Wolfgang Klemmstein

Nestverteidigung beim Langschwanz-Sonnenskink

Die Taiwan-Kukrinatter, eine Schlange, frisst die Eier des Langschwanz-Sonnenskinks, einer Eidechse. Beide kommen auf Taiwan vor.
Fressfeind Taiwan-Kukrinatter, © Gernot Vogel

Wolfgang Klemmstein

Klausur & Abitur
Unterrichtsvoraussetzung:
Evolutionsbiologie, Brutpflegeverhalten, phänotypische Variation, Selektion, Fitness, Angepasstheit, Räuber-Beute-Beziehung, Analyse von Versuchsanordnungen und -intentionen
Lösungshinweise und Anforderungsbereiche:
Aufgabe 1
Das Simulationsexperiment untersucht, ob die Nestverteidigung des Langschwanz-Sonnenskinks einen evolutiven Nutzen bringt. Dazu wurden die Versuchstiere aus drei Populationen jeweils ohne Schutz des Nestes und mit einem Drahtgeflecht als passiven Schutz gehalten und ihr Fortpflanzungserfolg dokumentiert. (AFB I)
Nur auf Orchid-Island brachte der Schutz des Geleges einen Fitnesszuwachs von etwa 60 Prozent. Dies lässt auf einen starken Selektionsdruck schließen, der als Angepasstheit zum Verhalten der Nestverteidigung geführt hat. (AFB II)
Aufgabe 2
Abbildung 3 zeigt, dass auf Orchid-Island außergewöhnlich viele Eier fressende Schlangen vorkommen. Abbildung 4 stützt diese Feststellung und belegt eine hohe Gefährdung der Gelege des Langschwanz-Sonnenskinks auf der Orchid-Insel durch eine Beuterate zwischen 35 und 45 Prozent. (AFB I)
Weibchen des Langschwanz-Sonnenskinks, die ihr Gelege verteidigen, erhöhen ihre Fitness. Dadurch kann sich dieses Verhalten in der Population verbreiten, während Weibchen ohne Verteidigung aufgrund des starken Selektionsdrucks durch die Eier fressenden Schlangen weniger Nachkommen hinterlassen. (AFB II)
Aufgabe 3
Der parallele Kurvenverlauf der Häufigkeit von Schildkrötennestern und Schlangen am Strand in Abbildung 5 lässt auf einen kausalen Zusammenhang schließen: Die Schildkröteneier sind die primäre Beute der Schlangen. Die große Häufigkeit der Schildkröteneier begründet auch die große Schlangenhäufigkeit. (AFB I/II)
Insgesamt kommen im Landesinneren weniger Skinknester vor als Schildkrötennester am Strand. Außerdem sind die Skinknester gleichmäßiger über die Brutperiode verteilt. Die Eidechsennester sind eine sekundäre Beute, insbesondere zu Beginn und Ende der Brutzeit, sowie für eine Teilpopulation der Schlangen, die sich der Konkurrenz am Strand entzieht und im Landesinneren die Nester des Landschwanz-Sonnenskinks erbeutet. Für die Eidechsen stellen sie trotzdem eine Gefahrdar, einen Selektionsdruck, der die Ausbreitung der Nestverteidigung in der Skinkpopulation fördert und stabilisiert. (AFB I/II)
Literatur
Huang, W.-S./Lin, S.-M./Dubey, S./Pike, D. A. (2013). Predation drives interpopulation differences in parental care expression. Journal of Animal Ecology, 82, S. 429 – 437
Pike, D. A./Clark, R. W./Manica, A./Tseng, H.-Y./Hsu, J.-Y./Huang, W.-S. (2016). Surf and turf: predation by egg-eating snakes has led to the evolution of parental care in a terrestrial lizard. Scientific reports, 6, 22207. Verfügbar unter: https://www.nature.com/articles/srep22207
Video

Friedrich+ Deutsch

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Biologie!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Unterricht Biologie und Biologie 5–10
  • Umfassendes Archiv mit über 400 didaktischen Beiträgen, Unterrichtseinheiten, Arbeitsblättern, Grafiken, Filmen,  Aufgaben, praktischen Experimenten u. v. m.
  • Jährlich über 100 neue Beiträge mit Unterrichtseinheiten zu lehrplanrelevanten Themen

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Biologie

Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 459 / 2020

Verhalten ist individuell

Friedrich+ Kennzeichnung Abitur & Prüfung Schuljahr 12-13