Steffen Schaal/Katrin Schlör

Medienproduktion im Biologieunterricht

Jugendliche nutzt ein Tablet im Biologieunterricht.
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Steffen Schaal/Katrin Schlör

Ästhetisch gestalten mit Schülerinnen und Schülern

Die Naturwissenschaften gelten als rational und analytisch. Entsprechend verstehen wir Lernen aus dieser Perspektive als fortlaufenden Prozess aus Aufbau und Erweiterung von Konzepten sowie als wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung und als Problemlösevorgang (Girod/Twyman/Woijcikiewicz 2010). Hierbei scheinen vordergründig ästhetische Erfahrungen und das sinnliche Erleben der Umwelt eine untergeordnete Rolle zu spielen.
Geht man nun jedoch davon aus, dass sich auch eine naturwissenschaftliche Welterschließung stets als eine Kombination von Kognition, Emotion und Handlung konstituiert, dann kommt dem ästhetischen Erleben als „Wahrnehmen oder Vorstellen von Umweltobjekten mit deutlich affektivem, wertendem Akzent (Wenninger 2000) wiederum eine größere Rolle zu.
Nach Girod und Kollegen (2010) kann ein Unterricht, bei dem das Erleben von ästhetischen Aspekten naturwissenschaftlicher Phänomene im Vordergrund steht,
  • 1. die Relevanz des Gelernten im Alltag verdeutlichen sowie
  • 2. die längerfristige Behaltensleistung konzeptueller Lernergebnisse und
  • 3. das Selbstwirksamkeitserleben der Lernenden fördern.
Gurnon und Kollegen (2013) verweisen bei der Verbindung von Kunst und Naturwissenschaften darauf, dass Lernende in ihrer Imagination und bei der Entwicklung von metaphorischen Vorstellungen gefördert werden sowie in kreativen Zugängen, sich naturwissenschaftliches Wissen anzueignen und sich mit anderen darüber auszutauschen. Dabei spielen vor allem produktorientierte Unterrichtsverfahren eine prominente Rolle, wenn biologische Konzepte künstlerisch umgesetzt werden: So ergibt beispielsweise die Aufgabe, einen idealen Prädator an Land oder im Wasser zu konzipieren, eine Vielzahl von Zeichnungen (Abb. 1 ). Diese schaffen als Folge vielfältige Ansätze zur anschließenden Diskussion von Struktur und Funktion (vgl. auch Quillin/Thomas 2015).
Die Verbindung von kreativ-ästhetischen Zugängen zu naturwissenschaftlichem Unterricht wird auch als STEAM-Education bezeichnet (Science, Technology, Engineering, Arts, Mathematics, siehe auch Segarra u.a. 2018). In diesem Zugang sollen vor allem kreative Lösungswege zu naturwissenschaftlichen Problemen sowie praktische Fertigkeiten des handlungsorientierten Unterrichts gefördert werden. Damit dienen kreativ-künstlerische Zugänge im Rahmen eines forschungsorientierten Unterrichts der Förderung des fachbezogenen Selbstkonzepts und sie ermöglichen auch denjenigen Lernenden einen Zugang, die ansonsten ein eher distanziertes Verhältnis zu den Naturwissenschaften pflegen. Ein Unterricht mit der Möglichkeit des künstlerischen Ausdrucks fördert demnach die Selbständigkeit, Schülerinnen und Schüler befassen sich mit Lerngegenständen zunächst fernab von einer einengenden, eher starren Fehlerkultur. Vielmehr finden sie einen eigenen Zugang zum Thema und so kann beispielsweise anhand des Artefakts die eigene Modellbildung mit den Modellen der Mitschülerinnen und Mitschüler oder mit dem wissenschaftlichen Modell abgeglichen werden. Im Bezug darauf waren die Ergebnisse der sehr offen gestellten Prädator-Aufgabe spannend: Anstatt einen Prädator aus der Fantasie zu entwickeln, haben Lernende einen Delfin gezeichnet und stichhaltig begründet, warum er im Wasser ein optimal angepasster Prädator ist. Um eine Vorstellung zu weiteren kreativen Zugängen zu erhalten werden nachfolgende ein paar Beispiele beschrieben. Dabei bekommen die Lernenden die Aufgabe, die Inhalte kreativ aufzubereiten und dies medial (z.B. in interaktiven Bildern, Erklärvideos oder anderen Präsentationsformaten) umzusetzen:
  • Projekt Biosphäre III: Lernende erarbeiten anhand des Projekts Biosphäre II (vgl. Löll 2001) Stoffkreisläufe und Energiefluss als Grundlagen der Ökologie.
  • Autotrophe Tiere: Wie sähe ein Säugetier aus, wenn es zur Fotosynthese in der Lage wäre? Lernende setzen sich mit grundlegenden...
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aus: Unterricht Biologie Nr. 449 / 2019

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Beitrag aus Zeitschrift Unterricht Biologie Methode & Didaktik Schuljahr 5-13