Andreas Christian

Giganten mit Riesenappetit

Sauropode, Diplodocus carnegii, Riesenwuchs, Wachstum
Mit einer Länge von 27 Metern galt der Diplodocus carnegii lange Zeit als einer der größten Sauropoden. Heute sind auch Sauropoden von mindestens 35 Meter Körperlänge bekannt., Foto: © Daniel/stock.adobe.com

Andreas Christian

Multifaktorielle Analysen extremer Körpergröße am Beispiel von Sauropoden

Zu den Sauropoden gehörten die größten Landtiere aller Zeiten. Eine effiziente Nutzung der gegebenen Ressourcen war wesentliche Voraussetzung für ihre gigantischen Körpergrößen. Die komplexe Analyse unter Berücksichtigung verschiedener Eigenschaften der Sauropoden offenbart das Geheimnis ihres Riesenwuchses.

Obwohl nicht alle Dinosaurier sehr groß waren, war Riesenwuchs unter ihnen sehr verbreitet. So waren unter den zweibeinigen Fleischfressern, den Theropoden, wie Tyrannosaurus rex, Arten von mehr als zehn Metern Körperlänge und mehreren Tonnen Körpermasse nicht selten. Unter herbivoren Dinosauriern kam Riesenwuchs mit Körpermassen von 1020 Tonnen in mehreren Gruppen vor. Nur wenige Landsäugetiere erreichten solche Massen, wie der ausgestorbene Nashornverwandte, das Paraceratherium (Indricotherium) mit geschätzten 20 Tonnen Körpermasse (Sander u.a. 2011).
Die wahren Giganten unter den Landtieren waren jedoch die Sauropoden. Körpermassen von 15 bis 40 Tonnen waren verbreitet. Die größten, wie Argentinosaurus, erreichten vermutlich sogar Massen von 7090 Tonnen und Körperlängen von 35 Metern oder mehr. Damit übertrafen Sauropoden sämtliche andere Landwirbeltiere innerhalb und außerhalb der Dinosaurier erheblich (Sander u.a. 2011).
Größe als Vor- und Nachteil
Sauropodenartige Dinosaurier traten schon vor 220230 Millionen Jahren auf und lebten bis zum Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren. Sie waren mit zahlreichen Gattungen weit verbreitet. Deren Bauplan war weitgehend gleich: ein sehr langer Hals mit kleinem Kopf, ein langer Schwanz sowie ein kompakter Rumpf, der auf vier säulenförmigen Beinen getragen wurde (Abb. 1, Sander u.a. 2011).
Große Körper bieten eine Reihe von Vorteilen. Für Herbivore, wie den Sauropoden, erscheint vor allem der Schutz vor Fressfeinden wesentlich. Weitere Vorteile sind etwa ein großer Aktionsradius und die damit verbundene gute Erreichbarkeit von Ressourcen, Vorteile bei der zwischen- und der innerartlichen Konkurrenz, ein höherer Paarungserfolg, eine längere Lebensspanne und eine erhöhte Überlebenschance in Phasen von Nahrungsknappheit und Klimaschwankungen. Größe bringt aber auch Nachteile. So sind große Tiere oft auffälliger und weniger agil als kleinere Tiere, was sie mit Blick auf Fressfeinde wiederum benachteiligt. Ferner benötigen große Tiere mehr Ressourcen. Ihre Entwicklungszeit ist verlängert, was zusammen mit einer geringeren Individuenzahl evolutionäre Anpassungen verlangsamt und das Risiko, als Art auszusterben, erhöht. Dennoch sind die Vorteile großer Körper so erheblich, dass man im Verlauf der Stammesgeschichte über viele Arten und Gattungen hinweg eine Tendenz zur Größenzunahme findet (Copesche Regel). Es bleibt die Frage, weshalb unter Landtieren der Gigantismus der Sauropoden einzigartig ist. Externe Faktoren, wie die Umgebungstemperatur oder der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre, liefern keine plausible Erklärung. Das Geheimnis muss in Merkmalen der Sauropoden selbst liegen (Klein u.a. 2011, Sander u.a. 2011).
Der limitierende Faktor
Allgemein scheint eine Begrenzung der Körpergröße eng mit der Verfügbarkeit von Ressourcen verbunden zu sein. Ein Vergleich zwischen der maximalen Körpermasse von Landtieren und der von ihnen bewohnten Landfläche verdeutlicht diesen Zusammenhang. Mit der Fläche des bewohnten Areals steigt die maximale Größe des Tieres. So können sich auf kleinen Inseln keine großen Formen halten. Die Landfläche hängt mit der Menge der verfügbaren Ressourcen zusammen. Je weniger Ressourcen verfügbar sind und je mehr Ressourcen ein Tier benötigt, desto weniger Individuen können ernährt werden. Ist die Populationsgröße zu gering, führen unvermeidbare Schwankungen der Individuenzahl im Laufe der Zeit zum Aussterben der Art. Dabei müssen Unterschiede im Energiebedarf berücksichtigt werden. Aufgrund des Energieverlustes von...

Friedrich+ Deutsch

Sie sind bereits Abonnent?

Mein Konto

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Biologie!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Unterricht Biologie und Biologie 5–10
  • Umfassendes Archiv mit über 400 didaktischen Beiträgen, Unterrichtseinheiten, Arbeitsblättern, Grafiken, Filmen,  Aufgaben, praktischen Experimenten u. v. m.
  • Jährlich über 100 neue Beiträge mit Unterrichtseinheiten zu lehrplanrelevanten Themen

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Biologie

Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 457 / 2020

Leben und Konsum

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 10-13