Dennis Barnekow

Linde, Blatt, Honigtau, Blattläuse
Lindenblatt mit Blattlausausscheidung (Honigtau), Foto: W. Probst

Dennis Barnekow/Arne Bockwoldt

Blattläuse ein Leben im ÜberflussWissen über Stoff- und Energieumwandlungsprozesse in Ökosystemen erweitern

Blattläuse ernähren sich parasitär von Pflanzensäften und können so in Gärten und in der Landwirtschaft große Schäden verursachen. Ein Großteil der Nahrung nutzen die Tiere nicht und er wird als „Honigtau wieder an die Umwelt abgegeben. Diese zuckerhaltige Masse verklebt Blätter und regnet bisweilen sogar aus Bäumen. Wie können Blattläuse sich diese „Verschwendung leisten?

Wer im Sommer sein Fahrrad unter einer blattlausbefallenen Linde parkt, kann Zeuge der übermäßigen Produktion von Honigtau werden (Abb. 1). Schon nach kurzer Zeit ist das Gefährt von einer zuckerhaltigen Schicht benetzt und der Lenker und der Sattel von den Ausscheidungsprodukten der Tiere verklebt. Auch andernorts, vor allem auf landwirtschaftlich genutzten Flächen und in Gärten, sind Blattläuse dem Menschen lästig. Es gibt verschiedene Blattlausarten und sie können von geflügelter oder ungeflügelter Gestalt sein. Die meisten Arten werden nicht größer als 3 Millimeter und tauchen immer in großer Anzahl auf. Weltweit sind über 3600 Arten bekannt. Rund 850 Arten davon kommen in Mitteleuropa vor.
Der Honigtau der Blattläuse
Die kleinen, weichen Lebewesen bohren mit ihrem Rüssel die Pflanzen an und ernähren sich parasitär von dem Saft aus den Siebröhren. Obwohl sie als Phloemsauger bezeichnet werden, müssen sie bei der Nahrungsaufnahme zumeist nicht aktiv saugen, da der Saft in den Phloemröhren unter Druck steht und somit direkt einströmt. Auf diese Weise können sie der Wirtspflanze nicht nur Nährstoffe entnehmen, sondern sie beim Einstich auch mit Viren infizieren. Die Viruserkrankungen richten oftmals weitaus größere Schäden an der Pflanze an als der Nährstoffentzug selbst.
Der Honigtau, den alle phloemsaugenden Blattläuse nach dem Konsum des Pflanzensafts ausscheiden, ist eine sehr zuckerhaltige und energiereiche Substanz. Warum verzehren die Blattläuse diese nahrhafte Kost nicht? Handelt es sich hierbei um Verschwendung? Die Ursache für dieses Verhalten liegt in dem engen Nahrungsspektrum der Blattläuse. Der Siebröhrensaft ist eine 0,5- bis 1-molare wässrige Lösung, in der die Kohlenhydrate mit einem Anteil von circa 90 Prozent überwiegen. Das Hauptkohlenhydrat ist die Saccharose. Die für die Synthese von Proteinen notwendigen Stickstoffverbindungen sind im Phloemsaft hingegen nur in geringer Konzentration vorhanden. Sie liegen dort fast ausschließlich in organischer Form als Aminosäuren vor. Diese knappe Ressource bestimmt gemäß dem Gesetz des Minimums somit den Erfolg für den Stoffwechsel der Blattläuse. Um ihren Bedarf an den wertvollen Stickstoffverbindungen zu decken, müssen Blattläuse große Mengen der Nahrung aufnehmen und scheiden deshalb einen Teil der Energiequelle, die überschüssigen Kohlenhydrate, ungenutzt wieder aus.
Nutznießer des Überflusses
Profiteure dieser „Verschwendung sind andere Insekten und Pilze. Auf den Blättern mit Honigtau siedeln sich zum Beispiel Rußtaupilze an. Sie erzeugen schwarze große Flecken, die die Fotosyntheseaktivität der Blätter verhindern. Für Bienen ist der von den Blattläusen produzierte Honigtau positiv, weil sie diesen absammeln und zu Waldhonig verarbeiten können. Ameisen können die zuckerhaltigen Ausscheidungsprodukte ebenfalls gut nutzen, sodass sie mit den Blattläusen eine mutualistische Lebensweise eingehen. Beim Mutualismus handelt es sich um eine Form der Symbiose, bei der verschiedene Arten zum beiderseitigen Nutzen zusammenwirken. Diese Verbindung existiert nicht auf Dauer und die Arten leben weitestgehend getrennt voneinander. Als Gegenleistung für die energiereichen Ausscheidungsprodukte erhalten die Blattläuse von den Ameisen Schutz vor Fressfeinden.
Eine stetige Produktion
Blattläuse gehören zu den Insekten mit unvollständiger Entwicklung (Hemimetabola). Sie verfügen über unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien,...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 457 / 2020

Leben und Konsum

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 9-10