Katja Feigenspan/Magdalena Michalak

Wissenschaftlich experimentieren

Katja Feigenspan/Magdalena Michalak

Schritte naturwissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung sprachlich unterstützen

Welche Frage würde eigentlich ein Naturwissenschaftler stellen: Was brauchen Samen, damit eine Pflanze daraus wird? Oder besser: Wovon hängt die Samenkeimung ab? Kleinschrittig aufgebaute Übungen führen an die naturwissenschaftliche Denkweise sowie an die daran geknüpfte Fachsprache heran. Die verschiedenen Phasen des Erkenntnisweges bilden dafür den äußeren Rahmen.

Das Erlernen von naturwissenschaftlichen Erkenntnismethoden im Sinne der Bildungsstandards Biologie stellt komplexe Anforderungen an die SchülerInnen, insbesondere bei echten, Ursache-Wirkungs-Beziehungen untersuchenden Experimenten (Arnold/Kremer/Mayer 2014). Dabei zielt der Biologieunterricht darauf ab, den SchülerInnen spezifische naturwissenschaftliche Handlungsmuster zu vermitteln, die für den Wissenserwerb und die Wissensaushandlung verwendet werden (Budde/Michalak 2014, S. 20). Die sprachliche Herausforderung besteht hier nicht nur darin, dass die Sprache der Biologie durch eine besondere Häufigkeit von bestimmten sprachlichen Mitteln gekennzeichnet ist, sondern vielmehr darin, dass sie im Gegensatz zur allgemeinen Sprachverwendung sehr eng und präzise an die naturwissenschaftlichen Denk- und Arbeitsweisen geknüpft ist (ebd.) So stellen bei einem hypothetisch-deduktiven Vorgehen das Formulieren von experimentell beantwortbaren Fragen sowie das Aufstellen von Hypothesen als vermutete Zusammenhänge, das Beschreiben von Versuchsdurchführungen und Beobachtungen sowie das Schlussfolgern, Deuten und Erklären typische Phasen des Erkenntnisweges und gleichzeitig komplexe, spezifische sprachliche Handlungen dar (vgl. Basisartikel). Diese müssen erkannt und definiert werden und bilden einen Rahmen für die Unterrichtsplanung.
Musterlösungen als sprachliches Werkzeug nutzen
Hier setzt der sprachbewusste Fachunterricht an: Ausgehend vom Fachlichen, versucht er, die in unserem Falle für das Experimentieren geeigneten sprachlichen Muster zu vermitteln. Dieses setzt voraus, (1) die fachlichen und sprachlichen Kompetenzen der Lernenden zu analysieren und (2) die fachsprachlichen Anforderungen im Unterricht festzulegen. Hierfür ist die schriftliche Ausformulierung eines Erwartungshorizonts für die einzelnen Aufgaben sehr hilfreich (Tajmel/Hägi 2017, S. 80). Eine derartige Ausarbeitung einer Musterlösung in einem kohärenten Text, die dem kognitiven Niveau der SchülerInnen und den Anforderungen in der jeweiligen Jahrgangsstufe entspricht, ermöglicht die Analyse von einzelnen sprachlichen Mitteln auf der Wort-, Satz- und Textebene, an die die SchülerInnen herangeführt werden müssen (Material 1 , Musterlösung von Aufgabe 4). Dabei stehen nicht die Fachbegriffe im Fokus der Förderung, sondern ganze Satzstrukturen, die Zusammenhänge beschreiben, oder Textformen, die durch die jeweiligen Anforderungen der fachspezifischen Operatoren in den Aufgabenstellungen eingefordert werden.
Von der mündlichen Alltagssprache zur schriftlichen Fachsprache
Bei sprachbewusster Unterrichtsplanung werden die fachlichen und sprachlichen Ressourcen der Lernenden genutzt: Die SchülerInnen äußern ihre Gedanken und ihr Wissen mündlich und alltagssprachlich. Eine Herausforderung stellen für sie jedoch die Verdichtung der Informationen, eine präzise Formulierung der Erkenntnisse und der ausgearbeiteten Zusammenhänge insbesondere im Schriftlichen dar. Demzufolge setzt der sprachbewusste Unterricht an mündlichen Kompetenzen der SchülerInnen an und führt sie zur komplexen Fachsprache im Schriftlichen heran. Dies ist insofern von großer Bedeutung, da die Leistungsüberprüfung im Biologieunterricht hauptsächlich schriftlich erfolgt. Zudem sollten insbesondere SchülerInnen, die im Deutschen noch nicht fortgeschritten sind, zuerst die fachlich angemessenen Formulierungen kennenlernen und üben, um diese selbst anwenden zu können. Aus der sprachdidaktischen...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 437 / 2018

Sprachsensibel unterrichten

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-10