So schaffen Sie einen dynamischen Lernraum in alten Schulen

Neues Lernen in alten Schulen

Kennen Sie das? Sie betreten nach Jahren oder Jahrzehnten mal wieder Ihre alte Schule und erleben ein Déjà-vu. Manche Schulen und Klassenzimmer sehen noch aus wie vor 20 Jahren. Lehrmittel, Lernziele und Unterrichtsmethoden haben sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert – die Architektur und Einrichtung der Schulen dagegen oft nicht

Dreieckige Tischen werden im Klassenzimmer zu Tischengruppen zusammengestellt
Aus vier macht eins! Vier Dreieckstische werden zu einem Vierertisch. Das erleichtert die Kommunikation © Kamira Konzepteinrichtungen

Die meisten Schulgebäude stammen noch aus dem vergangenen Jahrhundert und wurden für den früher üblichen Frontalunterricht konzipiert – für Gruppenarbeit, Ganztagsunterricht, Digitalisierung oder Inklusion sind sie nur bedingt geeignet. Zudem sind viele Schulen sanierungsbedürftig. Der Investitionsbedarf liegt laut Kommunalpanel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bei 42,8 Milliarden Euro – und ist damit größer als in allen anderen Bereichen, zum Beispiel beim Straßenbau oder bei den Verwaltungsgebäuden. Orte zum Wohlfühlen, in denen sich Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte gern aufhalten, sind viele Schulen nicht. Das soll sich ändern, wenn Schulen neu gebaut werden – allein in Berlin sind es wegen steigender Schülerzahlen in den nächsten Jahren mehr als 60. An gutem Willen, guten Ideen und guten Konzepten, wie pädagogische und bauliche Anforderungen unter einen Hut gebracht werden können, mangelt es nicht.

Dynamisches Arbeiten ermöglichen

Ziel sind Schulen, die Schülerinnen und Schülern gute Lern- und den dort arbeitenden Pädagoginnen und Pädagogen gute Arbeitsbedingungen bieten. „Die Anforderungen an Lernen sind heute sehr viel höher als noch vor wenigen Jahren, ebenso die Erwartungen und Ziele aller Beteiligten – der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und natürlich der Lehrkräfte. Die Lehrerinnen und Lehrer sind mit einer hohen Dynamik in der didaktischen Arbeit konfrontiert“, weiß Karsten Flensberg, als Geschäftsführer von Kamira Konzepteinrichtungen Experte für modulare Schuleinrichtung. „In statischen Räumen ohne Flexibilität, Leichtigkeit und schönes Design kommen die Inhalte mitunter gar nicht an, weil es an Motivation und auch Effizienz fehlt. In einer schönen Umgebung lernt und lehrt es sich besser.“

Beispiel Lernhäuser

In München und in Berlin ist das vom ehemaligen Münchner Stadtschulrat Rainer Schweppe entwickelte Lern- und Teamhauskonzept inzwischen Standard für Schulbauten. Lernhäuser sind quasi kleine Schulen in oft als zu groß und zu anonym empfundenen Schulen. Klassen verschiedener Jahrgangsstufen oder die Parallelklassen eines Jahrgangs bilden ein Lernhaus, in dem die Kinder und Jugendlichen über mehrere Jahre von einem festen Team begleitet werden. So haben die Schülerinnen und Schüler feste Bezugspersonen. Zum Team gehören neben Lehrern auch (sozial-)pädagogische Fachkräfte. Im Idealfall gruppieren sich die zum Lernhaus gehörenden Räume als Cluster um ein gemeinsames, offenes Forum, das z. B. als Pausenfläche, als Rückzugsort zum Lernen oder zum Ausruhen dient. Mensa, Bibliothek, diverse Fachräume, Sporthallen usw. nutzen die Schülerinnen und Schüler aller Lernhäuser einer Schule gemeinsam.

