Die 4R-Agenda schafft Klarheit im Klassenzimmer

Rechte, Regeln, Rituale, Routinen

Die 4R-Agenda vereinfacht die Organisation im Klassenzimmer, indem Rechte, Regeln, Rituale und Routinen festgelegt werden. Erfahren Sie hier anhand praktischer Beispiele, wie Ihr Unterricht von diesen Regeln profitieren kann

Gruppe recherchiert am Tisch, während eine Frau Post-Its an die Wand hängt
Das gemeinsame festlegen von Regeln, Ritualen und Routinen im Unterricht schafft Ordnung im Klassenzimmer Foto: You x Ventures/unsplash

Die 4R-Agenda

Die vielen organisatorischen Regelungen lassen sich besser einführen, wenn sie eine Struktur dafür wählen. Peter Hook und Andy Vass sprechen in ihrem Handbuch von dem „4R-Framework“ (2000, S. 29 ff.)1, mit der Lehrkräfte eine „Classroom Agenda“ etablieren können. Mir gefällt die 4R-Formel gut, ich habe sie aber etwas abgewandelt und verstehe darunter vier Bereiche, die zum Rahmen von Klassenführung gehören: Rechte, Regeln, Rituale, Routinen. Verantwortung oder Verantwortlichkeiten habe ich nicht gesondert aufgeführt, da alle vier Ebenen davon geprägt sein sollten. „Rechte“ müssen Sie nur ansprechen, wenn es an der Schule keine klare Philosophie und keine gemeinsame Ethik etwa in Form von Leitsätzen gibt. Reine Schulregeln reichen da nicht immer aus, wenn der „Geist“, von dem sie getragen sind, nicht deutlich wird.

Rechte

Ich schlage – um die Griffigkeit der „4R’s“ fortzuführen – wiederum vier Rechte vor, die Grundlage des Unterrichts sein sollten:

  1. Alle in der Klasse – SchülerInnen und Lehrkräfte – haben das Recht auf Achtung seiner Menschenwürde (vielleicht können ältere SchülerInnen mehr mit dem Wort „Respekt“ anfangen).
  2. Alle in der Klasse haben das Recht auf physische und psychische Unversehrtheit.
  3. Alle SchülerInnen haben das Recht zu lernen.
  4. Jede Lehrkraft in der Klasse hat das Recht zu unterrichten.

Diese vier Punkte klären schon eine Menge. Daraus folgt eindeutig, dass keiner das Recht darauf hat, im Klassenzimmer zu schlagen, andere verbal herabzusetzen oder zu mobben. Lernen ist ein Recht und kein Strebertum, und Störungen gibt es zwar, aber niemand hat ein Recht darauf usw. Diese Rechte sollten Sie auch auf einem Elternabend erläutern.

Regeln

Aus diesen Rechten lassen sich, falls notwendig und nicht schon durch Klassenregeln abgedeckt, auch ein paar grundlegende Regeln für den Unterricht herleiten, beispielsweise:

  • Es redet immer diejenige Person, die das Wort erteilt bekommen hat.
  • Beim selbstständigen Lernen gilt Zimmerlautstärke.
  • Gegessen wird in Pausen.2
  • Beim Stundenbeginn gehen wir unverzüglich zum Klassen- oder Fachraum.

Ob Sie alle Rituale und Routinen, die im folgenden Abschnitt aufgeführt sind, zu Regeln machen, ist ihre persönliche Entscheidung – ich bin eher für wenige Regeln, die aber unbedingt einzuhalten sind. Und vor allem gilt der Grundsatz: Regeln sollten immer positiv sein! Gerade Kinder können nicht etwas „nicht machen“, sondern sie brauchen eine Beschreibung des gewünschten Verhaltens.

Rituale 

Die folgende Übersicht zeigt, was aus meiner Sicht zu Ritualen gehört, die man einüben sollte (V = Variante/ SuS = Schülerinnen und Schüler/ L = Lehrkraft):

Rituale
Begrüßen V 1: SuS sitzen an ihren Plätzen und begrüßen L im
Chor: „Guten Morgen, Frau Mai!“
V 2: Wie oben, aber die SuS müssen stehen.

Verabschieden

L schließt die Stunde und wünscht einen guten Tag.
Vorher kein Einpacken und Weggehen!
Ruhezeichen V 1: rein visuelles Ruhezeichen (z. B. linke oder rechte
Hand heben)
V2: akustisches Ruhezeichen wie Glocke oder
Klangschale
V3: rhythmisches Ruhezeichen (L klatscht vor, SuS
wiederholen)
Aufräumen, Zusammenpacken V1: wird mit einem akustischen Signal eingeleitet (z. B.
dreimaliges Erklingen der Glocke usw.)
V 2: wird mit Musik vom Band begleitet

 

Routinen

Die folgende Übersicht zeigt, was aus meiner Sicht zu Routinen gehört, die man einüben sollte (V = Variante/ SuS = Schülerinnen und Schüler/ L = Lehrkraft):

Routinen
Betreten des Klassenzimmers V 1: Klasse muss sich aufstellen und geht von der
Lehrkraft beobachtet in den Raum.
V 2: L schließt auf, geht als erster, SuS folgen.
V 3: Klassenraum bleibt auf, SuS warten schon an ihren
Plätzen.
Melden Ein Finger: Ich will was sagen.
Zwei Finger: Ich möchte auf die Toilette.
Beide Hände: Ich brauche Hilfe.
L „zeichnet“ Kreis in die Luft: Nehmt euch gegenseitig
dran!
Symbole für Unterrichtsformen Symbolisieren, ob L-Vortrag, L-S-Gespräch, Klassendiskussion,
Einzelarbeit, Partnerarbeit oder Gruppenarbeit
dran ist.
Hausaufgaben Werden grundsätzlich vor Stundenschluss visualisiert,
z. B. auf einem Tafelflügel.
vergessene Hausaufgaben SuS legen L einen Zettel aufs Pult, damit der Unterricht
nicht gestört wird.
Zu spät kommen V 1: Wie bei vergessenen HA.
V 2: S geht nach der Stunde zum L und entschuldigt
sich.
Entschuldigungen Werden unaufgefordert bei Stundenbeginn abgegeben.
Unterrichtsmaterial bei
Erkrankungen
Arbeitsblätter usw. werden für fehlende SuS in einem
bestimmten Fach abgelegt. Sie sind selbst dafür
verantwortlich, sich diese Materialien zu organisieren.
Verantwortlichkeiten SuS übernehmen Verantwortung, z. B. als Technisches
Hilfswerk.

 

Dazu gehören nach Hook/Vass (2000, S. 29 ff.) „rights, rules, routines, responsibilities“.

Was das Trinken angeht, gab es an meiner Schule eine mehrjährige ideologisch geprägte Grundsatzdebatte. Ich persönlich bin dafür, das Trinken in den Phasen selbstständigen Lernens zu erlauben. Bei Klassendiskussionen oder Vorträgen stört es mich. Finden Sie Ihre eigene Regel!


Quelle: Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Fachbuch: Klaffke, T. (2013):
Klassen führen - Klassen leiten. Beziehungen, Lernen, Classroom ManagementS. 119-121, bearbeitet von Abelina Junge, 17.06.2019, Hannover.