Neobiota – Gebietsfremde und invasive Arten

Neobiota – Gebietsfremde und invasive Arten

Biologie 5-10 | Ausgabe Nr. 25/2019

Neophyten können für eingewanderte, gebietsfremde Art gravierende Folgen mit sich bringen. So wirken sich invasive Arten enorm auf einheimische aus, indem zu diesen in Konkurrenz treten und sie verdrängen. Es gibt aber auch unproblematische oder nützliche Neobiota.

Inhaltsverzeichnis
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Beifuß-Ambrosie, Ambrosia artemisiifolia, Heuschnupfen, Neobiota, Neophyt
Zum Thema Neobiota – Gebietsfremde und invasive Arten
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Fachwissen Schuljahr 5-10

Neobiota, also Lebewesen, die infolge menschlichen Handelns in einem Lebensraum neu angesiedelt wurden, spielen im Biologieunterricht bisher sicher nur eine untergeordnete Rolle. Schließlich gehören diese Arten nicht zum Spektrum der einheimischen Arten. Und schon sind wir mitten im Thema. Welche Arten sind denn einheimisch und welche sind fremd? Und wie lange müssen Pflanzen- und Tierarten in einem neuen Gebiet leben, bis sie als „heimische Arten“ akzeptiert werden?

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Waschbären, Neobiont, Neozooe, Plage
Auswirkungen eingeschleppter Arten an einem Beispiel kennenlernen und bewerten Waschbären – knuddelige Plagegeister
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-6

Kinder entwickeln – wie auch manche Erwachsene – oft ein rein emotionales Verhältnis zu Tieren. Tierarten, die nicht nur als Jungtiere dem Kindchenschema entsprechen, werden als besonders „süß und knuddelig“ empfunden. Diese Wirkung auf uns haben auch Waschbären. Allzu leicht vergessen wir dabei, dass es sich um Wildtiere mit artspezifischen Eigenschaften und Bedürfnissen handelt.

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Neophytenarten, Botanik, Neophyt, Kartierung
Arten selbstständig beobachten und kartieren Neophyten kartieren
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-6

Da der Begriff „Neophyten“ und die dazugehörigen Pflanzensippen den Schülerinnen und Schülern nicht bekannt sind, stellt sich für viele bei diesem Thema automatisch die Frage, um welche Arten es sich dabei handelt und ob diese in der eigenen Umgebung vorkommen. Diese intrinsisch motivierte Frage leitet somit über zu einer Unterrichtsphase, in der die Kinder die entsprechenden Arten kennenlernen. Natürlich könnte man an dieser Stelle zeitsparend ein Übersichtsblatt mit einigen relevanten Arten austeilen. Im Sinne der stärkeren kognitiven Aktivierung sollen die Kinder allerdings an das Kennenlernen der Arten herangeführt werden. Dabei hilft ein unvollständiges Bestimmungsblatt sowie Freilandarbeiten.

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Pazifische Auster, Neobiont
Heimische und nicht-heimische Muscheln und Schnecken an der deutschen Nordseeküste Neuankömmlinge im Wattenmeer
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-6

Muscheln und Schnecken aus dem Wattenmeer scheinen auf den ersten Blick eher für den Biologieunterricht an der Küste spannend zu sein, doch das stimmt nicht. Viele Kinder haben bereits Muscheln und Schnecken gesammelt oder kennen die Schalen vom Strand. So können sie die selbst gesammelten Schalen mit in den Unterricht bringen und anhand dieser das aktuelle Thema Neobiota erarbeiten.

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Eichhörnchen, Grauhörnchen
Eine Frage durch Internetrecherche klären Grauhörnchen oder Eichhörnchen?
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-6

„Wieso ist das Eichhörnchen im Film braun, bei uns im Garten sind die schwarz!“ Viele Schülerinnen und Schüler bringen Alltagsfragen in den Unterricht ein. Der Biologieunterricht ist eine Möglichkeit auf solche Fragen einzugehen. Beim Thema Eichhörnchen können die Lernenden gut selbst recherchieren. Mit entsprechenden Gerätschaften und dem Schul-WLAN führen schon junge Schülerinnen und Schüler zielorientiert eine Internetrecherche durch.

