Guter Unterricht braucht Kopf, Hand – und Herz

Magische Momente

Nicht alles im Lehrerberuf ist plan-, evaluier- und messbar. Im Gegenteil – es sind gerade diese manchmal kaum zu erklärenden, emotional aufgeladenen „Sternstunden“ im Unterricht, die unseren Beruf so besonders machen. Um das ausschöpfen zu können, müssen Lehrer nicht nur Wissensvermittler, sondern auch Magier sein.

Eine Lehrerin erklärt ihren Schüler und Schülerinnen lächelnd eine Aufgabe.
Manchmal kann man sie förmlich knistern hören, die freudige Spannung, wenn Schüler an ihren neu gewonnenen Erkenntnissen wachsen. Diese Momente machen den ganz besonderen Reiz des Lehrerberufs aus. Foto: ©contrastwerkstatt/ stock.adobe.com

In den Medien wird regelmäßig eine bessere Lehrerausbildung an den Universitäten gefordert. Doch wie soll diese aussehen? Was macht einen wirklich guten Lehrer oder eine richtig gute Lehrerin aus? Die Vermittlung von Wissen einzuüben und diese gewissermaßen auch zu messen und zu beurteilen, indem man den Erfolg dieses Bemühens in Tests, Schulaufgaben und Prüfungen feststellt, ist die eine Sache. Die Fähigkeit jedoch, all dieses mit Kindern oder mit Jugendlichen in der Pubertät umzusetzen, die andere. Die Vermittlung von Wissen kann nur schwierig antrainiert werden. Diese Fähigkeit entzieht sich jeder Operationalisierung. Hier geht es wohl auch um ein Stück „Magie des Lehrerberufes“, um die Lehrkraft als Magier also. Ja, um eine wirkliche Berufung zum Pädagogen.

Streit um die Lehrerausbildung

„Mehr Klasse für die Klasse“, so lautet der Titel eines Berichts, der vor einiger Zeit in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war. Darin wird informiert, dass der Bund eine halbe Milliarde Euro zusätzlich in die Ausbildung von Lehrern stecken will. Zu Recht wird in dem Bericht angemerkt: „Ein Wettkampf der Ideen beginnt.“ Denn schon wieder sind wir dann bei der Frage angelangt: Was ist ein guter Lehrer? Was ist eine gute Lehrerin?

Die wichtigsten Punkte des Berichts sind hier kurz zusammengefasst:

  • Die Ausbildung der Lehrer soll an den Hochschulen nicht mehr irgendwie nebenbei erledigt werden.
  • Lehrer sollen dafür sensibilisiert werden, dass die Schülerschaft vielfältiger wird – durch Kinder mit ausländischen Wurzeln oder mit Behinderung. Stichwort: Inklusion.
  • Nur ein Drittel der Studenten hält den bisherigen Praxisbezug für gut, die Hälfte der Befragten hadert mit ihrer Betreuung an der Uni. Und zwei Drittel der Junglehrer gaben zu, einen „Praxisschock“ erlitten zu haben.
  • Der ideale Lehrer muss ein leidenschaftlicher Pädagoge sein und ein Meister seines Fachs – so lässt sich die Forschung zusammenfassen, einige Studien betonen das Fachliche, andere das Menschliche.

In dem Artikel wird zudem darüber reflektiert, zukünftige Lehrer in „Castings“ auszuwählen, damit für den Lehrerberuf ungeeignete Kandidaten rechtzeitig die Rückmeldung bekommen können, dass sie womöglich den falschen Berufsweg eingeschlagen haben.

Ins gleiche Horn bläst etwas später ein weiterer Artikel in der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel „Wunderwesen gesucht. Autorität, Humor, Fachwissen – was macht einen guten Lehrer aus?“ Wiederum geht es um die Qualitätsoffensive, die frischen Wind in die Lehrerausbildung bringen soll. Es werden erneut, wie schon im vorherigen Zeitungsartikel, die Fragen gestellt: „Wie genau werden Pädagogen besser ausgebildet? Und wie soll er denn überhaupt sein, der ideale Lehrer?“

Auch in diesem Zeitungsartikel wird nicht ausgeführt, was denn einen „guten“ Lehrer konkret ausmachen könnte und welche Qualitäten er im einzelnen neben hohen wissenschaftlichen Kenntnissen in seinen gewählten Fächern haben soll. Wie sollen beim Lehrer das Fachliche und das Menschliche zugleich erfüllt werden können? Hier beginnt die Magie der Pädagogik, die man nicht mehr erklären, sondern höchstens noch an konkreten Unterrichtssituationen feststellen kann. Diese Magie ist aber neben der fachlichen Kompetenz unbedingt nötig, um auf Dauer Klassen begeistern und für den Unterricht gewinnen zu können.