Niklas Schneeweiß und Bernhard Sieve

Individualisiertes Lernen

Individualisiertes Lernen, digitale Medien, digitale Lernumgebungen, digitales Lernen
© Johann Seibert

Niklas Schneeweiß und Bernhard Sieve

Noch ist es vielerorts Praxis, dass die Schülerinnen und Schüler einer Klasse, trotz unterschiedlicher Voraussetzungen, die gleichen Aufgaben bearbeiten. Die Folge beschreibt von der Groeben [1, S.16] als „Teufelskreis des Misslingens. Schwächere Lernende werden über- und stärkere Lernende unterfordert, beide Gruppen werden in ihrer Motivation und ihrem Lernverhalten beeinträchtigt.
Heterogenere Lerngruppen erfordern in jeder Schulform einen Unterricht, der Individuen mehr in den Blick nimmt. Lehrstrukturen und -verfahren sind u.a. zu orientieren an der konsequente[n] Berücksichtigung unterschiedlicher Lernvoraussetzungen [2, S.44]. Die Realisation einer differenzierten und individualisierten Unterrichtsgestaltung wird von vielen Lehrkräften indes als schwierig und kaum leistbar empfunden [3]. Daher stellt sich die Frage, inwiefern digitale Werkzeuge Potenziale bieten, die Gestaltung von Unterricht zu unterstützen, der stärker auf individuelle Belange und Lernwege eingeht. Die KMK fordert: Lehrkräfte müssen perspektivisch in der Lage sein:
  • „angesichts veränderter individueller Lernvoraussetzungen und des Kommunikationsverhaltens in der digitalen Welt den adäquaten Einsatz digitaler Medien und Werkzeuge zu planen, durchzuführen und zu reflektieren; dieser kann sich positiv auf individualisierte, selbstgesteuerte sowie kollaborative Lernprozesse und -ergebnisse auswirken und insgesamt neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen,
  • die lerntheoretischen und didaktischen Möglichkeiten der digitalen Medien für die individuelle Förderung einzelner oder von Gruppen inner- und außerhalb des Unterrichts zu nutzen, …“ [4, S.21]
Veränderte Rolle der Lehrkraft
Forderungen nach individualisiertem Lernen fußen auf einem konstruktivistischen Verständnis von Erkenntnis/ Lernen. Demnach ist Lernen eine subjektive Aneignung von Wissen und dadurch von den individuellen Voraussetzungen abhängig [5]. Als Folge tritt selbsttätiges Lernen in den Vorder- und Lehren als direkte Vermittlung in den Hintergrund: „Der konstruktivistische Ansatz erwartet vom Lehrer Respekt vor den Wirklichkeitsdefinitionen der Schüler [6, S.45].
Individualisiertes Lernen lässt sich auf vielen Ebenen umsetzen. Zentrale Aspekte sind die Art der Aufgabenkonstruktion und die Gestaltung der Lernszenarien (s. Abb.1 ).
Individualiertes Lernen und innere Differenzierung mithilfe digitaler Medien
Individualisiertes Lernen meint Lernen im eigenen Tempo mit niveau- und zugangsdifferenzierenden Aufgaben und einem lernförderlichen Feedback in Bezug auf das Lernergebnis und den Lernprozess. Unterrichtsorganisationsformen, die individualisiertes Lernen unterstützen, gibt es viele: Lernbüros, Dalton-Pläne, Freiarbeitsbänder etc. sind Beispiele. Auch Methodenwerkzeuge wie Stationenlernen, Gruppenpuzzle, Lerntandems haben als Ansatz das stärker individualisierte und selbst organisierte Lernen (SOL). Das große Problem all dieser Arbeitsweisen ist das individuelle Feedback, welches die Lehrkräfte idealerweise während des Lernprozesses, mindestens aber für die Lernergebnisse den Lernenden geben müssen eine Aufgabe, die beinahe unmöglich erscheint.
Die digitale Technologie kann hier maßgeblich unterstützen, denn mittlerweile stehen verschiedene digitale Lernumgebungen bereit, in denen ganze Unterrichts-sequenzen mit allen Materialien und Medien, Aufgaben und Hilfen den Lernenden bereitgestellt werden können. Ein Beispiel zeigt der Beitrag von I. Albrecht über die Lernumgebung iTunes U auf. ITunesU ist dabei weit mehr als das digitale Pendant zu einer Freiarbeit oder einer Lernstraße: Je nach Leistungsstand bearbeiten die Lernenden unterschiedliche Aufgaben in ihrem Tempo und erhalten über die darin bereitgestellten Hilfen eine differenzierende Unterstützung. iTunesU ermöglicht es der Lehrkraft zudem, den Fortschritt der Lernenden zu verfolgen und eingereichte Übungen zu bewerten bzw. ein Feedback zu...

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aus: Unterricht Chemie Nr. 177 / 178

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