Christian Herdt

Sprachbarrieren überwinden

Sprachsensibel unterrichten, Mind-Map, Wortliste, Wortgeländer, Filmleiste
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Christian Herdt

Berücksichtigung sprachlicher Lernhindernisse im Chemieunterricht

Im Fach Chemie „sprachsensibel zu unterrichten, wird in Deutschland seit etwa 10 bis 15 Jahren zunehmend intensiver an die Ausbilder in der Phase II der Seminarausbildung, die Fachleiter an den Seminarschulen, herangetragen. Angesichts zunehmender Zahlen von Geflüchteten und Migranten im schulpflichtigen Alter (etwa 40% der Asylbewerber in Deutschland waren 2017 in der Altersgruppe 0 –15 Jahre [1]), kommt dem Erkennen und wenn verantwortbar auch Absenken von Sprachbarrieren im Fachunterricht große Bedeutung zu. Auch sprachschwache Lerner mit Deutsch als Muttersprache können von einem Chemieunterricht, der sprachliche Lernhindernisse explizit berücksichtigt, profitieren und stehen in diesem Artikel gleichwertig im Fokus.
Morphologische und syntaktische Besonderheiten
Speziell auch für Schüler, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist, sondern als Zweitsprache erworben wurde (DaZ), stellt das Aneignen der chemiespezifischen Ausdrücke und Sprachverwendungen, wie in [2] genauer ausgeführt wird, eine zusätzliche Hürde dar. Dies zeigt sich konkret an für das Fach typischen Wort-Kombinationen und charakteristisch aufgebauten Wörtern (Abb.1 ). Auch syntaktische Besonderheiten (Abb.2 ) sind in chemiespezifischen Texten wie beispielsweise Schulbüchern gehäuft festzustellen (Abb.3 ). In Fachtexten treten neben einer hohen Anzahl unbekannter Fachbegriffe (Abb.4 ) unpersönliche Ausdrucksweisen und Passiv-Konstruktionen vermehrt auf. Komplexe Attribute sind satzverkürzend und ebenfalls typisch für Schulbuchtexte. Solche syntaktischen Strukturen sind in der Alltagssprache vieler Schülerinnen und Schüler eher selten anzutreffen, dementsprechend ist es insbesondere für sprachschwache Lerner ein sehr anspruchsvolles Ziel, derartige Fachtexte selbstständig zu verfassen.
Probleme durch die fachspezifische Nutzung von Begriffen
Alltagssprache und Fachsprache
Das Erlernen eines neuen Fachbegriffes, also das Verknüpfen einer bis dahin bedeutungslosen Buchstabenfolge mit einer bestimmten Bedeutung, erscheint einfacher als die Konfrontation mit bekannten Begriffen, die im chemischen Kontext mit einer anderen, neuen Bedeutung zu belegen sind. Bekannte Beispiele wären die mehrdeutigen Begriffe „Lösung, „Verbindung, „Reaktion oder „Spannung. Doch auch im chemischen Kontext kann es mit ein und demselben Begriff zu Problemen kommen. Die fachsprachlich ungeschickte Aussage „Magnesium löst sich in salzsaurer Lösung auf führt leicht zu Verwechslungen mit einem Lösungsvorgang, ähnlich dem Auflösen von Natriumchlorid in Wasser. Im erstgenannten Fall findet aber ein Elektronenübergang statt, wobei die Magnesium-Atome zu Magnesium-Ionen werden. Im anderen Fall wird ein Natriumchlorid-Ionengitter zerlegt, die bereits vorhandenen Ionen werden lediglich freigesetzt und hydratisiert. Selbst der häufig verwendete Begriff Wasser wird im Alltag und in der Chemie verschieden genutzt, ohne dass dies jeweils reflektiert würde. Verwendet der Chemiker den Begriff Wasser, meint er meist den Reinstoff destilliertes Wasser, welcher in der Regel im Labor genutzt wird. Im Alltag ist Wasser ein Stoffgemisch, in dem eine Vielzahl an Salzen gelöst ist. Manche Fachbegriffe werden in verschiedenen Fachdisziplinen in ganz anderer Bedeutung gebraucht, der Begriff „Brennen ist hierfür ein Beispiel [4]:
  • „Die Glühbirne brennt: Der Wolframfaden glüht, was keine chemische Reaktion ist.
  • „Das Teelicht brennt: Bei der Verbrennung von Wachs handelt es sich um eine chemische Reaktion.
Weitere fachsprachliche Aspekte des Themas sind in der Literatur [5 – 8] wiederholt beschrieben.
Sprachliche Barrieren absenken
Sprachsensibler Fachunterricht als integrativer Ansatz
Wie Rösch [9] ausführt, sind in den großen Schulleistungsstudien wie PISA für Deutschland zwar Verbesserungen in den Ergebnissen aufgetreten, dennoch beeinflusst die soziale Herkunft...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 168 / 2018

Sprachsensibel unterrichten

Friedrich+ Kennzeichnung Praxis Schuljahr 8-13