Sonja Wolf

„Durch Schokoriegel verliert der Orang-Utan sein Zuhause“

Orang-Utan, Lebensraum, Borneo
Die Produktion von Schokoriegeln gefährdet den Lebensraum des Orang-Utans., Foto: © arikbintang/shutterstock.com

Sonja Wolf/Christian Wolf

Ein Mystery zum verantwortungsvollen Konsum

Süßigkeiten in westlichen Industrie-ländern locken sie uns an nahezu jeder Straßenecke. Ein übermäßiger Konsum hat nicht nur Folgen für die Gesundheit des Einzelnen. Er zerstört indirekt auch tropische Regenwälder und entzieht damit Tausenden Tieren, Pflanzen und Menschen die Lebensgrundlage. Über Klimawandel und Biodiversitätsverlust verschlechtert er die Lebensbedingungen für die gesamte Menschheit.

Der weltweite Umsatz des Kakaohandels beträgt geschätzt etwa 100 Milliarden Dollar pro Jahr (Janssen/ Kwasniewski 2017). Aus der westafrikanischen Elfenbeinküste stammt etwa die Hälfte der weltweit verarbeiteten Kakaobohnen und die Nachfrage wächst. Die Endprodukte, wie Schokoriegel, entstehen dabei meist in Europa und den USA. Die Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter sehen vom großen Profit nur wenig. 50 Cent bekommen sie in der Elfenbeinküste am Tag. Hochgerechnet sind das 6,6 Prozent für die Bäuerinnen und Bauern. Die Schokoladenfirmen beziehen hingegen 35 Prozent, die Supermärkte 44 Prozent des Profits (Janssen/Kwasniewski 2017). Der Rest geht an die Personen des Zwischenhandels.
Für Kakaobohnen und andere Rohstoffe werden auf Kosten von Regenwaldflächen Kakaoplantagen angelegt. Die Lebensräume der dort lebenden Tiere, Pflanzen und indigenen Menschen schwinden zusehends. Meist sind diese Rodungen illegal und finden zu 40 Prozent in streng geschützten Nationalparks statt (Janssen/Kwasniewski 2017). Die Schokoladenproduzenten profitieren von diesen illegal bezogenen und dadurch billigen Kakaobohnen. Den ansässigen Menschen bleibt ein minimaler Anteil am Profit und ein zerstörter Naturraum.
In Südostasien existiert eine ähnliche Problematik: Seit Jahrzehnten werden weite Flächen Regenwald, teils mehr als 100 Hektar pro Tag, für den Anbau von Ölpalmen gerodet oder abgeholzt. Auf den indonesischen Inseln Sumatra und Borneo werden so vor allem die Lebensräume der drei nur dort einheimischen Orang-Utan-Arten gefährdet (Abb. 1). Diese baumbewohnenden Menschenaffen sind auf ursprüngliche Regenwälder angewiesen. In der Elfenbeinküste werden durch die Abholzung der Regenwälder vor allem Schimpansenpopulationen bedroht.
Durch die Brandrodung werden auch enorme Mengen an Klimagasen, wie CO2 und Methan, freigesetzt. Hinzu kommen der Verlust an Land für indigene Gruppen und die Gesundheitsgefährdung durch die Pestizide aus der Intensivlandwirtschaft. Der daraufhin von Umweltverbänden geforderte Boykott von Palmölprodukten hatte einen Preisverfall zur Folge, der an die Zuständigen vor Ort weitergegeben wurde. Die prekäre Situation der ohnehin ausgebeuteten Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter spitzte sich so weiter zu. Zudem sind die Erträge der Ölpalmen mit 3,3 Tonnen pro Hektar mehr als dreimal so hoch wie bei anderen Ölfrüchten in den Tropen und damit ökologisch konkurrenzlos.
Die Rohstoffe des Schokoriegels
Für die Produktion von Schokoriegeln und ähnlichen Produkten dient das geschmacksneutrale Palmöl vor allem als billiges Streckmittel. Denn Kakaobohnen allein würden genügend Kakaobutter enthalten, um Schokolade herzustellen. Die ausschließliche Verwendung von Kakaobohnen aus kontrolliert ökologischem und sozial vertretbarem Anbau könnte die Situation verbessern, hätte allerdings einen erhöhten Produktpreis zur Folge.
Palmöl wird nicht nur in der Schokoladenindustrie verwendet. Es ist auch Teil von Biokraftstoff, Kosmetikartikeln, Convenience-Lebensmitteln und vielen weiteren Produkten. Von den 35 Prozent des weltweiten produzierten Palmöls, das 2018 in der EU für Lebensmittel und chemische Produkte genutzt wurden, verbraucht die Schokoladenindustrie nur einen kleinen Teil. Der Verzicht auf Schokoladenkonsum würde also nur einen kleinen Beitrag leisten.
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 457 / 2020

Leben und Konsum

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-10
  • Thema: Ökologie
  • Autor/in: Sonja Wolf und Christian Wolf