Thomas Gerl

Hilfe, wo ist mein Salat?

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Die Spanische Wegschnecke bei der Verkostung, Foto: © Gina Sanders/stock.adobe.com

Thomas Gerl

Die Spanische Wegschnecke als Plagegeist im Garten entdecken

Im zeitigen Frühjahr habe ich mit meiner Schulgartengruppe Salat- und Erdbeerpflanzen in unser kleines Beet gepflanzt. Ganz allmählich sollte die Zeit der Ernte näher rücken. Doch durch ein feuchtwarmes Frühjahr gab es in diesem Jahr bei uns extrem viele Spanische Wegschnecken, die genauso viel Lust auf die Salatpflanzen und Erdbeeren hatten wie wir (Abb. 1 ). Jetzt bringt es Sophia auf den Punkt: „So ein Mist! Die sch Schnecken fressen unsere ganzen Pflanzen auf. Jetzt bringen wir die um oder etwa nicht, Herr Gerl? Genau das ist die Frage und da ich mir da selber nicht so sicher bin, wäre es bestimmt auch für Schülerinnen und Schüler eine interessante ethische Fragestellung, wie wir mit den Schnecken im Garten umgehen sollten.
Ethisches Argumentieren im Biologieunterricht
Die bundesweiten Bildungsstandards für den mittleren Bildungsabschluss fordern von den Lernenden die Fähigkeit, biologische Sachverhalte aus ethischer Sicht bewerten zu können. Doch wie argumentiert man eigentlich ethisch? Für mich als Biologielehrkraft und eingefleischtem Naturwissenschaftler ist das gar nicht so einfach. Also versuche ich, mich schlau zu machen.
In einem erläuternden Material zum bayerischen Lehrplan werde ich fündig. Man sollte zwischen beschreibenden Aussagen, die einen Zustand möglichst objektiv darstellen wollen und bewertenden Aussagen unterscheiden, die diesen Zustand in Bezug zu einem ethischen Wert setzen. Gott sei Dank liefert das Material auch gleich noch eine lange Liste, was solche Werte sein könnten. Im Idealfall verbindet eine Schülerin oder ein Schüler eine beschreibende Aussage (z. B. „Schnecken fressen die Salatblätter im Garten) mit einer bewertenden Aussage (z. B. „Mir ist der ökonomische Ertrag meines Gartens wichtig) und kommt so zu einer begründeten Handlungsoption (z. B. „Deswegen bin ich bereit, die Schnecken zu töten). So gerüstet fühle ich mich fit, eine Unterrichtsstunde zu diesem Thema für meine 10. Klasse zu planen.
Die Spanische Wegschnecke
Neben den ethischen Aspekten ist mir in dieser Stunde auch wichtig, dass die Jugendlichen mehr über die Art und die Lebensweise dieses häufigen Weichtiers erfahren (Info). Deswegen beginne ich die Stunde mit einem kurzen Gang in unseren Schulgarten, wo wir vor allem bei feuchtwarmer Witterung am Morgen jede Menge Schnecken in Aktion sehen können. Viele meiner Schülerinnen und Schüler wissen nicht, dass die Spanische Wegschnecke, obwohl ihr Name es schon vermuten lässt, ein bei uns eingeschlepptes Tier ist. Diese Information weckt bei einigen Lernenden das Interesse. Ihre Motivation nutze ich und stelle den Schülerinnen und Schülern einige Rechercheaufgaben (AB 1 ), mit deren Hilfe sie sich auf die ethische Diskussion in der folgenden Stunde vorbereiten.
Info|Die Spanische Wegschnecke
Info|Die Spanische Wegschnecke
Die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) gehört zu den Nacktschnecken. Sie bildet somit kein Schneckenhaus. Der vordere Teil des walzenförmigen Körpers ist vom sogenannten Mantel bedeckt. Hier findet sich auf der rechten Seite, kurz hinter dem Kopf, ein Atemloch, durch das Luft in die Lungen strömt.
Mit einer Körperlänge bis zu 15 Zentimetern ist die Spanische Wegschnecke eines der größten einheimischen Weichtiere überhaupt. Die Färbung der Schnecke reicht von blass gelben über rötlich braunen bis hin zu beinahe schwarzen Exemplaren. So ist die Unterscheidung von der Schwarzen Wegschnecke (Arion ater) oder der Roten Wegschnecke (Arion rufus) im Gegensatz zur landläufigen Meinung anhand der Farbe nicht möglich. Eine Unterscheidung der Arten geht nur durch die Präparation ihrer Geschlechtsorgane.
Lebensraum
Die Spanische Wegschnecke stammt ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeergebiet und wurde in den 1950er-Jahren von dort aus durch Menschen in das restliche Europa verschleppt. Der erste gesicherte Nachweis aus Deutschland stammt aus...

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Fakten zum Artikel
aus: Biologie 5-10 Nr. 31 / 2020

Plagegeister des Menschen

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 9-10