Thomas Gerl

Neophyten kartieren

Neophytenarten, Botanik, Neophyt, Kartierung
Karte einer Schülergruppe mit den Vorkommen von drei Neophytenarten im Raum Prien am Chiemsee, Foto: Thomas Gerl

Thomas Gerl

Arten selbstständig beobachten und kartieren

Zu Beginn motiviere ich meine Schülerinnen und Schüler mit einer Abbildung von ausgewählten Schlagzeilen, sich mit der Thematik „Neophyten auseinanderzusetzen [Abb. 1 ].
Da der Begriff „Neophyten und die dazugehörigen Pflanzensippen den Schülerinnen und Schülern natürlich nicht bekannt sind, stellt sich für viele automatisch die Frage, um welche Arten es sich dabei handelt und ob diese in der eigenen Umgebung vorkommen.
Diese intrinsisch motivierte Frage leitet somit über zu einer Unterrichtsphase, in der die Kinder die entsprechenden Arten kennenlernen [Info].
INFO | Warum ausgerechnet Neophyten?
INFO | Warum ausgerechnet Neophyten?
Über die Vermittlung von Fachwissen hinaus ist es mir als Lehrkraft ein Herzensanliegen, meinen Schülerinnen und Schülern die wissenschaftliche Arbeitsweise der Biologen nahe zu bringen. Besonders in der Primarstufe und Sekundarstufe I ist das Bild des klassischen Feldbiologen, der mit Kescher, Lupe und Fernglas bewaffnet durch den Regenwald zieht, um unbekannte Arten zu entdecken, fest in den Köpfen der Kinder verankert. Dieses „Abenteurer-Image lässt sich nutzen, um den Schülerinnen und Schülern die Faszination der Freilandbiologie nahe zu bringen. Meine Erfahrungen sprechen dafür, Schülerinen und Schüler (auch längerfristige) Beobachtungsaufträge im Freiland zu übertragen, da sich dadurch sowohl ihre Motivation für das Fach Biologie als auch ihre Fachkenntnisse nachhaltig steigern lassen.
Dabei stellt sich für jede Lehrkraft die Frage, welche Organismengruppe die Kinder erforschen sollen. Natürlich würden meine kleinen Forscher in der Klasse am liebsten (Säuge-)Tiere wie im Tierfilm sehen, doch bleibt die Begenung mit Vertebraten im Rahmen einer Freilandexkurson mit einer Klasse ein seltener Glücksfall, der sich nicht planen lässt. Zudem lassen sich durch die Mobilität der Tiere und die z.T. schwierige Bestimmbarkeit wirbelloser Arten nur schwer Forschungsaufgaben finden, die Kinder in einer vertretbaren Zeitspanne erfolgreich bearbeiten können.
Deshalb lohnt sich ein Blick auf die vermeintlich „langweiligen Pflanzen. Neben vielen weiteren Herangehensweisen (z.B. Betrachtung von Lebensgemeinschafzen in Ökosystemen, systematische Sammlung von Arten, ästhetische Gestaltung von Pflanzensammlungen) ist für mich das Aufspüren pflanzlicher Neubürger, den Neophyten, für Schülerinnen und Schüler eine besonders motivierende Methode, sie mit der Flora ihres Heimatraumes bekannt zu machen.
Da viele Neophyten sich durch einen besonders kräftigen Wuchs auszeichnen und i.d.R. vergleichsweise große Blütenorgane ausbilden, sind die Arten zum einen leicht bestimmbar und zum anderen sehr auffällig. Darüber hinaus eignen sie sich auch durch ihre eher späten Blütezeiten in der zeitlichen Einordnung im Schuljahr gut, da Exkursionen in der Regel ja am Schuljahresende stattfinden. Während zahlreiche Arten des Grünlands oder der Wälder bereits verblüht sind, stehen die Neophyten in unseren Breiten in voller Blüte und passen daher hervorragend in den schulischen Exkursionskalender.
Darüber hinaus bekommen Neophyten, insbesondere das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), große öffentliche Aufmerksamkeit, sodass ihr Name unter Schülerinnen und Schülern überdurchschnittlich bekannt sein dürfte. Viele von ihnen haben vielleicht sogar schon an diversen „Neophyten-Beseitigungsaktionen teilgenommen und selbst im Rahmen von Vereins- oder Schulprojekten Flächen aktiv vom Springkraut befreit.
Auswahl geeigneter Arten
Wie in dem Übersichtsartikel zu den Neophyten beschrieben, muss ein großer Teil der einheimischen Flora als Neubürger gewertet werden. Doch welche Spezies eignen sich für die Kartierungsarbeit im Unterricht? Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl scheint mir eine weite Verbreitung der Art zu sein, um sicherzustellen, dass die Schülerinnen und Schüler auch tatsächlich eine Chance haben,...

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Fakten zum Artikel
aus: Biologie 5-10 Nr. 25 / 2019

Neobiota – Gebietsfremde und invasive Arten

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-6