Monique Meier/Marit Kastaun

Videos zum Lehren und Lernen

Jugendliche nutzt ein Tablet im Biologieunterricht.
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Monique Meier/Marit Kastaun

Biologische Prozesse im phänomengestützten Unterricht visualisieren

Das Medium Video besticht durch Stabilität in einer bereits existenten Nutzung im Unterricht. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Spielfilme gezeigt, die nach einer Prüfung als „erzieherisch wertvoll (von Martial 2005) eingestuft wurden. Bis heute hat sich ein zielorientierter Einsatz von Videofilmen und Videoclips im Unterricht etabliert, wobei die damit einhergehenden (Video-)Techniken (Tab. 1) vornehmlich zur Visualisierung von Inhalten genutzt werden und weniger als Lerninstrument in einer konstruktivistisch-orientierten Lernumgebung.
Die Verwendung von Videos unterstützt aktives Lernen
Videos sind bei Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen als Informations- und Kommunikationstool (u.a. JIM-Studie 2017) sehr beliebt. Entsprechend ihrer Alltagsnähe zählen Videos zu einem für Schülerinnen und Schüler bekannten Medium (Bachmair 2009). Dadurch kann im Unterricht auf bestehende Fähigkeiten in der Nutzung dieses Mediums zurückgegriffen und aufgebaut werden. Jedoch sollte im unterrichtlichen Kontext ein neuer bzw. erweiterter Zugang geschaffen werden, durch welchen Videos auch als Lehr- und Lernmedium wahrgenommen und genutzt werden.
Über Videos sind naturwissenschaftliche, abstrakte Phänomene, dynamische Prozesse, mikroskopische Aufnahmen oder komplexe Experimente im unterrichtlichen Lehren und Lernen als Erklärung und Veranschaulichung eingebettet (Bates 2015, Schön/Ebner 2013). Durch den stetigen technologischen Fortschritt bei den digitalen Endgeräten (u.a. mobile Smartphones, Tablets) und den daraus resultierenden neuen, videografischen Methoden eröffnen sich für den Videoeinsatz im Unterricht für Schülerinnen und Schüler innovative Möglichkeiten des aktiven Lernens. Es entwickeln sich neue Unterrichtsformen, in denen Videos als Lerninstrument außerhalb des Unterrichts einen besonderen Stellenwert einnehmen (UB 435 Beitrag Flipped Classroom) oder Videos im Lernprozess von den Lernenden selbst produziert werden (UB 433 Beitrag Entdecke die Natur).
Bewegtbild-Techniken in der Produktion von (Erklär-)Videos
In der eigenständigen Produktion von Videos beim und zum Lernen nimmt das Format „Erklär- oder Lernvideo einen besonderen Stellenwert ein. Erklärvideos sind eigenproduzierte, didaktisch aufbereitete Videos mit dem Ziel einer guten, visualisierten Informationsdarbietung zu einem bestimmten Themenfeld (Schön/Ebner 2013, Wolf 2015). Im Erklärvideo vereinen sich verschiedene Kommunikationselemente und Bewegtbild-Techniken, die zumeist in einer Wechselbeziehung zueinander stehen. Statische und dynamische Bilder, Text (im Bild oder als Sprechertext), Animation und Simulation, Musik und Soundeffekte sprechen, einzeln oder in Kombination, unterschiedliche Verarbeitungskanäle im Gehirn an. Dadurch können sie eine belastende oder entlastende Funktion beim Lernen einnehmen (Mayer 2009, Schnotz/Bannert 2003). Ausgewählte Techniken zur Videografie können von den Lernenden zum einem in kurzen, erklärenden Clips, z.B. zum Prozess der Keimung von Samenpflanzen, umgesetzt werden, die zum anderen dann auch in einem umfassenderen Erklärvideo zusammengeführt werden können. Zum Bereich der Bewegtbild-Techniken zählen reale und animierte Bewegtbilder sowie Simulationen (Tab.  1). Erstere sind für den technischen und grafischen Laien gut zu erlernen und anwendbar, die Erstellung von Animationen und Simulationen durch Lehrende und Lernende unterliegt allerdings einer gewissen Limitierung.
Reale Bewegtbilder: Zeitlupen und Zeitraffer
Spezifische Techniken, wie Zeitraffer- und Zeitlupen-Aufnahmen, können als geeignete Arbeits- und Lerninstrumente fungieren. Durch sie können besonders schnelle (z.B. Högermann 2018) oder besonders langsame oder lang andauernde Bewegungen und Prozesse (z.B. Hilfert-Rüppell/Sieve 2017) erfasst und einer anschließenden Auswertung unterzogen werden. Zur technischen...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 443 / 2019

Symbiosen mit Mikroben

Beitrag aus Zeitschrift Unterricht Biologie Methode & Didaktik Schuljahr 5-13