Museum, Micropia, Mikrobiologie, Ausstellung, Exkursion
Kulturen in der Ausstellung, Foto: © K.-M. Ricker – aus „Micropia“ – Amsterdam
Micropia Museum für Mikrobiologie
Micropia, ein Museum der Mikrobiologie? Kaum vorstellbar. Was wird es dort zu sehen geben? Wahrscheinlich Bilder von Forschern in weißen Kitteln. Wenn es gut läuft, genügend Mikroskope und Fertigpräparate mit mikrobiologischen Kulturen. Wie interessant ist das denn?
Andererseits: Wer sich traut, ein solches Museum zu eröffnen, muss schon einiges zu bieten haben, um genügend Besucherinnen und Besucher zu bekommen. Also schaue ich mir mal die Website an: „Nach einem Besuch bei Micropia wird man sich selbst und die Welt für immer mit anderen Augen betrachten. Mit dieser Ansage weckt das Amsterdamer Museum mein Interesse. Micropia ist seit 2014 der weltweit erste und einzige Zoo für mikrobiologische Lebewesen. Das klingt noch interessanter!
Unsichtbare Welt der Mikroben
In die unsichtbare Welt der Mikroben abzutauchen. Schon kurz nach dem Betreten des Gebäudes auf dem Gelände des Zoologischen Gartens „ARTIS wird dies auch sichtbar, hörbar und körperlich spürbar.
Nach einer kurzen mündlichen Einführung durch das Museumspersonal werden wir in einen Aufzug geführt, der uns mit einer kleinen Audio-Lightshow in die „Unterwelt befördert, wo wir uns in einem recht dunklen, großen Raum wiederfinden. Dort gibt es zahlreiche kleine Forschungsstationen mit blubbernden Kulturgefäßen und mikrobiologischen Kulturen aller Art auf Petrischalen. Diese können wir uns live unter sehr guten Stereomikroskopen oder wahlweise auf einem Monitor anschauen [Abb. 1 ]. Zu jeder Station gibt es Beobachtungs- und Entdeckungsaufgaben. Schriftliche Informationen gibt es für jeden Bedarf und jede Vorbildung. Man kann sich einen schnellen Überblick verschaffen oder auch tiefer in die Materie eintauchen.
Menschlicher Körper animiert
Vor allem für Laien und auch für Kinder und Jugendliche ist eine Animation des menschlichen Körpers interessant. Man kann sie mit den Bewegungen der Arme auf einer großen Projektionsfläche steuern. So entdeckt man spielend, welche mikroskopisch kleinen Lebewesen unseren Körper innerhalb und außerhalb besiedeln und welche Rolle diese für unser Leben spielen. Am anderen Ende des Raumes werden wir von einem Mitarbeiter des Labors empfangen. Er berichtet über seine Arbeit und führt mit uns ein Gespräch über die Rolle des Mikrobioms in unserem Körper.
Blattschneiderameisen
Das Highlight dieses tollen Mikroben-Zoos stellen für uns jedoch die Blattschneiderameisen [Abb. 2 ] dar. Zunächst stutzen wir, denn was haben Ameisen unter den Mikroben zu suchen. Doch dann ist es uns schnell klar. Wir beobachten, wie die Ameisen Blattstückchen von den Sträuchern im Terrarium schneiden, auf ihren Rücken balancierend über Äste und Seile in ihr Nest bringen. In das Nest können wir hineinschauen, denn es befindet sich in Glasgefäßen. Dort lagern die Ameisen die zerkauten Blätter. Diese werden dann von einer speziellen Ameisenkaste übernommen und in 29 fein aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten zur Pilzzucht verwendet. Das Pilzgeflecht des speziellen Schimmelpilzes wird dann als Futter verwendet. Diese Symbiose zwischen Ameisen und Pilz ist so eng, dass keine Art ohne die andere überleben könnte. Neben den winzig kleinen Ameisen im Nest und auf den Zweigen und Seilen entdecken wir auch noch viel größere Individuen, die Soldaten, die offenbar für die Feindbekämpfung verantwortlich sind. Sie sind mit dicken Mandibeln ausgestattet, die wie starke Kneifzangen zugreifen können.
Natürlich ist das noch längst nicht alles, was es in diesem Museum zu entdecken gibt. Vielleicht machen Sie sich ja mal auch auf die Reise. Nehmen Sie sich zwei bis drei Stunden Zeit dafür. Es lohnt sich!
Karl-Martin Ricker

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Fakten zum Artikel
aus: Biologie 5-10 Nr. 26 / 2019

Insekten

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