Checkliste für die Unterrichtsplanung

Unterricht systematisch planen

Eins ist sonnenklar: Guter Unterricht muss auch gut vorbereitet werden. Je tiefer Lehrende aber in dieses Thema einsteigen, desto mehr Fragen tauchen dabei auf. Am besten also, man nähert sich ihnen systematisch. Unsere Checkliste zeigt Ihnen, wie das gehen kann.

Ein Lehrer steht vor der Tafel, viele Schüler melden sich.
Guter Unterricht muss gut vorbereitet werden – ist aber auch keine Raketentechnik. Der Ablauf wird abwechslungsreicher, wenn Frontalunterricht und Gruppen- oder Partnerarbeit miteinander kombiniert werden. Foto: © Kzenon/stock.adobe.com

Die Unterrichtsvorbereitung beginnt immer mit einer simplen Frage: Was mache ich morgen mit der Klasse oder Lerngruppe? Bei der Suche nach Antworten drängen sich viele neue Fragen auf: Welcher Lerngegenstand soll im Mittelpunkt stehen? Wie steht er in Bezug zu den Schülern, zum übergeordneten Thema, zu den Vorgaben und Möglichkeiten vor Ort? Welche Kompetenzen, Eigenarten, Wünsche, Vorlieben liegen bei Einzelnen und in der Klasse vor? Welche Aufgabenstellungen, welche Methoden sind angemessen? Wie gehe ich mit den räumlichen, zeitlichen und technischen Gegebenheiten um? Sind meine inhaltlichen, methodischen und organisatorischen Vorstellungen stimmig und für die Lerngruppe gut verdaulich?

Die Basis: Ordnung schaffen

Um Ordnung in dieses Wirrwarr zu bringen, sollten Sie systematisch vorgehen. Es hat sich bewährt, folgende Aspekte getrennt zu bedenken:

  • Aspekte des Lerngegenstandes und -zieles,
  • der Rahmenbedingungen,
  • der Lerngruppe,
  • der einzelnen Schüler und
  • der eigenen Person.

Anhand dieser Aspekte können Sie einzelne Begründungsstränge für die inhaltlichen und methodischen Analysen und Entscheidungen entwerfen. Auch die Zielsetzung für Ihren Unterricht lässt sich so verdeutlichen. Es bietet sich an, diesen Planungsprozess in einer tabellarischen Übersicht des Unterrichtsverlaufs zusammenzufassen. Dabei können Sie durchaus bestimmte Aspekte differenzierter bearbeiten, um Ihren eigenen Entwicklungsprozess im Unterricht zu fördern. Dies ist besonders sinnvoll, um mit einer klaren Marschrichtung in die konkrete Unterrichtsvorbereitung einzusteigen. Die folgende Checkliste gibt Ihnen Anregungen, wie Sie vorgehen können.

Checkliste Unterrichtsplanung

1. Transparente, logische und funktionale Struktur von Unterricht und Unterrichtsumgebung

  • Mit Hilfe von Schwerpunkten in den Argumentationslinien einen „roten Faden“ herausarbeiten
  • Analysen der Lerngruppen und Lernsituation sowie der Sache mit den didaktisch-methodischen Analysen und Entscheidungen vernetzen
  • Thema, Ziele und Aufgabenstellungen aufeinander abstimmen
  • Funktionen der einzelnen Schritte stimmig aufeinander beziehen und damit eine plausible Abfolge schaffen
  • Aus den Einzelschritten der Unterrichtsstunde ein ausgewogenes, logisches Ganzes entwickeln
  • Prüfen, ob sich die Unterrichtsstruktur den Schülern erschließen wird (Aufgabenstellungen, Gliederung, Rollendefinitionen, Regeln, Rituale, Freiräume usw.)
  • Für eventuelle Abweichungen von der Planung (z. B. zeitlich) Alternativen bereithalten
  • Analyse der Lernumgebung (Raum als Ganzes, verschiedene Funktionsbereiche und Wege): Wirkt sie sauber und aufgeräumt, ist sie funktional und ergonomisch gestaltet?
  • Prüfen, ob alle für den Lernprozess wichtigen Arbeitsmittel, Materialien und Medien vorhanden sind

