Wolfgang Ruppert

Yohimbin – Potenzmittel oder Fatburner?

Wolfgang Ruppert

Yohimbin ist derzeit der ultimative Fatburner in der Bodybuilding-Szene. Dabei galt der Wirkstoff während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur als Aphrodisiakum, sondern als das Mittel bei erektiler Dysfunktion. Aber das Mittel ist unbegründet in Verruf geraten. In Deutschland sind fast alle Zubereitungen vom Markt genommen. Im Internet wimmelt es allerdings von Anbietern.

Yohimbin ist ein Alkaloid, das hauptsächlich aus der Rinde des Yohimbe-Baums (Pausinystalia johimbe, früher Coryanthe johimbe, Abb.1 –2 ) gewonnen wird. Die Pflanze kommt vor allem in den Regenwaldgebieten Kameruns und der Nachbarländer (Kongo, Äquatorial-Guinea, Gabun, Nigeria) vor. Aus der geschredderten Baumrinde werden entweder Aufgüsse erzeugt oder das Alkaloid extrahiert. Insgesamt kommen 55 weitere Alkaloide in der Baumrinde vor. Der Yobimbin-Anteil schwankt zwischen 1 – 20%. Standardisierte Yohimbin-Zubereitungen enthalten immer definierte Mengen des Alkaloids.
Yohimbin kommt außerdem noch in anderen Pflanzen vor, z.B. der Indischen Schlangenwurzel (Rauvolfia serpentina) oder dem Quebracho-Baum (Aspidosperma quebracho-blanco), aber der Yohimbe-Baum ist die wichtigste Quelle für Yohimbe- und Yohimbin-Präparate (EFSA 2013).
Von der indigenen westafrikanischen Bevölkerung werden Auszüge aus der Yohimbe-Rinde traditionell als Aphrodisiakum und Potenzmittel verwendet (Kuhlmann 1999). Die Zubereitungen sollen den Geschlechtstrieb verstärken und gegen Erektionsstörungen wirken. In Europa und in den USA wird die Rinde als Ausgangsstoff für die Gewinnung des Arzneimittels Yohimbin verwendet. Yohimbin wird mit Chlorwasserstoff (HCl) zu Yohimbin-Hydrochlorid ergänzt. Bei oral anzuwendenden Arzneiformen ist Wasserlöslichkeit oftmals die Voraussetzung für die Freisetzung des Wirkstoffs aus der Arzneiform im Magen-Darm-Trakt. Während das Yohimbin in Yohimbe-Extrakten nach der Einnahme größtenteils durch die Magensäure zerstört wird, bleibt Yohimbin HCl stabil. Dadurch wirkt es wesentlich stärker.
Die Wirksamkeit von Yohimbin zur Behandlung von erektiler Dysfunktion (ED) wurde in mehreren Studien untersucht und 1998 in einem Review zusammengefasst (Ernst & Pittler 1998). Im Ergebnis war Yohimbin gegenüber den Placebos um den Faktor 3,85 überlegen (Quotenverhältnis), sodass die Autoren das Medikament als vernünftige therapeutische Option zur Behandlung von ED empfahlen. Pikant ist, dass die American Urological Association zwei Jahre zuvor in ihren Leitlinien zur Behandlung von organischer ED das genaue Gegenteil empfohlen hatte. Ob die Urologen ahnten, dass schon bald Viagra & Co. den Markt erobern würden?
Yohimbin ein Potenzmittel
Der Wirkungsmechanismus von Yohimbin ist nach wie vor hypothetisch, das state-of-the-art-Modell komplex. Noch relativ leicht zu erklären ist, wodurch eine Erektion grundsätzlich zustande kommt (Material 2 , ausführlicher Ruppert 2006 in UB 313). Beteiligt sind die zuführenden Arterien, die abführenden Venen, die Endothelzellen und die glatten Muskelzellen, die die beiden Penisschwellkörper (Corpora canernosa, CC) auskleiden. Im erschlafften Zustand fließt genau so viel Blut in den Penis hinein wie auch wieder heraus. Die zuführenden Arterien sind eng gestellt und die glatten Muskelzellen der CC sind kontrahiert. In diesem Zustand überwiegt der Einfluss sympathischer Nervenfasern, aus deren Endigungen Noradrenalin freigesetzt wird.
Damit es zu einer Erektion kommen kann, müssen verstärkt Nervenfasern aktiv werden, die weder dem Sympathikus noch dem Parasympathikus zugerechnet werden (non-adrenergic non-cholinergic, NANC). Sie setzen Stickstoffmonoxid (NO) frei, das durch die Zellmembranen der glatten Muskelzellen diffundiert und im Cytoplasma über eine Enzymkaskade die Öffnung von Calcium-Kanälen bewirkt. Dadurch wird die intrazelluläre Calcium-Konzentration gesenkt und die Muskelzellen entspannen sich. Auch die zuführenden Arterien erweitern sich und der Penis füllt...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 415 / 2016

Pflanzen helfen und heilen

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 11-13