Daniela Mahler/Julia Arnold

Wissen ist Macht!

Daniela Mahler/Julia Arnold

Das TPACK-Modell als Grundlage für Mediennutzung im Unterricht

Für SchülerInnen sind Smartphones und Tablets selbstverständliche Begleiter. Sie sind in einem „digitalen Alltag aufgewachsen. Im Sinne eines Lebensweltbezugs wäre es geradezu Verschwendung, diese Tatsache nicht für die Unterstützung von Lernprozessen zu nutzen. Der Einsatz dieser digitalen Medien kann das Lernen im Biologieunterricht bereichern. Videos oder interaktive Darstellungen ermöglichen den Zugang zu biologischen Phänomenen wie beispielsweise Zellstrukturen oder Stoffwechselreaktionen, die sich normalerweise der direkten Wahrnehmung entziehen (für eine Übersicht: Schaal/Crossley, 2013). Eine Wärmebildkamera als Aufsatz für das Tablet oder ein Binokular-Zubehör erweitern die Möglichkeiten in der Ausübung fachgemäßer Arbeitsweisen wie Messen, Bestimmen, Beobachten oder Experimentieren (Maxton-Küchenmeister/Meßinger-Koppelt, 2014; Schwanewedel, 2017). Doch warum werden digitale Medien im Unterricht dann so selten genutzt, wie Studien mehrfach zeigen? Neben Problemen der schulischen Infrastruktur wird häufig angemerkt, dass die technologiebezogene professionelle Kompetenz (z. B. Wissen, Selbstkonzept, weitere motivationale Faktoren) bei Lehrkräften gering ausgeprägt ist. Das technologiebezogene Professionswissen stellt einen Kernaspekt dieser Kompetenz dar. Dieser Beitrag zeigt auf, welche Wissensbereiche im Detail relevant sind, wie Lehrkräfte von diesem Wissen profitieren können und wie das Wissen erworben werden kann.
Die Technik spielt nicht mit
Frau Schmidt möchte mit ihren SchülerInnen in der nächsten Biologiestunde Bau und Funktion des menschlichen Verdauungsapparates behandeln und zur Unterstützung des Lernprozesses eine App einsetzen (Kasten 1). Die Schule von Frau Schmidt ist im Besitz mehrerer Klassensätze von Tablets. Es kann also losgehen!
Die Virtuali-Tee App
Die Virtuali-Tee App
Die App Virtuali-Tee (https://www.indiegogo.com/projects/the-virtuali-tee-kids-education#/) wird in Kombination mit einem T-Shirt genutzt, welches einen Code in Form eines Brustkorbs enthält. Die App kann kostenfrei eingeschränkt genutzt werden, das T-Shirt und damit der volle Umfang der App sind kostenpflichtig. Wird der Code eingescannt, kann man sich mittels Augmented Reality quasi im Brustraum des T-Shirt-Trägers bewegen. Da es in Frau Schmidts Fall um Bau und Lage sowie Funktion der Verdauungsorgane gehen soll, bietet der Einsatz der App Vorteile, die über die eines klassischen Modells hinausgehen. So ist z.B. der Wechsel zwischen den Ebenen von der Lage der Organe im Bauchraum bis hin zur Struktur der Darmzotten und deren Bewegung nachvollziehbar. Durch die Nutzung von (selbstgebauten) VR-Brillen wird der Eindruck noch realistischer.
Frau Schmidt macht sich auf den Weg, den Koffer mit den Tablets aus dem Lehrerzimmer zu holen und die entsprechende App auf den Tablets zu installieren. Hier sind die üblichen (organisatorischen) Hürden zu überwinden: Der Koffer ist nicht am üblichen Ort, die Tablets nicht alle im Koffer und bei manchen ist der Akku leer, beim Anschalten verlangen die Tablets nach einem Software-Update. Bei der ersten Fehlermeldung des Software-Updates gibt Frau Schmidt auf und geht in die Sammlung, um das übliche Modell des Verdauungsapparates zu holen.
Aber ist es wirklich nur das Scheitern an der Technik, das verhindert, dass digitale Medien gewinnbringend im Unterricht eingesetzt werden? Würde der Biologieunterricht allein dadurch besser werden, dass Frau Schmidt mehr Wissen über die Bedienung der Tablets mitbringt? Anders gefragt: Was genau müssen Lehrkräfte wissen, um den Biologieunterricht durch den Einsatz digitaler Medien zu bereichern?
Welches technologiebezogene Professionswissen benötigt eine Lehrkraft? Eine Systematik
Würde sich Frau Schmidt entschließen, trotz aller Widrigkeiten, doch die App einzusetzen, bräuchte sie zunächst Wissen und...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 431 / 2018

Biologie zwischen Mythen und Fakten

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13