Lebenslanges Lernen vormachen

Mit Eigenmotivation zum Vorbild werden

Schüler lernen fürs Leben, nicht nur für die Schule. Diese oft bemühte Weisheit vorzuleben anstatt nur anzumahnen erfordert viel Arbeit. Lesen Sie hier, wie Ihre Eigenmotivation Sie zu einem Vorbild für das Lernverhalten der Schüler machen kann

Ein Mann liest in einem Buch und trinkt eine Tasse Kaffee
Die Eigenmotivation hilft Lehrern, ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln - auch in der Freizeit Foto: Chris Benson/unsplash

Schüler mit der eigenen Motivation mitreißen

Eine für den Lehrerberuf besonders wichtige Kompetenz ist Eigenmotivation. Diese trotz aller Belastungen aufrechtzuerhalten und sogar weiterzuentwickeln, ist eine große Herausforderung, aber für Lehrerprofessionalität unverzichtbar. Lernfreude und Motivation bei SchülerInnen kann man nicht erzwingen, man kann sie aber vorleben. Begeisterung für das eigene Fach und die Frage, was das Interessante und Relevante eines Unterrichtsthemas ist, können infizierend wirken. Diese interessanten Aspekte findet man oft nicht in einer stressigen Unterrichtswoche und leider oft auch nicht in Schulbüchern, sondern in Zeiten der Muße: in den Ferien, an Wochenenden, in Fortbildungen oder Auszeiten.

Für das eigene Fach brennen

Mir waren z. B. Wissenschaftler ein Vorbild, die für ihr Fach „brennen“ und die es verstehen, Lehrende zu begeistern. Eines meiner Spezialgebiete in meinem Geschichts-Studium war die Altsteinzeit. Das meiste, was ich in den 1970er-Jahren dazu an der Universität gelernt habe, ist inzwischen überholt, eine Vielzahl von Funden hat in der Paläanthropologie zu neuen Theorien und spannenden Fragestellungen geführt, für die sich, wenn sie didaktisch gut aufbereitet sind, Kinder nachhaltig interessieren können.

Lebenslanges Lernen vorleben

Für Klassenführung, Allgemein- und Fachdidaktik hat man im Studium und Referendariat einige Grundlagen erworben, diese aber auszubauen, ist eine lebenslange Aufgabe – und sie ist reizvoll, und Erlebnisse des Gelingens tragen zur Berufszufriedenheit bei.

  • Zur beruflichen Weiterentwicklung trägt erstens die kontinuierliche Reflexion von Erfahrungen bei, zu denen Niederlagen, Durststrecken und Fehler gehören. Sich davon nicht entmutigen zu lassen, sondern Fehler – auch mithilfe von KollegInnen – zu analysieren und neue Wege auszuprobieren, ist dafür wichtig. Auch SchülerInnen sind Fachleute für Unterricht. Sich regelmäßig Feedbacks geben zu lassen, hilft dazu, auf eigenen Stärken aufzubauen und sich der eigenen Schwachpunkte bewusst zu werden.
  • Zweitens ist eine kontinuierliche Fortbildung wichtig. Studien und Referendariat vermitteln Grundlagen, und hier macht man die „Gesellenprüfung“. Für den „Meisterbrief“ braucht man berufsbegleitende Fortbildung, die alles das abdecken sollte, was man im Laufe des Berufslebens an fehlendem Wissen und Können erlebt. Fortbildung kann auch dazu beitragen, die eigene Selbstwirksamkeitsüberzeugung zu verbessern, was  Auswirkungen auf die Qualität der Klassenführung hat, wie Schönbächler anhand einer Reihe von empirischen Studien nachwies:

Hohe Lehrerselbstwirksamkeit korreliert demnach eher mit einem Klassenmanagementverhalten, das durch positive Erwartungen, Zutrauen und Schülermitsprache geprägt ist, während tiefe Lehrerselbstwirksamkeit eher mit Kontrolle, Vorgabe und Strafen verbunden ist.(Schönbächler 2008, S. 93)

Aus Krisen lernen und wachsen

Personale Kompetenz erwirbt man vor allem in Krisen und schwierigen Situationen. Hier ist es wichtig, über sein Agieren, seine Schwierigkeiten und Gefühle zu reflektieren und eine Sicht von außen auf die Probleme zu bekommen. Dazu dient in der Regel die Supervision, die in fast allen sozialen Feldern zum Berufsbild der Profis gehört – nur nicht oder nur selten in der Schule. Da Supervision für Lehrkräfte meistens nicht vorgesehen ist, muss man sie sich selbst organisieren, was nicht immer einfach ist, oder sich mit kollegialer Beratung oder einem Austausch in Klassen- und Jahrgangsteams behelfen, wobei es von Vorteil ist, wenn Lehrkräfte hierfür Fortbildungen in den entsprechenden Bereichen erworben haben. Gerade für junge Lehrkräfte kann ein erfahrener Mentor hilfreich sein, der über die Klippen des Berufseinstiegs hinweghilft (vgl. Böhmann/Klaffke 2010, S. 14 f.).

Eine Balance schaffen

In Stress- und Krisen-Situationen können neurotische Persönlichkeitsanteile und daraus resultierende psychosomatische Symptomlagen zu einer hohen Belastung werden. Beispielsweise können Überverantwortlichkeit und ein chronisch schlechtes Gewissen dazu führen, dass man sich immer mehr auf die Schultern packt oder packen lässt. In solchen Situationen hilft dann oft nur noch ein Blick von außen auf eingefahrene Muster, und hier sollte man sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen: Coaching oder Therapie und notfalls auch eine längere Auszeit in einer auf solche Schwierigkeiten spezialisierten Klinik, und zwar möglichst schon dann, wenn die Warnlampen aufleuchten, und nicht erst dann, wann es zu einem Burn-out gekommen ist. Zusammenfassend ergibt sich, dass personale Kompetenz eine wichtige Grundlage für Beziehungskompetenz ist, die wiederum die Basis für eine konstruktive Lehrer-Schüler-Interaktion und für gelingende Lehr-Lernprozesse ist.


Quelle: Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Fachbuch: Klaffke, T. (2013), S. 99-101, redaktionell bearbeitet von A. Junge, 17.06.2019, Hannover.

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