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Herbarbeleg, Gundermann, Neophyt, Herbarium
Ein Herbar anlegen – analog oder digital Neophyten herbarisieren
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-10

Eine der ältesten Arbeitsweisen der Biologie ist die Anlage von Sammlungen biologischer Originale, wie z. B. von getrockneten Pflanzen – eine Arbeitstechnik die bis heute ihre Berechtigung hat. Ein gewichtiges Argument für das „Sammeln“ ist dabei die lang andauernde und intensive Naturbegegnung, die im Vergleich zu alternativen Unterrichtsformen einen höheren Zuwachs an Artenkenntnis nach sich zieht. Da die Anfertigung des Herbariums meist einen längeren Zeitraum erfordert, lernen die Schülerinnen und Schüler außerdem, ausdauernd an einer Aufgabe zu arbeiten. Auch ästhetische Aspekte sind von großer Bedeutung, wie sich in der oft liebevollen und z. T. sehr aufwändigen Gestaltung ihrer Herbarien zeigt und somit weit über den rein fachwissenschaftlichen Nutzwert hinausgeht.

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Karteikarten, Neobionten
Karteikarten zur Einführung in die Problematik und fürs selbstständige Recherchieren Neobiota: Kein Problem?
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-10

In der breiten Öffentlichkeit spielt das Thema „Neobiota“ kaum eine Rolle. Nur wenn die Schäden die ökonomische Existenz bedrohen – wie der Feuerbrand bei Obstgehölzen oder wenn Marderhund und Waschbär uns zu nahe rücken –, wird uns bewusst, dass wir kaum eine Chance haben, diese ungebetenen Gäste wieder los zu werden. Daher ist dieses Thema für den Biologieunterricht sehr relevant. Im Rahmen des Ökologie-Unterrichts können sich die Lernenden der oberen Klassen der Mittelstufe damit auseinandersetzen. Sie können dafür sensibilisiert werden, dass nicht einfach irgendwelche Lebewesen aus fernen Ländern eingeführt oder gar in die freie Wildbahn entlassen werden dürfen. Die ökologischen und ökonomischen Folgen können unabsehbar sein. Deshalb sollten die Lernenden die Bestimmungen der Unionsliste zur EU-Verordnung (Nr. 1143/2014) über invasive gebietsfremde Arten kennenlernen. Derzeit sind in dieser Liste insgesamt 49 invasive Tier- und Pflanzenarten gelistet. Für bereits weit verbreitete Arten müssen danach geeignete Managementmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden.

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Kartoffelkäfer, Neobiont, Neozoo
Informationen zur Kartoffelkäferplage in Deutschland auswerten Der Kartoffelkäfer – eine Biowaffe?
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 9-10

In Deutschland gab es nach 1945 eine sehr starke Vermehrung von Kartoffelkäfern. Neben fachbezogenen Kompetenzen eignet sich dieses Thema auch, um Kompetenzen im Bereich Bewerten zu fördern. Das politische Plakat „Halt Amikäfer“ aus der DDR aus dem Jahre 1950 regt die Schülerinnen und Schüler schnell zu Fragen an: „Warum heißt der denn eigentlich Amikäfer? Sieht der wirklich so aus? Warum soll ein kleiner Käfer denn gefährlich sein?“ Dieser Einstieg führt elegant in die Unterrichtseinheit zum Kartoffelkäfer als Neobiont ein.

