Michael Hänsel

Legehennen retten ihre Bruderküken

Hühnermobil, Legehennen, Bruderküken, Hühnerhaltung
Tagsüber können die Tiere des Hühnermobils jederzeit zwischen Stall und Grasfläche hin und her wechseln., Foto: M Hänsel

Michael Hänsel

Alternativen zur Tötung von Bruderküken auf einem ökologischen Bauernhof erleben

Haus- und Nutztiere sind ein beliebtes Thema im Biologieunterricht. Die Tiere sind den Schülerinnen und Schülern häufig bekannt und es gibt emotionale Bezüge. Gerade bei den Nutztieren geht es darum, die biologischen Aspekte und deren konsequente wirtschaftliche Nutzung durch den Menschen zu thematisieren. Neben dem Hausrind, welches dem Menschen als Milch- sowie als Fleischvieh dient, bespreche ich auch das Haushuhn als Lege- und Fleischhuhn. Die Unterrichtsreihe verbinde ich dann immer mit einem Unterrichtsgang zum Biobauernhof Frohnbruch (Info 1).
Info 1|Biolandhof Frohnbruch
Info 1|Biolandhof Frohnbruch
Am Rand von Hoerstgen, zur Stadt Kamp-Lintfort zählend, bewirtschaftet die vierköpfige Familie Bird den Biolandhof Frohnbruch. Er umfasst 90 Hektar landwirtschaftliche Fläche.
Seit 2002 werden auf 54 Hektar Grünland Limousin-Kühe und Hühner im Hühnermobil gehalten. Auf den verbleibenden 36 Hektar Ackerfläche wird das eigene Viehfutter angebaut. Seit Kurzem gibt es auf dem Hof auch Schweinemast, wobei hierbei den Schweinen große Stallflächen mit Auslauf ins Freie zur Verfügung stehen.
Die Hühnereier und das Fleisch der geschlachteten Tiere verkauft die Familie neben weiteren Bioland-Produkten im Hofladen. Die Hühnereier kosten beim Frohnbruch-Hof im Schnitt acht Cent mehr als ein Ei aus dem Supermarkt. Mit diesem Geld finanziert der Hof die Aufzucht der Bruderküken.
Der Biolandhof Frohnbruch ist für Gäste offen, die sich über die ökologische Tierhaltung informieren möchten. Deshalb besuchen viele Schülergruppen den Bauernhof, um hier die Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft kennenzulernen. Aber auch Erwachsene, Senioren- und Radfahrgruppen sind auf dem Hof willkommen. Sie können sich die Tiere jederzeit in ihren Haltungsbereichen ansehen, sind diese tagsüber doch immer im Freien.
Dort erleben die Lernenden die Haltung von Rindern (s.a. B510 Heft 7 Beitrag Mit Kalb und Kuh auf du und du) und Hühnern unter ökologisch nachhaltigen Bedingungen. Diesen Unterrichtsgang leite ich zuvor mit einem Mystery ein, das die Besonderheit der Hühnerhaltung am Frohnbruch-Hof zeigt. Ich führe es durch, nachdem ich mit meiner Klasse das Haushuhn als Nutztier behandelt habe. Neben dem Skelett, der Ernährung und typischen Lebensweise wird dabei die Eiproduktion besprochen. Nun möchte ich das Problem der Kommerzialisierung ansprechen, das beim Haushuhn in besonderem Maße hervorsticht: Bei den Legehühnern sind nur die weiblichen Küken von Interesse. Die männlichen Küken, auch Bruderküken genannt, werden nach dem Schlupf getötet und der Tierfutterherstellung zugeführt, da sie keine Eier legen können und trotz Mästung kaum Fleisch ansetzten. Ein Fleischhähnchen hat nach elf Wochen ein Schlachtgewicht von durchschnittlich 2,5 Kilogramm, ein Bruderküken dagegen nach 16 Wochen gerade einmal 1,2 Kilogramm! Das macht die Mast von Bruderküken unwirtschaftlich. So werden pro Jahr rund 45 Millionen männliche Küken getötet.
Die Betreiber des Frohnbruch-Hofes haben 2014 gemeinsam mit ihrer Kundschaft entschieden, dass die Bruderküken mit den Legehennenküken vor Ort aufwachsen dürfen. Finanziert wird dies zum einen durch den Verkauf jedes geschlachteten Bruderhuhns sowie einem Aufschlag pro verkauftem Ei von acht Cent. Ihre Kundschaft honoriert dieses Engagement, indem sie sowohl die Eier der Legehennen als auch mehrmals im Jahr ein Bruderschlachthuhn kauft.
Vorbereitung des Unterrichtsgangs
Das Mystery ist Lernenden als Methode meist noch nicht bekannt. Daher konfrontiere ich sie zunächst mit der Mysteryaussage, die ich an die Tafel schreibe:
„Legehennen retten ihre Bruderküken
Es folgen fragende Gesichter. Einige wenige trauen sich, sich zu melden. „Was ist denn ein Bruderküken?, fragt ein Schüler. Ich beantworte seine Frage, die scheinbar viele in der Klasse gerade haben, denn anschließend werden alle...

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aus: Biologie 5-10 Nr. 32 / 2020

Die Welt der Vögel

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