Carolin Retzlaff-Fürst, Martin Feike

Überlebenskünstler im Klassenraum

Pflanzen, Klassenzimmer, Botanik, Natur
Pflanzen im Biologiefachraum, Foto: Carolin Retzlaff-Fürst, Martin Feike

Carolin Retzlaff-Fürst, Martin Feike

Unbeachtete Zimmerpflanzen nutzen

Diese Erfahrung kennt wohl jede Lehrerkraft aus dem Schulalltag: Auf dem Weg zum Biologieraum gibt es sehr oft auf den Fensterbänken eine Vielzahl von Pflanzen. Auch der Fachraum selbst ist meist durch viele Pflanzen geschmückt. Gerade diese oft sehr robusten Zimmerpflanzen bieten die Möglichkeit für einen vielfältigen Einsatz im Unterricht.
Das Foto [Abb. 1] stammt aus einem Biologieraum. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern pflegt hier die engagierte Biologielehrerin einige robuste Zimmerpflanzenarten: Wachsblume, Grünlilie, Bogenhanf, Brutblatt, Hibiskus, Purpurtute und Aloe. Diese geben dem Fachraum ein biologisches „Ambiente, werden aber nach Aussage der Lehrerin nur selten zur Entwicklung von Fachwissen oder zur Erkenntnisgewinnung im Biologieunterricht eingesetzt.
Potenzial von Zimmerpflanzen nutzen
Dabei steckt in diesen Zimmerpflanzen einiges Potenzial für die Nutzung im Unterricht. Solche Arten werden häufig in Form von Ablegern oder Adventivpflanzen weitergegeben, wobei die Information, um welche Art es sich handelt, oft verloren geht. Hinter den deutschen Pflanzennamen können sich zudem mehrere unterschiedliche Arten verbergen eine sichere Ansprache gelingt streng genommen nur über den lateinischen Artnamen. Auch für diese Problematik sollte das Bewusstsein geweckt werden.
Anlässe schaffen die Einstiegsphase
Ich habe bei dem Thema „Einfluss der Umweltbedingungen auf die Pflanzen die Zimmerpflanzen scheinbar spontan in den Unterricht einbezogen. Zur Einführung in das Thema „Umweltbedingungen sollen die Schülerinnen und Schüler zunächst Beispiele für generell auf Pflanzen wirkende Umweltfaktoren beschreiben. Erwartungsgemäß nennen sie Licht, Wasser und Wärme. Nachdem wir das zusammengetragen und an der Tafel fixiert haben, zeige ich auf die Zimmerpflanzen und frage:
Und Pflanzen wie diese? Welche Lebensbedingungen haben diese Pflanzen in ihrer Heimat? Stellt Vermutungen auf!
Im anschließenden Unterrichtsgespräch wird deutlich, dass die Lerner keine Vorstellungen haben, woher eigentlich „Zimmerpflanzen kommen. Eine Schülerin hat schon einmal einen Hibiskus in Ägypten bewusst wahrgenommen. Alle anderen Arten sind ihnen unbekannt. Trotzdem werden Vermutungen geäußert, dass die Pflanzen wahrscheinlich in warmen Gebieten mit „viel Sonne beheimatet sind. Die Schülerinnen und Schüler äußern auch die Vermutung, dass die Pflanzen in ihrer Heimat vermutlich viel größer und grüner sind. Und hier kann wunderbar angeknüpft werden, indem diese Vermutung aufgegriffen und eine Problemfrage abgeleitet wird:
„Welche Umweltbedingungen lassen unsere Zimmerpflanzen in ihrer Heimat gut gedeihen?
Gemeinsam recherchieren
Je nachdem, welche und wie viele Zimmerpflanzen vorhanden sind, teile ich die Klasse in Gruppen ein. Ideal ist es, wenn Gruppen von 4-5 Jugendlichen gebildet werden können. Es sollten also fünf bis sechs Zimmerpflanzen zur Verfügung stehen, um eine arbeitsgleiche (gleiche Zimmerpflanzen) oder arbeitsteilige Gruppenarbeit (unterschiedliche Zimmerpflanzen) durchzuführen.
Gruppenarbeit
Ich bespreche mit der Klasse den Arbeitsauftrag, der auch in Form von Arbeitsblättern [AB 1] ausgegeben wird. Ziel ist es, Informationen zu den Umweltbedingungen zu sammeln, unter denen diese Pflanzen am natürlichen Standort und auf dem Fensterbrett wachsen. Dazu werden die Informationskarten ausgeteilt [Karteikarten] [Abb. 2] . Am Ende sollen daraus Pflegeanleitungen für die Pflanzen entstehen.
Die Aufgabe für die Schülerinnen und Schüler besteht zunächst darin, eigene Vorstellungen zu den benötigten Lebensbedingungen dieser Pflanzenart auf einem fünfstufigen Wertebalken zu markieren und in ein dazugehöriges Netzdiagramm zu übertragen. Anschließend wird erneut ein Diagramm erstellt, nur dass jetzt die an ihrem Standort in der Heimat wirkenden Umweltbedingungen betrachtet werden. Beim dritten...

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Fakten zum Artikel
aus: Biologie 5-10 Nr. 24 / 2018

Lebewesen beobachten und untersuchen

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-8
  • Thema: Botanik
  • Autor/in: Carolin Retzlaff-Fürst, Martin Feike