Barbara Dulitz

Das Rätsel des ägyptischen Dornen-Dinos

Barbara Dulitz/Wolfgang Ruppert

Ein urzeitliches Beispiel für Konkurrenzausschluss

Nicht zuletzt ihre imposante Größe und Zähne machen Raubsaurier wie Tyrannosaurus rex zu beliebten Roman- und Filmsujets. Doch manchmal deckt die Wissenschaft „künstlerische Freiheiten auf.

Mit lautem Gebrüll stürzt sich ein Tyrannosaurus rex auf einen Spinosaurus aegyptiacus, beißt ihn in den Hals, verfolgt ihn durch den Urzeit-Dschungel und unterliegt am Ende dem größten bisher entdeckten Raubsaurier (Abb. 1 ). Doch dieser 2001 für den dritten „Jurassic Park-Film am Computer inszenierte Kampf ist ein reines Produkt der Fantasie: Tatsächlich sind die beiden Giganten wohl nie aufeinander getroffen Tyrannosaurus rex lebte gegen Ende der Kreidezeit vor rund 66 Millionen Jahren in Nordamerika, Spinosaurier vor etwa 100 Millionen Jahren in Afrika im Gebiet der heutigen Sahara.
Die Entdeckung des „Dornen-Dinos
Der „Dornen-Dino (wissenschaftlich korrekt Spinosaurus aegyptiacus; von lat. spina = Stachel, Dorn und griech. sauros = Echse) wurde vor rund 100 Jahren erstmals von dem deutschen Paläontologen Karl Heinrich Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach (1871 – 1952) in Ägypten entdeckt und rekonstruiert (Abb. 2 – 3 ). Stromer war einer der wichtigsten Dinosaurier-Forscher seiner Zeit. Anfang des 20. Jahrhunderts führte er mehrfach Exkursionen nach Ägypten durch. In der Bahariyya-Oase in der Sahara (rund 370 km südwestlich von Kairo) entdeckte sein Grabungsteam fossile Reste von drei fleischfressenden Dinosauriern (Spinosaurus, Bahariasaurus, Carcharodontosaurus) und dem pflanzenfressenden Aegyptosaurus. Die Ablagerung von Fossilien in diesem etwa 2000 m2 großen Gebiet begann vor etwa 100 Millionen Jahren und erstreckte sich über etwa 3 – 6 Millionen Jahre. In dieser Zeit stieg der Spiegel des damaligen Weltmeeres Thetys weltweit an, sodass große, bis dahin trockene Flächen allmählich überflutet wurden.
Der Fund des riesigen Spinosaurus gab Stromer gleich zwei Rätsel auf: Zum einen wunderte ihn, wie es möglich war, dass zur gleichen Zeit im gleichen Ökosystem noch zwei weitere große fleischfressende Dinos Bahariasaurus und Carcharodontosaurus lebten. Mussten die sich nicht immer wieder in die Quere gekommen sein? Und wo waren die Beutetiere? Pflanzenfressende Dinos waren in den Gesteinsschichten nicht in der zu erwartenden Anzahl gefunden worden.
Das zweite Rätsel betraf die langen Dornfortsätze auf dem Rücken des Spinosaurus. Darüber spekulierte Ernst Stromer 1915: „Zum Ansatz gewaltiger Muskelmassen dürften sie kaum gedient haben. Beim Bison steht allerdings die besondere Höhe der vorderen Dornfortsätze der Brustregion mit der Entwicklung sehr starker Nackenmuskeln in Zusammenhang. Eher könnte man an das Vorhandensein eines großen Fettbuckels denken, dem die Fortsätze eine größere Stütze gaben. Vermutlich handelt es sich hier nur um Stützen eines sehr hohen, schmalen Rückenkamms.
Ernst Stromer weigerte sich während des Naziregimes, in die NSDAP einzutreten und den Kontakt zu jüdischen Wissenschaftlern abzubrechen. Daher wurden seine in einem Münchner Museum gelagerten wissenschaftlichen Funde während des Zweiten Weltkriegs nicht in Sicherheit gebracht und während eines Bombenangriffs im April 1944 vollständig zerstört der „Dornen-Dino geriet mitsamt seinem Entdecker in Vergessenheit.
Spinosaurus: Eine „Wasserratte
Das Rätsel um Spinosaurus wurde schließlich von dem Paläontologen Nizar Ibrahim (*1982) gelöst (Kasten).
MedientippsSpinosaurus aegyptiacus eine Spurensuche
MedientippsSpinosaurus aegyptiacus eine Spurensuche

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 421 / 2017

Geschichte und Verwandtschaft

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-6