Verena Reinke · Jaroslava Taraskina

Umwelt(un)bewusstsein in der Baikalregion

Baikalsee in Russland
Der Baikalsee fasziniert durch seine Schönheit, wodurch die Gefahren, denen er ausgesetzt ist, nicht gleich sichtbar sind., © serge-b/stock.adobe.com

Verena Reinke · Jaroslava Taraskina

Welterbe zwischen Faszination, Belastung und Schutz

Russland ist bisher kein Paradebeispiel in Bezug auf Umweltschutz zumindest wird dieser Eindruck medial vermittelt. Dabei gibt es, wie das Beispiel Burjatien zeigt, Projekte, das Umweltbewusstsein der Bevölkerung zu stärken, um so der Umweltproblematik vor Ort zu begegnen. Am Beispiel des Baikalsees erarbeiten die Schülerinnen und Schüler die Gefährdung durch Umweltverschmutzung und bewerten Projekte für den Umweltschutz.

Sachanalyse
„Slawnoje morje großartiges Meer heißt es in einem bekannten Volkslied Russlands, in dem der „heilige Baikal besungen wird. Der Baikalsee ist von vielen Mythen umgeben, ebenso begleitet ihn das Image einer atemberaubenden Landschaft, die von Weite und Idylle geprägt ist.
Der Baikalsee liegt im Süden Ostsibiriens. Bekannt ist das Süßwasserreservoire für seine Tiefe von bis zu 1637  m durchschnittlich liegt sie bei 732  m , womit er zu den tiefsten Gewässern der Welt gehört. Auch seine Länge von 632  km, die enorme Küstenlänge von 2000  km und die Gesamtfläche von 31500  km2 sind beachtlich.
Dem faszinierenden Weltnaturerbe stehen erschreckende Eindrücke gegenüber. Starke Verschmutzungen des Baikalsees durch Industrieabwässer beispielsweise sowie die Abholzung der Wälder für die Holz-/Papierindustrie machten schon in den 1970er- und 1980er-Jahren Schlagzeilen. Die Situation am Baikal war bereits in dieser Zeit ein stark debattiertes Umweltproblem (vgl. Hünemörder 2004, S. 256). Und auch 2015 erwecken Titel in den Medien wie „Droht dem Baikalsee in Sibirien der baldige Tod? (vgl. Mauder 2015) den Eindruck, das Weltnaturerbe befinde sich in einer akuten Gefahrenlage. Handelt es sich dabei um eine reißerische Schlagzeile oder sind die Sorgen berechtigt?
Gefahren für den Baikalsee
Verschmutzungen durch Müll und Industrieabwässer bereiten seit einigen Jahren Sorgen (vgl. Hein 2009, S. 168). Dieser vor sieben Jahren gewonnene Eindruck hat sich auch heute noch nicht stark geändert (vgl. Gebbe 2016). Zwar ist die Zellulosefabrik bei Irkutsks mittlerweile geschlossen, durch die über Jahrzehnte toxische Materialien ungefiltert in den See abgeflossen sind, jedoch treten neue Probleme auf, wie zum Beispiel der geplante Bau eines Staudamms in der Mongolei am Selenga-Fluss, der als wichtigster Zufluss des Baikals gilt.
Umweltschädliches Wirtschaften, illegale Bautätigkeiten sowie eine sich verschlechternde Wasserqualität zeigen die Berechtigung auf, die Frage nach dem Umweltbewusstsein zu stellen. Durch das Bauen von Stauseen an Zu- und Abflüssen kommt es zu einer Unterbrechung der Sauerstoff- und Mineralzufuhr. Dies kann verheerende Auswirkungen auf das Ökosystem haben. Einige Gebiete sind bereits von einer starken Algenbedeckung betroffen.
Außerdem nimmt der Tourismus zu, ebenso wird die Infrastruktur deutlich ausgebaut. Die fortschreitende Erschließung bringt aber auch Gefahren mit sich für die Umwelt und das fragile Ökosystem.
Bedeutung der BNE in Russland
Was aus Russland bisher kaum an die Medien dringt, ist die Aktivität einiger Initiativen im Bereich der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Russland reihte sich bereits 1987 in die Liste der internationalen Konferenzorte in der BNE ein.
Ausgehend von bisher diagnostizierten Umweltproblemen der Region, sind nun also Fragen zu stellen nach den positiven Trends, die sich durchaus in der Region zeigen. „Global denken und lokal handeln lässt sich am Beispiel Burjatiens betrachten. BNE wird in Russland als traditioneller Nachfolger der Umweltbildung gehandelt. Es wird aber auch weiterhin primär der Naturaspekt in der BNE gesehen. Nur etwa 17% unter den russischen Pädagoginnen und Pädagogen beziehen auch ethnografische Aspekte ein (vgl. Dagbaeva 2009, S. 131f.). Als zentrales Beispiel für Bildungsarbeit im Bereich der BNE ist in diesem Zusammenhang das bereits vor 16 Jahren entstandene Baikal...

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Fakten zum Artikel
aus: Geographie heute Nr. 334 / 2017

Russland

geographie heute Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-11
  • Thema: Ökologie
  • Autor/in: Verena Reinke und Jaroslava Taraskina