Daniela M. Böttcher

Großer Panda, Tiger und Co.

Daniela M. Böttcher

Flaggschiffarten für den Artenschutz einsetzen

Wer kennt ihn nicht? Den Großen Panda des WWF. Er ist das prominenteste Beispiel einer Flaggschiffart. Naturschutzorganisationen verwenden attraktive Tierarten, die positive Emotionen auslösen, gezielt, um die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Gefährdung von Arten und geeignete Schutzmaßnahmen zu lenken.

Angesichts einer anhaltenden Naturzerstörung, wird die Öffentlichkeitsarbeit von Naturschutzorganisationen immer wichtiger. Neben der Aufklärung über Bedrohungsfaktoren und der Sammlung von Spenden für Schutzmaßnahmen informieren sie über die Einordnung der bedrohten Arten in die Gefährdungskategorien der Weltnaturschutzunion (IUCN). IUCN-Experten-Workshops schätzen für Arten regelmäßig deren Aussterberisiko ein z.B. anhand der Abnahme der Bestandsgrößen, deren Nutzung durch Sammeln oder Wilderei oder der Schrumpfung ihrer Verbreitungsgebiete (Monney/Meyer 2005; WWF 2016a). Naturschutzorganisationen weisen darauf hin, dass viele Arten einer direkten Bedrohung durch Sammeln oder Wilderei ausgesetzt sind. Dabei dienen die daraus hergestellten Produkte z.B. als Souvenir, modische Accessoires oder vermeintliches Heilmittel. Zur Eindämmung direktern Bedrohungsfaktoren wurde 1973 das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) beschlossen, das den unkontrollierten Handel mit Wildpflanzen- und Wildtierprodukten stoppen soll (WWF 2016b). Daneben sind viele Arten einer indirekten Bedrohung durch Lebensraumverlust ausgesetzt (Wittig/Niekisch 2014). Auf das Vordringen der Verkehrswege in Gebiete mit Primärvegetation folgen deren Rodung und eine Umwandlung der gewonnenen Flächen in Weideflächen oder Äcker, Plantagen und Siedlungen. Zur Eindämmung indirekter Bedrohungsfaktoren bemühen sich Naturschutzbehörden und -organisationen um eine möglichst umfangreiche Ausweisung von Schutzgebieten.
Um auf diese Bedrohungen aufmerksam zu machen, nutzen Naturschutzorganisationen Flaggschiffarten (Material 1 ) (Heywood/Watson 1995). Ausgewählt werden Tierarten, die sich durch einen Superlativ (Größe, Schnelligkeit), ihre aufrechte Haltung und/oder Ästhetik (auffällige Färbung, kontrastreiche Musterung) auszeichnen (Meier 2009) oder als Jungtier aufgrund ihrer Gesichtsproportionen als niedlich gelten (Wittig/Niekisch 2014). Diese Tierarten erregen eher die Aufmerksamkeit als ebenso bedrohte, kleine und/oder unscheinbar gefärbte Arten desselben Lebensraums. Besiedelt eine Population der Flaggschiffart ein großes Territorium, stellt sie zudem eine Schirmart dar. Schutzmaßnahmen, die für die Flaggschiffart beschlossen werden, kommen auch anderen Arten des Lebensraums zugute (Heywood/Watson 1995).
Biologiedidaktische Bezüge
In diesem zwei Doppelstunden umfassenden Unterrichtsmodell werden verschiedene Perspektiven des Themenfelds Artenschutz in Form eines Rollenspiels vermittelt.
Den Begriff Flaggschiffart definieren
1. Unterrichtsabschnitt
Zum Einstieg schlüpfen die SchülerInnen in die Rolle von MitarbeiterInnen einer Naturschutzorganisation. Sie stellen eine Besprechung nach, in der eine Artenschutzkampagne für den indischen Nationalpark Ranthambore ausgearbeitet wird (Abb. 1 ). Die SchülerInnen begründen, welche der abgebildeten Arten sie als Aushängeschild der Kampagne wählen würden. Aus ihren Antworten, die wahrscheinlich auf den auffallend gemusterten Tiger und nicht auf dessen bräunlich gefärbte Beutetiere abzielen, leiten sie anschließend eine Definition für Flaggschiffarten ab (Material 1). Neben dem Tiger werden weitere Flaggschiffarten wie Gorilla oder Großer Panda aufgezählt.
Ursachen für die Bedrohung von Flaggschiffarten erarbeiten
2. Unterrichtsabschnitt
Die Struktur des Rollenspiels orientiert sich an der Methode des Gruppenpuzzles (Wildhirt 2016). Die Klasse gliedert sich in drei Abteilungen einer Naturschutzorganisation: Gefährdungskategorien der Roten Listen der IUCN (Material 3 ), direkte Bedrohungsfaktoren und...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 427 / 2017

Artenschutz

Beitrag aus Zeitschrift Unterricht Biologie Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 8-10
  • Thema: Ökologie
  • Autor/in: Daniela M. Böttcher