Eyske Siemens/Dörte Ostersehlt

Gewässerrandstreifen

Eyske Siemens/Dörte Ostersehlt

Ökologische Bedeutung eines Saumbiotops beurteilen

Oft nur mehrere Meter breit, jedoch immer wieder ein Streitfall Gewässerrandstreifen stehen im Konflikt zwischen wertvollen Nutzflächen und wichtigen Schutzmaßnahmen. Wie hoch ist die ökologische Bedeutung dieser Randstreifen einzuschätzen? Und wie können sie zum Erhalt der Biodiversität und zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen? Antworten finden sich beim Blick in dieses Saumbiotop.

Gehen wir wachen Auges durch die heutige Agrarlandschaft, können wir unbewirtschaftete Gewässerrandstreifen entdecken. Bewachsen mit Gräsern, hochwachsenden Stauden oder Gehölzen verlaufen die Randstreifen entlang der Fließgewässer und trennen sie von angrenzenden Ackerflächen (Abb. 1 ). Aber warum werden diese kostbaren Streifen nicht auch für die Landwirtschaft genutzt? Der Gesetzgeber macht Vorgaben: Bundesweit sollte für Gewässer ein 5m breiter, aus Vegetation bestehender, Randstreifen zwischen Fließgewässer und bewirtschafteten Ackerflächen bestehen (Abb. 2 ). Die Bundesländer weisen individuelle Regelungen für Gewässerrandstreifen und ihre Breite aus (WHG 2009). Allerdings existieren kaum gesetzliche Vorgaben für ganz kleine Gewässer und Bäche, obwohl sie den Hauptanteil der Gesamtlänge aller Fließgewässer ausmachen (Schulz 1997).
Diese Saumbiotope bieten als Pufferzonen dem Fließgewässer Schutz vor stofflichen Einträgen aus der Landwirtschaft (Pestizide, Dünger) und Erosionsschutz. Ausreichend breite, mit Vegetation bedeckte, Gewässerrandstreifen filtern abgeschwemmte Pestizide und Düngemittel aus angrenzenden Ackerfeldern (Material 3 ). Gleichzeitig werden erodierte Sedimentpartikel beim Passieren des Gewässerrandstreifens von dessen Vegetation regelrecht ausgekämmt, sodass sie sich auf der Pufferzone ablagern (Bach 2000).
Ungefähr ein Drittel aller Flächen Deutschlands wird ackerwirtschaftlich genutzt (Statistisches Bundesamt 2015). Die auf Ertragssteigerung ausgerichtete Intensivlandwirtschaft bringt durch den hohen Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln vielfältige, regional stark angestiegene Umweltbelastungen mit sich (Umweltbundesamt 2015a). Besonders betroffen von stofflichen Einträgen sind kleinere Fließgewässer, da sie sich im Vergleich zu größeren häufiger in unmittelbarem Kontakt zu anliegenden Ackerflächen befinden (Schulz 1997).
Der Pestizidabsatz in Deutschland betrug im Jahr 2014 mehr als 46000 Tonnen (Umweltbundesamt 2016). Es kommen jährlich auf einen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche im Durchschnitt ungefähr neun Kilogramm Pestizide zum Einsatz (Umweltbundesamt 2015b). Oberflächenabfluss gilt als einer der Haupteintragspfade, mit dem die ausgebrachten Pestizide auf den Äckern in anliegende Fließgewässer gelangen (Material 3). Die toxische Wirkungsweise der Pestizide kann erheblich das Überleben, die Entwicklung und die Fortpflanzung von Arten beeinträchtigen (Liess/von der Ohe 2005). Dabei wirken Insektizide sehr selektiv auf Nerven- und Immunzellen oder gezielt auf verschiedene Entwicklungsstadien, wie zum Beispiel auf die Fertilität von Adulten, der Qualität von Eiern oder der Vitalität von Larven und Jungtieren (Fent 2007). Pyrethroide beispielsweise, die im Mais- und Getreideanbau eingesetzt werden, stören die Nervenfunktionen aquatischer Organismen, indem sie die Ionenkanäle an den Synapsen blockieren (Werner/Moran 2008 in Gan u.a. 2008)(Material 2 ).
Obwohl Herbizide speziell gegen Pflanzen entwickelt werden, können sie sich auch negativ auf Tiere auswirken. Das Herbizid Atrazin zum Beispiel schädigt besonders Algen und Makrophyten in Fließgewässern, zeigt aber auch eine beeinträchtigende Wirkung auf die Atmung und das Nervensystem von Makroinvertebraten oder Fischen (Solomon u.a. 1996). Durch die Reduzierung von Primärproduzenten oder Populationen unterer Trophiestufen, die als essentielle Nahrungsquellen dienen oder als Konkurrenz agieren, wirken sich Pestizide nicht...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 425 / 2017

Saumbiotope – Grenzen und Übergänge

Beitrag aus Zeitschrift Unterricht Biologie Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 11-13
  • Thema: Ökologie
  • Autor/in: Eyske Siemens/Dörte Ostersehlt