Mehr Platz

Einzeltische im Klassenraum, eine alte Karte
Gruppenarbeit? Fehlanzeige! Mit neuen Konzepten schaffen Sie es, eine alte Schule in einladende Lernräume zu verwandeln. Foto: Wokandapix/pixabay

Der Raumbedarf von Lernhaus-Schulen ist wesentlich höher als von herkömmlichen: Die Facharbeitsgruppe Schulraumqualität, die in Berlin die Empfehlungen für die neu zu bauenden Schulen erarbeitet hat, geht davon aus, dass die neuen Schulen nutzungsbedingt mehrere Hundert Quadratmeter größer sind als die alten. Noch liegt die „pädagogische Nutzfläche“ in Berliner Schulen bei knapp 4 Quadratmetern; nach dem neuen Raum- und Funktionsprogramm sollen es zwischen 4,5 und 5,5 Quadratmeter sein. Diese Spanne haben Montag Stiftungen, BDA und VBE als „Leitlinie für leistungsfähige Schulbauten in Deutschland“ empfohlen. Nicht mehr zeitgemäß sind laut Leitlinien allgemeine Lern- und Unterrichtsbereiche mit weniger als 3,6 Quadratmeter Nutzfläche pro Schülerin bzw. Schüler einschließlich Unterrichts-, Differenzierungs- und Gruppenraum.

Erste Hilfe

„Es muss aber nicht immer gleich neu gebaut werden“, weiß Karsten Flensberg. Auch in Bestandsgebäude lassen sich mit flexiblen Einrichtungskonzepten moderne Lernlandschaften integrieren. So schaffen Schulen beispielsweise durch Umbaumaßnahmen oder durch Umwidmung der Flure die nötigen Flächen für Gruppenarbeit und andere Unterrichtsformen. Konzeptmöbel sorgen nicht nur für eine angenehmere Atmosphäre; sie helfen auch, neue Unterrichtskonzepte umzusetzen: So sind Dreieckstische wesentlich flexibler als klassische rechteckige Zweiertische. Die leichten Tische ermöglichen viele verschiedene Unterrichtsformen – vom klassischen Frontalunterricht über Gruppenarbeit mit iPads bis hin zur Einzelbetreuung. Die Schülerinnen und Schüler können an Einzeltischen, in Zweier-, Vierer-, Achtergruppen oder auch im Kreis sitzen, sie können allein oder in Gruppen arbeiten.

Einrichtung erleichert die Zusammenarbeit

Für Gruppenarbeit sind die Dreieckstische optimal, denn die Kommunikation funktioniert besser, wenn sich direktere Blickachsen bilden. Sollen Schülerinnen und Schüler beispielsweise zu viert zusammenarbeiten, sitzen an Zweierpulten immer zwei nebeneinander. „Kommunikation findet aber fast nie über 90 Grad statt“, weiß Karsten Flensberg. „Man spricht meist mit den Menschen, die gegenüber oder im 45-Grad-Winkel sitzen.“ Das ist der Fall, wenn vier Dreieckstische zusammengerückt werden: An jeder Seite sitzt ein Schüler. Die Tische haben eine Rolle an der Stirnseite und können daher schon von Grundschulkindern leicht neu angeordnet werden. Wird eine freie Fläche benötigt, lassen sich die Tische schnell zusammenschieben und problemlos an den Wänden stapeln. Hilfreich ist auch ein flexibles Tafelsystem mit umlaufenden Wandschienen. Damit können Tafeln, Whiteboards und Pinnwände leicht an allen Wänden auf- und abgehängt werden und sind bei Gruppenarbeit von allen Plätzen einsehbar. Die Tafeln im Format 100 x 100 Zentimeter sind leicht und passen auf vier zusammengestellte Dreieckstische. So können die Schülerinnen und Schüler schon während der Gruppenarbeit ihre Ideen, Überlegungen und Ergebnisse notieren – und sie anschließend der Klasse präsentieren.


Sie möchten mehr über das Thema lesen? Dann empfehlen wir folgende Lektüre:

http://www.schulentwicklung-net.de/images/stories/Anlagen/516_Lernhaus_121014.pdf
http://www.ganztag-muenchen.de/das-muenchner-lernhauskonzept
https://docplayer.org/50498657-Berlin-bautbildung-die-empfehlungen-der-facharbeitsgruppe-schulraumqualitaet-band-1-bericht-1.html
https://www.vbe.de/fileadmin/user_upload/VBE/Service/Publikationen/2017_06_20_Schulbauleitlinien.pdf

Quelle: "Neues Lernen in alten Schulen" von Eva Walitzek, bildung spezial 2/2019, S. 10-11.