Eva-Maria Feige, Juliane Rutsch, Tobias Dörfler und Markus Rehm

Von der Alltagsvorstellung zum fachwissenschaftlichen Konzept

In Concept Cartoons werden fachwissenschaftliche Konzepte den Alltagsvorstellungen der Schülerinnen und Schüler gegenübergestellt.
In Concept Cartoons werden fachwissenschaftliche Konzepte den Alltagsvorstellungen der Schülerinnen und Schüler gegenübergestellt., © Zeichnung: Rosina Steininger

Eva-Maria Feige, Juliane Rutsch, Tobias Dörfler und Markus Rehm

Schülervorstellungen diagnostizieren und weiterentwickeln

„Da ein Lernender häufig nicht weiß, was er nicht weiß, entsteht bisweilen erst in der Konfrontation mit anderen (mehr oder weniger richtigen) Vorstellungen ein Bewusstsein für die potentielle Fehlerhaftigkeit seines Konzeptes. Eine Fehlvorstellung ist es also zunächst nur für denjenigen, der es besser zu wissen glaubt oder eben besser weiß [1]. Das Lernen im naturwissenschaftlichen Unterricht wird unter anderem durch zwei Faktoren determiniert: Lernende interpretieren Beobachtungen auf der Grundlage ihrer alltäglichen Erfahrungen und sie bringen ihr Vorwissen in den Unterricht ein. Diese beiden Faktoren haben einen bedeutsamen Einfluss darauf, in welcher Weise Schülerinnen und Schüler naturwissenschaftliche Sachverhalte wahrnehmen und entsprechend im Unterricht sowie in der alltäglichen Praxis anwenden können. Aus diesem Grund beschäftigen sich bereits seit den 70er Jahren verschiedene Untersuchungen mit bestehenden Erfahrungen und damit verknüpft, individuellen Deutungsmustern naturwissenschaftlicher Sachverhalte von Schülerinnen und Schülern [2, 3]. Das soziale Umfeld des Lernenden, sowie der Einfluss der Medien und der Werbung tragen aufgrund der in diesen Kontexten verwendeten Umgangs- und Alltagssprache, zur Ausbildung von vor- und außerunterrichtlichen Vorstellungen zusätzlich bei [4]. Im Zuge der oben genannten Untersuchungen stellte sich immer wieder heraus, dass bereits vorhandene Schülervorstellungen häufig Alternativen zu den naturwissenschaftlichen Sichtweisen des zu unterrichtenden Sachverhaltes darstellen (vgl. auch Abb.1). Wenn der weitere Unterricht diese Alternativen nicht ausreichend in den Blick nimmt, also nicht sinnvoll an das Vorwissen und die alternativen Vorstellungen der Lernenden anknüpft, resultieren daraus Lern- und Verständnisschwierigkeiten [5]. Daher herrscht in der heutigen Fachdidaktik ein Konsens darüber, dass die bereits vorhandenen Kenntnisse der Lernenden zu einer bestimmten Thematik reflektiert in den Blick genommen werden müssen, ehe der Transfer von den Erklärungsansätzen der Schülerinnen und Schüler zu den wissenschaftlichen Vorstellungen erfolgreich hergestellt werden kann [6]. Hierzu liegen bereits einige Erkenntnisse vor.
In Abbildung2 wird in Form einer Landkarte veranschaulicht, wie mit alternativen Schülervorstellungen in der Unterrichtspraxis systematisch umgegangen werden kann. Mit der Abbildung wird das Ziel verfolgt, den Lehrkräften einen Weg von den ursprünglichen Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler zum fachwissenschaftlich gültigen Konzept aufzuzeigen. Die Landkarte setzt bei den alltäglichen Beobachtungen und Erfahrungen der Lernenden, als einer möglichen Ursache der alternativen Schülervorstellungen, an. Mit Hilfe von drei Schritten können Schülervorstellungen besser durchdacht in den Unterricht einbezogen werden: Hierbei bilden die Diagnose (1.  Schritt) und anschließende Einteilung der vorhandenen alternativen Schülervorstellungen (s.u.) die notwendige Ausgangsbasis. Weiß man, an welchem Punkt die Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernprozess stehen, sprich welche „Ausprägung der identifizierten Schülervorstellung vorliegt, kann entsprechend der Umgang mit Schülervorstellungen (2.  Schritt) individualisierter und differenzierter gestaltet werden. Die Evaluation (3.  Schritt) stellt, mit dem Ziel ein fachwissenschaftlich gültiges Konzept zu entwickeln, einen nicht zu vernachlässigenden Abschluss dar. Schließlich ist es wichtig, dass das neu erworbene Konzept, von den Lernenden, auch in weiteren Situationen und Kontexten nachvollzogen und angewendet werden kann. Ist sich die Lehrkraft über die hinter den Schüleräußerungen liegenden Vorstellungen im Klaren, ermöglicht ihr das einen größeren Handlungsspielraum, um den Lernprozess effizienter begleiten zu können [7].
Konkretisierung des Begriffs „alternative...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 159 / 2017

Schülervorstellungen

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13
  • Thema: Methoden & Konzepte
  • Autor/in: Eva-Maria Feige, Juliane Rutsch, Tobias Dörfler und Markus Emden