Ute Harms

Hannibal und die Mikrobiologie

Hannibal Barkas, Büste
Büste von Hannibal Barkas (247/246–183 vor Christus), Foto: © Roman/stock.adobe.com

Ute Harms

Erkenntnisgewinn durch Vernetzung der Fächer Biologie und Geschichte

Was hat die Überquerung der Alpen durch Hannibal mit Biologie zu tun? Historiker und Archäologen suchen seit Jahrhunderten nach der Route, die Hannibal gewählt hat. Mit molekularbiologischen Methoden konnten Mikrobiologen nun wichtige Hinweise zur Klärung der Frage liefern. Die unterschiedlichen Ansätze der Geistes- und Naturwissenschaften und der Mehrwert der Vernetzung mehrerer Fachdisziplinen lassen sich am Beispiel von Hannibal im Unterricht erarbeiten.

Wissenschaftliche Fragestellungen machen häufig nicht an Fächergrenzen halt (UB 336). So werden beispielweise Wissen und Methoden aus der Chemie, der Physik und der Mathematik in den Biowissenschaften angewendet, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Doch der rein mathematisch-naturwissenschaftliche Blick auf die Welt ist ein sehr spezifischer. Neben ihm nutzt der Mensch weitere Zugänge, um sich die Welt zu erschließen.
Bereits 1809 erkannte der preußische Gelehrte und Leiter der preußischen Kultur- und Unterrichtsverwaltung, Wilhelm von Humboldt, dass unterschiedliche Zugänge beim Lernen sehr hilfreich sind. Humboldt stellte fest, dass der Mensch der Sprache, Geschichte, Mathematik (und Naturwissenschaften), Ästhetik und Gymnastik bedürfe. Diese Zugänge zu den Fachdisziplinen, auch menschliche Rationalitätsformen genannt, fanden Eingang in den Königsberger und den Litauischen Schulplan.
Mit den vier Modi der Welterschließung Fächer verbinden
An die Ideen von Humboldt schließt sich die aktuelle Diskussion um die unterschiedlichen Modi der Weltbegegnung an. Baumert (2002) unterscheidet vier Modi der Weltbegegnung: die kognitive Rationalität, die ästhetisch-expressive Rationalität, die normativ-evaluative Rationalität und die konstitutive Rationalität (Tab. 1 ).
Diese vier verschiedenen Rationalitätsformen bieten den Schülerinnen und Schülern jeweils eine besondere Perspektive, die Welt in ihrer Vielfältigkeit zu verstehen und sich in ihr zu orientieren. Sie spiegeln sich in den unterschiedlichen Unterrichtsfächern wider. So sind beispielsweise die normativ-evaluativen Grundlagen der Ökonomie und der Gesellschaft den Fächern Geschichte, Politik und Wirtschaft sowie Rechtskunde zuzuordnen. Die Rationalität des naturwissenschaftlichen Argumentierens wird den Fächern Biologie, Chemie und Physik zugeordnet. Im ersten Fall geht es unter anderem um die Grundsätze gesellschaftlicher Ordnungen sowie um Gesetze, deren Auslegung und die (vergleichende) Bewertung. In den Naturwissenschaften geht es vor allem um die Aufklärung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen, basierend auf empirisch gewonnenen Daten.
Entsprechend ihrer verschiedenen Schwerpunkte bedienen sich die vier Modi der Weltbegegnung auch unterschiedlicher methodischer Herangehensweisen. Am Beispiel der Überquerung der Alpen durch den Karthager Hannibal sollen die Schülerinnen und Schüler die unterschiedlichen theore-tischen und methodischen Ansätze der Erkenntnisgewinnung der Natur- beziehungsweise der Geisteswissenschaften vergleichend nachvollziehen. Sie lernen dabei die beiden Ansätze kennen, die auf der einen Seite auf dem kognitiv-instrumentellen Modus beruhen und auf der anderen Seite auf dem normativ-evaluativen. Die Schülerinnen und Schüler sollen außerdem die Bedeutung der beiden Modi für die Aufklärung wissenschaftlicher Fragestellungen erkennen. Dabei wird Wissen aus verschiedenen biologischen Themenbereichen unter anderem der Mikrobiologie und Zellbiologie angewendet und vertieft.
Hannibals Überquerung der Alpen ein Forschungsthema auch für Biologen
Können antike DNA und die moderne Mikrobiologie ein Rätsel lösen, das Geschichtswissenschaftler und Archäologen seit mehr als 2000 Jahren umtreibt? Welche Route hat Hannibal (Abb. 1 ) im Zweiten Punischen Krieg 218 vor Christus mit seiner etwa 50.000 Mann großen Armee ausgestattet mit Elefanten, Mauleseln und Pferden über die Alpen...

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aus: Unterricht Biologie Nr. 449 / 2019

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