Heike Nickel und Robert K. Engel

Schau genau

Teilchendarstellungen, Fehlersuchbilder
Dichotomes, einseitiges Fehlersuchbild Original/Fälschung , © Heike Nickel und Robert Engel

Heike Nickel und Robert K. Engel

Das unterrichtliche Potenzial des Einsatzes von Fehlersuchbildern

Wer kennt sie nicht, Bilder, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen, sich bei genauem Hinsehen aber doch in einigen Punkten unterscheiden. Es gibt sie in fast allen Illustrierten, Rätselheften und vielen Tageszeitungen, sie heißen „Schau genau, „Original und Fälschung oder so ähnlich. Diese Fehlersuchbilder sollen die Konzentrationsfähigkeit trainieren und zwingen zu genauem Betrachten. Man ist meist hochmotiviert, die kleinen, versteckten Fehler zu finden. Diese intrinsische Motivation kann man durch Fehlersuchbilder auch in den Chemieunterricht integrieren.
Im Folgenden werden verschiedene schulisch erprobte Varianten von Fehlersuchbildern und Varianten ihres Einsatzes vorgestellt. Neben der Diskussion möglicher Darstellungsfehler werden Tipps zur Themensuche und Gestaltung der Fehlersuchbilder gegeben. Zuletzt werden die Poten-ziale des Einsatzes von Fehlersuchbildern als Diagnose- und Übungsaufgaben vorgestellt.
Schwierigkeitsgrad verschiedener Fehlersuchbilder
Es wurden verschiedene Typen von Fehlersuchbildern in der 8. Jahrgangsstufe im Anfangsunterricht Chemie und in der gymnasialen Oberstufe erprobt. Zum einen das klassische Bildpaar „Original und Fälschung (Abb.1, oben links). Das Original ist eine Abbildung, die einen Vorgang oder ein Phänomen korrekt zeigt, die Fälschung ist die Abbildung mit Fehlern (Abb.1, oben rechts). Die Lernenden sollen nun die Abweichungen und damit die Fehler entdecken (Abb.1, unten). In einem zweiten zentralen Schritt soll er/sie verbal oder schriftlich erklären, weshalb er/sie die Abweichung im Bild Fälschung für falsch hält. Lernenden gefällt diese Variante von sog. dichotomen, einseitigen Fehlersuchbilden [1] häufig am Besten, vermutlich weil sie im 1. Schritt zunächst nur Unterschiede erkennen müssen und scheinbar kein bzw. nur wenig Fachwissen benötigen.
Etwas schwieriger wird es für die Lernenden, wenn man zwei Abbildungen präsentiert, bei denen beide Bilder Richtiges und Falsches enthalten (Abb.2 ). Die Lernenden stellen zunächst die Unterschiede fest, müssen sich dann aber entscheiden, welches Detail richtig und welches falsch dargestellt ist und warum das Detail falsch ist. Man bezeichnet solche Paare auch als dichotome, zweiseitige Fehlersuchbilder [1].
Noch schwieriger wird es für die Lernenden, wenn man nur ein Fehlersuchbild präsentiert und die Lernenden die Fehler finden müssen, ohne einen Vergleich zu haben (Abb.3 ). Ist ein Fehler identifiziert, sollte noch erklärt werden, was falsch ist. Anschließend soll das Bild richtig gezeichnet werden. Ein solches Fehlersuchbild wird als monoikonisch [1] bezeichnet.
Innerhalb der verschiedenen Fehlersuchbilder kann man zudem den Schwierigkeitsgrad durch die Offensichtlichkeit des Fehlers variieren. Sollte man im Unterricht z.B. sehr viel Wert auf die Bildung von Hy-drathüllen gelegt haben, so wird das etwas sein, was die Schülerinnen und Schüler als erstes kontrollieren. Wenn man (wie in Abb.3, Fehler 4) sehr kleine Fehler einbaut, ähnelt es weniger einem Fehlersuchbild als eher einem Wimmelbild wie beispielsweise „Wo ist Walter?.
Methodischer Einsatz von Fehlersuchbildern
Die Lernenden können Fehler nur entdecken, wenn sie das dazu nötige Fachwissen erworben haben und auf Teilchenebe anwenden können. Daher wurden die vorgegebenen Fehlersuchbilder überwiegend als Festigungs- bzw. als Diagnoseinstrument am Ende der Fachwissensvermittlung in Einzel- oder Partnerarbeit eingesetzt. Im Folgenden werden weitere Einsatzvarianten eines Fehlersuchbildes skizziert:
  • Wenn Schülerinnen und Schüler mit dem Konzept der Fehlersuchbilder vertraut sind, könnten sie, zum Beispiel zur Wiederholung von gelerntem Stoff, selbst Fehlersuchbilder erstellen. Es empfiehlt sich, dass die Lernenden in Kleingruppen zusammenarbeiten und auf einer Extraseite begründen, was weshalb falsch ist. Dann kann man...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 167 / 2018

Intelligentes Üben

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