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Gerhard Vollmer (2017): Im Lichte der Evolution. Darwin in Wissenschaft und Philosophie. 613 Seiten, 39 €, Stuttgart: S. Hirzel Verlag
Der Autor ist vielen Biologielehrkräften als Erkenntnistheoretiker bekannt, der evolutionäre Erkenntnistheorie nicht als evolutionäre Erkenntnis, sondern bescheiden und einleuchtend als Theorie von den evolutionären Voraussetzungen der Erkenntnis definierte sowie grundlegende Ausführungen zum Wissenschaftscharakter der Evolutionstheorie vorgelegt hat. In diesem Buch breitet er nun umfassend aus, wie die Evolutionstheorie in mannigfache Wissenschaften wirksam geworden ist oder sein könnte oder nicht angebracht ist, darunter auf über 300 Seiten (biologische) Anthropologie, Archäologie, Ästhetik, Bioinformatik, Biotechnologie, Didaktik, Entwicklungsbiologie, Ethik, Philosophie des Geistes, Geschichtswissenschaft, Kulturtheorie, Linguistik, Literaturtheorie, Medizin, Ökologie, Psychologie und Theologie. Jede dieser Disziplinen wird mit dem Adjektiv „evolutionär behandelt.
Selbstverständlich kann der Verfasser sich nicht in allen Wissenschaftsbereichen gleich gut auskennen. Der Rezensent hat die Ausführungen zur Theologie neugierig gelesen und war enttäuscht: Die Einsichten von Vollmer sind hier nur oberflächlich, etwa wenn er die dynamische Sicht des biblischen Gottes als nur mit einer „fortgeschrittenen Hermeneutik verständlich abtut (Anmerkung 888). Freilich ist zur theologischen Hermeneutik keine Evolutionstheorie erforderlich, aber sie könnte bei erhellende Korrespondenzen aufdecken.
In zwei folgenden Kapiteln kommt Vollmer dann auf fast 300 Seiten zu seinem Spezialgebiet „Darwin und die Philosophie und „Darwin in der Philosophie. Diese Abschnitte erscheinen dem Rezensenten als die stärksten des Buchs. Der umfangreiche Band ist für jeden an Evolution Interessierten lesenswert auch wenn der Rezensent bei manchen Abschnitten den Eindruck hat: Weniger wäre mehr gewesen.
Ulrich Kattmann
Genetische Vielfalt schützt vor Krankheiten
Nicht der Fitteste überlebt, sondern Vielfalt ist Trumpf: Dr. Ramsy Agha und seinem Team des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) ist es gelungen, experimentell nachzuweisen, dass genetische Diversität Populationen zu einer besseren Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten verhilft.
Die Forschenden haben die Evolution der parasitären Pilzart Rhizophydium megarrhizum untersucht. Dieser Pilz befällt die in vielen Gewässern verbreitete Cyanobakterienart Planktothrix. Das Team setzte den Parasiten Wirtspopulationen mit genetisch identischen Individuen sowie Wirtspopulationen mit genetisch unterschiedlichen Individuen aus. Da sich die Pilze schnell vermehren, etwa einmal täglich, beobachteten die ForscherInnen die Versuchsanordnungen über einen Zeitraum von insgesamt 200 Tagen. „Wir wollten den evolutionären Wechsel quasi in Echtzeit und unter kontrollierten Bedingungen beobachten, um herauszufinden, ob und wie rasch sich die Parasiten an genetisch gleichartige und diverse Wirte anpassen, erklärt Ramsy Agha.
Während die ForscherInnen die Anpassung von Rhizophydium megarrhizum zuließen, hielten sie die Wirtspopulationen in evolutionärem Stillstand. „Wir konnten zeigen, dass sich die Pilze sehr schnell, also innerhalb von nur drei Monaten, an die Wirte mit genetisch gleichartiger Ausstattung anpassen, berichtet Agha. Die Parasiten schafften es schneller, sich an die Wirte anzuheften und deren Abwehrmechanismen zu überwinden, und konnten sich so rascher vermehren.
Wiesen die Cyanobakterien allerdings ein uneinheitliches Erbgut auf, traten diese Effekte nicht ein. Dem Parasiten gelang die Anpassung nicht, der Krankheitszustand blieb stabil. Die genetische Diversität bei Cyanobakterien verlangsamt offensichtlich die Anpassung der Parasiten und erhöht die Widerstandsfähigkeit der Bakterien gegen Krankheiten.
„Unsere Ergebnisse sind auch generell bedeutsam für die Ökosystemforschung, denn sie helfen uns zu...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 435 / 2018

Variabilität und Angepasstheit

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