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Viktoriasee, Viktoriasee; Neobiont, Neozoo
Weit reichende Auswirkung einer Verdrängung Viktoriabarsch
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10

In Ägypten überlegen Wissenschaftler, einen Sardinenfisch zur Verbesserung des Fischreichtums im Nassersee einzuführen. Solche Überlegungen wirken verstörend: Hat die Einführung des Nilbarsches nicht gezeigt, wie viel Schaden im Viktoriasee dadurch angerichtet wurde? Die Aussetzung des Nilbarsches in den Viktoriasee und die Folgen sind ein gelungener Aufhänger, um auf die ökologischen Folgen der Einführung neuer Arten aufmerksam zu machen.

Foto. © The Natural History Museum/Alamy Stock Foto
Patula, Schnecken, invasiv, Neobiont
Inselbiogeografie im Ökologieunterricht Invasive Schnecken auf Inseln
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10

Die ursprüngliche Heimat der Achatschnecken ist Ostafrika. Gut kann man sie auch im Klassenzimmer halten. Ein Problem dabei ist jedoch ihre hohe Reproduktionsrate. Die zwittrigen Tiere können einige Hundert Eier legen. Den Nachwuchs kann man unmöglich unter Freunden und Bekannten verteilen. Die Tiere in die Freiheit zu entlassen, ist natürlich auch keine gute Idee – die großen Schnecken würden alles kahl fressen. Dennoch ist genau das in vielen Teilen der Welt, vor allem auf pazifischen Inseln, geschehen.

Neobiont, Neoophyt, Neozooen, Ökologie
Fortbildung Neobiota in Deutschland – eine Übersicht
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Fachwissen Schuljahr 5-10

Alle gebietsfremden Arten, die sich erst durch den Einfluss des Menschen in Deutschland etablieren konnten, werden als Neobiota bezeichnet. Viele dieser Spezies wurden z. B. durch jagdliche, landwirtschaftliche oder gartenbauliche Interessen absichtlich bei uns eingeführt, während andere durch Verschleppungsprozesse quasi aus Versehen zu uns gelangten. Der entscheidende Unterschied zwischen der Etablierung neobiotischer Organismen und natürlichen Migrationsbewegungen in Folge veränderter Umweltbedingungen (z. B. Klimawandel …) ist der Einfluss des Menschen, der die „Neubürger“ erst durch seine Aktivitäten in ihre neuen Ökosysteme eingeführt hat. Als Zäsur wird dabei allgemein die Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus 1492 angesehen.

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Wasserfloh, Herzschlag, Experiment
Versuche mit Daphnien Herzschlag eines Wasserflohs
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Methode & Didaktik Schuljahr 5-10

Den Herzschlag eines lebendigen Tieres zu beobachten, gewährt Schülerinnen und Schülern einen seltenen Einblick in die Funktionen der Natur. Für gewöhnlich erhalten Schülerinnen und Schüler nichtlebende Objekte, sodass diese Unterrichtseinheit eine motivationsfördernde Perspektive auf das Fach Biologie bietet. Gleichzeitig ist es wichtig, den Jugendlichen klar zu machen, dass es sich bei dem Versuchstier um ein lebendiges Wesen handelt, welches mit entsprechender Vorsicht und Respekt zu behandeln ist.

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Ruhe, Lernumgebung, Lernen
Feedback und Classroom-Management mit analogen und digitalen Werkzeugen Ruhe bitte!
Beitrag aus Zeitschrift Biologie 5-10 Methode & Didaktik Schuljahr 5-10

Unterrichtsstörungen gab es schon immer. Die Formen von Störungen sind sehr unterschiedlich: akustisch, motorisch, verweigernd, aggressiv oder nur geistig abwesend. Die Frage, warum man als Lehrkraft gegen solche Unterrichtsstörungen vorgehen muss, ist schnell beantwortet: Das erfolgreiche Lernen, also die kognitive Aktivierung, ist das Hauptziel des Unterrichts. Die verfügbare Lernzeit sollte also möglichst optimal von allen Lernenden genutzt werden. Das können wir Lehrkräfte durch eine gut durchdachte Organisation und klare Strukturierung als auch durch gute Beziehungen zu unseren Schülerinnen und Schülern fördern.