne im Verhältnis zum Körpergewicht, an das Greifen angepasste Extremitäten, meist große Augen mit überlappenden Sehfeldern, eine lange Tragzeit, eine ausgedehnte Entwicklungsphase und kleine Wurfgrößen (Geissmann 2003). Systematisch wird die Ordnung der Primaten in die beiden Unterordnungen der Feuchtnasenprimaten (Strepsirrhini) und der Trockennasenprimaten (Haplorrhini) differenziert. Zu den Feuchtnasenprimaten, ihr Name beruht auf dem feuchten Nasenspiegel (Rhinarium), zählen die Lemuren, Galagos und Loris. Alle Feuchtnasenprimaten verfügen über gemeinsam abgeleitete Merkmale: eine Putzkralle, offene Augenhöhlen und eine Lücke zwischen den Schneidezähnen.
Die Unterordnung der Trockennasenprimaten wird ihrerseits noch einmal unterteilt in Neuweltaffen (Platyrrhini) und Altweltaffen (Catarrhini). Neuweltaffen (oder auch Breitnasenaffen) kommen nur in Süd- und Mittelamerika vor. Zu dieser Gruppe gehören die Klammeraffen, Kapuzineraffen und Krallenaffen. Altweltaffen sind dagegen in Afrika und Asien beheimatet. Sie verfügen über einen knöchernen Gehörgang, dicht nebeneinanderliegende meist nach unten gerichtete Nasenlöcher, zwei Prämolare und opponierbare Daumen, die den anderen Fingern gegenübergestellt sind. Unterschieden werden die beiden Überfamilien geschwänzte Altweltaffen (Cercopithecoidea) und die schwanzlosen Menschenaffen (Hominoidea), die nach phylogenetischen Erkenntnissen am nächsten mit dem Menschen verwandt sind (Geissmann, 2003). Die Hominoidea, als unsere engsten Verwandten, sind ein gutes Beispiel für die Bedrohung durch den Menschen. Vor 100 Jahren lebten im zentralafrikanischen Regenwald etwa zwei Millionen Schimpansen, im Jahr 2003 liegen die Schätzungen zwischen 179.000 und 299.700 Tendenz abnehmend (Humle/Maisels/Oates/Plumptre/Williamson 2016; Mackay 2009).
Biologiedidaktische Bezüge
Die SchülerInnen beschäftigen sich mit ihren nächsten Verwandten, den Primaten. Sie lernen deren Vielfalt an exemplarischen Vertretern der wichtigsten Gruppen kennen. Dadurch erhalten sie einen Einblick in die Biodiversität verschiedener Ökosysteme und deren Abhängigkeit von anthropogenen Einflüssen. Die Einheit knüpft somit an Lehrplaninhalte der gymnasialen Oberstufe an, in denen eine Beschäftigung mit Wechselwirkungen zwischen Umwelt und Menschen vorgesehen sind.
Überblick über die Vielfalt und Systematik der Primaten
1. Unterrichtsabschnitt
Zum Einstieg in die Unterrichtseinheit werden Fotografien verschiedener Primatenarten gezeigt (wie z.B. in Abb. 1 ). Auf diese Weise wird die Vielfalt in der Ordnung der Primaten...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 427 / 2017

Artenschutz

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 11-13
  • Thema: Ökologie
  • Autor/in: Anja Mechler/Paul Dierkes