2. Lernzeit der Schüler

  • Die Zeit für Organisatorisches realistisch bemessen
  • Prüfen, ob die Arbeitsmittel von Schülern und Lehrkraft gut vorbereitet sind, damit keine Zeit verloren geht
  • Strategien entwickeln, um kleine Störungen schnell zu beheben; Konzentrationsübungen, Warm-ups, Cool-downs berücksichtigen
  • Die Aufgabenstellungen inhaltlich und methodisch auf ein angemessenes Schwierigkeitsniveau bringen
  • Übungen mit passgenauen Aufgaben einplanen
  • Prüfen, ob individuelle Lernzeiten und -wege verfolgt und kommuniziert werden können und ob differenzierte Lernhilfen möglich sind

3. Inhaltliche und fachliche Qualität des Unterrichts

  • Korrektheit und Ausgewogenheit der verwendeten Quellen sowie den Lehrplanbezug absichern
  • Prüfen, ob die verwendeten Begrifflichkeiten, Fakten und Zusammenhänge in ihrer didaktischen Reduktion transparent und sachlich richtig sind
  • Nach Möglichkeit mit hilfreichen Veranschaulichungen, Metaphern, Modellen oder Medien arbeiten
  • Eventuelle Rückmeldungen von Fehlern einplanen und Wege finden, konstruktiv mit ihnen umzugehen
  • Eine schnelle Kontrolle des Lernerfolges (z. B. Selbst- und Partnerkontrolle) berücksichtigen
  • Zeit einplanen, damit die Schüler Arbeitsergebnisse festhalten, wiederholen, zusammenfassen, anwenden und übertragen können

4. Persönliche Bedeutung der Lernprozesse und -ergebnisse für die Schüler

  • Den Lernprozess anregungsreich, aber auch mit vertrauten Elementen gestalten
  • Die Lernvorhaben auf die Lerngruppe abstimmen, die Lernschritte für die Schüler transparent und akzeptierbar gestalten
  • Inhaltliche und methodische Interessen, Wünsche und Betroffenheiten der Schüler von Beginn an kommunizieren und einbeziehen
  • Individuelle und gruppenbezogene Feedbackmöglichkeiten etwa zu Lernfortschritten und -schwierigkeiten vorsehen und einüben
  • Den Schülern ermöglichen, den Lernprozess zu reflektieren und die Qualität der Arbeitsergebnisse zu beurteilen
  • Planung so anlegen, dass sich Rückmeldungen für die Lerngruppe nachvollziehbar positiv auswirken

5. Methodische Abwechslung im Unterricht

  • Die Länge der Unterrichtsschritte und -phasen auf die Konzentrationsfähigkeit der Schüler abstimmen
  • Möglichst viele Sinne ansprechen, verschiedene Lerntypen berücksichtigen und Medien anwenden
  • Den Lerngegenstand mit unterschiedlichen Lernformen (Gruppen- oder Partnerarbeit, Frontalunterricht usw.) erarbeiten
  • Verschiedene Interaktionsmodelle (z. B. Schülerreferat, Streitgespräch, Experiment, Rollen- oder szenisches Spiel, Präsentation) anwenden

6. Formulierung von Leistungserwartungen, Leistungskontrolle

  • Erwartungen im Leistungs- und Verhaltensbereich der Lerngruppe klar formulieren und deren Akzeptanz prüfen
  • Das Lernangebot an den Richtlinien ausrichten und an das Leistungsvermögen anpassen
  • Die Schüler sollten den Schwierigkeitsgrad der Lernaufgaben selbst abschätzen und angemessene Aufgaben wählen können
  • Im Unterricht vielfältige Rückmeldemöglichkeiten und Leistungskontrollen vorsehen
  • Leistungskontrollen rechtzeitig ankündigen; Leistungserwartungen, individuell mögliche Übungsstrategien deutlich machen
  • Kriterienbezogene, zügige, differenzierte und verständliche Rückmeldungen zu Schülerleistungen geben

7. Lernfreundliche Arbeitsatmosphäre

  • Ein Klima schaffen, in dem die Schüler Anregung auf- und Herausforderung annehmen; Wertschätzung (auch von individuell verschiedenen Arbeitsweisen und Lösungswegen) ausdrücken; Kränkung vermeiden; Gerechtigkeit, Erfolg und Fröhlichkeit erlebbar machen
  • Fehler als Hilfen für den Lernprozess verstehen und anwenden
  • Die Bereitschaft der Schüler zu gegenseitiger Unterstützung, Mitbestimmung und Mitgestaltung fördern
  • Individuellen Förderbedarf einzelner Schüler ermitteln und einbeziehen