Markus Rehm, Mathias Ropohl, Mirjam Steffensky und Ilka Parchmann

Schülervorstellungen nutzen

Schülervorstellungen, Fehlvorstellungen, Diagnose
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Markus Rehm, Mathias Ropohl, Mirjam Steffensky und Ilka Parchmann

Ein wichtiges Merkmal effektiven Chemieunterrichts

Für einen effektiven Chemieunterricht spielt das Anknüpfen an Schülervorstellungen eine wichtige Rolle. Vorstellungen von Schülerinnen und Schülern über naturwissenschaftliche Sachverhalte können durch das gezielte Aufgreifen für erfolgreiche Lernprozesse nutzbar gemacht werden. Hierzu ist es nötig, Schülervorstellungen zunächst zu diagnostizieren, um mit jeweils geeigneten instruktiven Anknüpfungsstrategien darauf zu reagieren. Solche instruktiven Anknüpfungsstrategien sind die kognitive Aktivierung der Schülerinnen und Schüler und die konstruktive Unterstützung ihrer Lernprozesse im Chemieunterricht.
Merkmale effektiven Chemieunterrichts
Bei der thematischen Zusammenfassung von Qualitätsmerkmalen zeigt sich, dass sich über viele Studien und Metaanalysen hinweg drei zentrale Basisdimensionen als besonders geeignet erweisen, um die Wirkung von Unterricht vorherzusagen [1, 2]. Diese Basisdimensionen von Unterricht sind (1) die strukturierte Klassenführung, (2) die kognitive Aktivierung und (3) die konstruktive Unterstützung.
Eine strukturierte Klassenführung ist ein wichtiges Merkmal allgemeiner Unterrichtsqualität [3, 4]. Die Klassenführung bezieht sich auf Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, einen hohen Anteil effektiver Lernzeit zu erreichen und diese bestmöglich für Lernprozesse zu nutzen. Solche Maßnahmen spielen gerade in Unterrichtsphasen, in denen die Schülerinnen und Schüler in hohem Maße selbstständig arbeiten, eine große Rolle, da hier u.a. klare Regeln für den Arbeitsablauf gelten müssen. Gelten diese nicht, kann wertvolle Lernzeit „verschenkt werden. Im Chemieunterricht betrifft dies insbesondere Experimentierphasen. Denn über die effektive Nutzung der Lernzeit hinaus, trägt eine strukturierte Klassenführung auch zu einem hohen Maß an Sicherheit beim Experimentieren bei [5].
Die kognitive Aktivierung zielt auf die vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand ab, mit dem Ziel, Wissen aufzubauen, zu erweitern und letztlich das Verstehen von Sachverhalten und Zusammenhängen zu ermöglichen. Um Schülerinnen und Schüler kognitiv zu aktivieren, muss die Lehrkraft die Inhalte im Chemieunterricht auf den Lernstand der Schülerinnen und Schüler zuschneiden und an das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler anknüpfend den Prozess des Unterrichts nach Lernniveaus differenziert aber jeweils intellektuell anspruchsvoll gestalten. Das Ziel ist, dass sich die Lernenden mental aktiv mit den Inhalten des Chemieunterrichts auseinandersetzen. Über kognitiv aktivierende Aufgabenstellungen und eine kognitiv aktivierende Gesprächsführung im Unterricht hinaus, ist für den Chemieunterricht das aktive Experimentieren (z.B. hypothesengeleitet) und der aktive Umgang mit Modellen (z.B. das Reflektieren über die Herkunft von Modellen) wichtig [6, 7]. Es handelt sich hierbei um Denkaktivitäten (z.B. das Schlussfolgern) und nicht um motorische Fertigkeiten (z.B. die korrekte Handhabung von Experimentierapparaturen).
Wichtige Merkmale der konstruktiven Unterstützung von Lernprozessen im Chemieunterricht sind die Rückmeldungen, die Schülerinnen und Schüler von ihrer Lehrkraft erhalten, sowie eine positive Fehlerkultur [8]. Weitere wichtige Merkmale für die konstruktive Unterstützung sind die Sensitivität für die Lernenden, die Wertschätzung der Perspektiven der Lernenden und die positive Beziehungsqualität [6].
Über die fachübergreifenden, pädagogischen Fähigkeiten einer Lehrkraft hinaus, erfordert die konstruktive Unterstützung von Lernprozessen natürlich fachspezifische Fähigkeiten: „Primäre Voraussetzung ist die domänenspezifische Diagnose der Struktur der Schwierigkeiten [9, S.89]. Lehrkräfte benötigen gerade im Chemieunterricht eine hohe Aufmerksamkeit und Sensibilität für Verständnisprobleme der Schülerinnen und Schüler und müssen darauf aufbauend den...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 159 / 2017

Schülervorstellungen

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13
  • Thema: Methoden & Konzepte
  • Autor/in: Markus Rehm, Mathias Ropohl, Mirjam Steffensky und Ilka Parchmann