Ana Luckas/Nadine Pasch/Andrea Möller

Blümchensex und Wirtschaftsfaktor

Ein Mann bestäubt Kirschblüten mit der Hand.
Menschliche Biene beim Bestäuben mit der Hand, Foto: © Top Photo Corporation/Alamy Stock Foto, verändert

Ana Luckas/Nadine Pasch/Andrea Möller

Beobachtungen und Experimente zur Bestäubungsleistung der Honigbiene

Wie jeder weiß, machen Honigbienen Honig. Dabei ist es in erster Linie die enorme Bestäubungsleistung dieses Insektes, die der Natur und dem Menschen nutzt. Der dramatische Verlust vieler Bienenarten stellt ein globales Problem dar und zeigt gleichzeitig aktuelle Herausforderungen des Artenschutzes und der gesellschaftlichen Ziele auf.

Als Schlüsselakteure für den Erhalt von Biodiversität und Artenvielfalt sowie für die Sicherung unserer Nahrungsressourcen nehmen Bestäuber weltweit einen besonderen Stellenwert ein. Ihre Aktivität sichert nicht nur die Fortpflanzung der großen Mehrheit der Wild- und Kulturpflanzen, sondern auch die Erträge der menschlichen Agrarwirtschaft. 78 Prozent aller Blütenpflanzen in den gemäßigten Breiten sind für ihre Bestäubung auf Insekten, wie Bienen, Wespen, Käfer und Fliegen, angewiesen (Ollerton u.a. 2011). Bei den wichtigsten weltweit angebauten Kulturpflanzen, wie Äpfel, Tomaten oder Kaffee, sind es sogar 80 Prozent der Arten. Der Großteil dieser Bestäubung wird von den weltweit über 20.000 Arten von Honig- und Wildbienen geleistet (Klein u.a. 2007), da sie vor allem für die Ernährung ihrer Larven große Mengen an Pollen und Nektar benötigen. Ein Rückgang der Bestäuber führt nicht nur zu drastischen Ertragsverlusten in der Landwirtschaft, sondern auch zu einer dramatischen Abnahme der biologischen Vielfalt. Vor diesem Hintergrund ist das seit einigen Jahren zu beobachtende globale Insektensterben besorgniserregend. Die Verluste bei Apis mellifera haben signifikant zugenommen. In Deutschland sind über 53 Prozent der heimischen Bienenarten in ihrem Bestand bedroht (Westrich u.a. 2011). Die Gründe dieser dramatischen Entwicklung sind multifaktoriell und unter anderem auf Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft und Pestizide zurückzuführen (vgl. Basisartikel).
Biologiedidaktische Bezüge
Eine Auseinandersetzung mit dem aktuell in vielen Studien erkennbaren Verlust von Honig- und Wildbienen ist im Hinblick auf die gesellschaftliche und politische Diskussion über Artenschutz und eine nachhaltige Landwirtschaft von besonderer Relevanz. Aufgrund ihrer Beliebt- und Bekanntheit sowie aussagekräftiger und messbarer Daten dient vor allem die Honigbiene als geeignetes Beispiel des nachfolgenden Unterrichtsvorschlags. Dabei stehen das Verständnis der ökologischen Zusammenhänge von Bestäubung und Ernteertrag sowie dessen weitreichender Folgen für die ökonomische und soziale Gesellschaft im Vordergrund der Unterrichtsstunden.
Hinweise zum Unterricht
Der Unterrichtsabschnitt kann auf dem eigenen Schulgelände in den Monaten von Mai bis Juli durchgeführt werden. Eigene Schulbienen sind nicht nötig. Sollten sich auf dem Schulgelände keine von Honigbienen stark bevorzugten Blütenpflanzen, wie zum Beispiel aus der Familie der Rosen-, Malven- und Raublattgewächse oder einzelne Arten der Korbblütler, befinden, kann die Lehrkraft entweder im Frühjahr Blühpflanzen säen oder in Töpfen anziehen. Einige Tage vor der Unterrichtssequenz werden diese dann auf dem Gelände aufgestellt. So kann die Lehrkraft sicherstellen, dass sich umliegende Bienen auf diese Pflanzen einfliegen. Raps- und Kleesamen können bei einem landwirtschaftlichen Samenhandel oder im Internet, wie zum Beispiel unter https://www.samenshop24.de, beschafft werden.
Hocheffiziente Bestäuber
1. Unterrichtsabschnitt
Der Einstieg erfolgt über Bild- oder Filmmaterial über die Bestäubung durch Menschen in Obstanbaugebieten Chinas. Hier eignet sich zum Beispiel der Film „More than Honey. Zudem wird die Aussage einer menschlichen Biene zur eignen Bestäuberleistung präsentiert (Abb. 1 ). Die Schülerinnen und Schüler formulieren dann eine Frage zum vorliegenden Problem und stellen die Hypothese auf, ob Mensch oder Biene effizienter bestäuben. Durch eine Beobachtung von Blüten besuchenden Honigbienen finden sie...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 453 / 2020

Honigbienen

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-8