Autorität statt autoritär

Natürliche Autorität im Unterricht: So klappts!

Wer in den Lehrberuf startet, ist meist noch jung – darf sich aber nicht mit den Schülern verbrüdern oder ihr Kumpel sein wollen. Nur ausgestattet mit einer natürlichen Autorität, können Lehrer ihren Auftrag erfüllen: Heranwachsenden Orientierung auf dem Weg ins Leben zu geben.

Ein Lehrer erklärt seinen Schüler ein Themenfeld.
Wer eine Autorität sein will, muss nicht automatisch autoritär auftreten. | Foto: © Syda Productions/stock.adobe.com Foto: © Syda Productions/stock.adobe.com

Tägliches Ringen um Autorität

Mit der Autoritätsproblematik setzen sich Lehrerinnen und Lehrer täglich auseinander. Ihr Klientel sind Kinder oder Jugendliche in der Pubertät, die sich gerade mitten in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und ihrem Reifungsprozess befinden. Vor allem die Jugendlichen stellen herkömmliche Autoritäten wie Eltern oder Lehrkräfte in Frage, um sich selbst finden zu können. Oft hilft es als LehrerIn, sich an jene Lehrkräfte mit einer natürlichen Autorität zu erinnern, die Sie in ihrer eigenen Schulzeit gehabt hatten und sich bewusst zu machen, worin das Geheimnis ihrer natürlichen Autorität und Ausstrahlung bestand. Außerdem sollten Sie die folgenden Tipps im Unterricht befolgen, wenn Sie als Autoriät wahrgenommen werden möchten

6 Tipps für natürliche Autorität im Unterricht

  • Keine Kuschelpädagogik. Besonders in jüngeren Jahrgängen ist dies der falsche Ansatz, wenn klare Ansagen und harte Grenzziehungen erwartet werden. Die Schülerinnen und Schüler gehen davon aus, dass diese Grenzen vom Lehrer auch gesetzt werden.
  • Lassen Sie sich nicht auf der Nase herumtanzen. Es ist eine verständliche, oft aber eine falsche Haltung, um sich als Lehrer bei den Schülern und Schülerinnen nicht unbeliebt zu machen. Meistens ist genau das Gegenteil der Fall: Die Schüler verlieren den Respekt vor ihrem Lehrer.
  • Schließen Sie keine Freundschaften. Es sollte nicht das Ziel des Pädagogen sein, von den Schülern und Schülerinnen geliebt zu werden oder sich mit ihnen zu verbrüdern. Die Schüler wollen in der Regel gar keinen Kumpel als Lehrer. Sie wollen ihn vielmehr respektieren können als ein erwachsenes Gegenüber, an dem sie sich orientieren und reiben können, der sie ernst nimmt, auch indem er Verstöße ahndet oder Konsequenzen zieht, wenn über die Stränge geschlagen wird.
  • Bleiben Sie der Chef im Ring. Als Lehrer tragen Sie die Verantwortung für den Unterricht und für die Ihnen anvertrauten Schüler. Darum ist es Ihre Pflicht, stets „Chef/in im Ring“ zu bleiben – in Ihrer inneren Autorität und auch wörtlich gesehen im Klassenzimmer.
  • Seien Sie konsequent. Das Verantwortungsbewusstsein des Lehrers gegenüber seinen Schülern und Schülerinnen kann auch heißen, konsequent zu sein, klare Grenzen zu setzen und auf deren Einhaltung zu bestehen. Auch dies gehört zu einer wirklichen Pädagogik des Herzens.
  • Geben Sie auch beim gemeinschaftlichen Arbeite nicht die Leitung aus der Hand. Es ist gut, neben dem lehrerzentrierten Unterricht viele andere Unterrichtsmethoden zur Verfügung zu haben und zu beherrschen: Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Projektarbeit usw. Dennoch darf ich als Lehrer auch bei diesen anderen Unterrichtsformen niemals die eigentliche Leitung aus der Hand geben.

Schüler brauchen Klarheit und Orientierung

Zu einer menschlichen und lebendigen Pädagogik gehört es, als Lehrer klar und konsequent zu sein, selbst wenn die Schüler dies vordergründig als garstig und abweisend empfinden sollten. Es ist wohl die pädagogische Kunst schlechthin, als Lehrer einen klaren Weg zu finden zwischen natürlicher Autorität (Ausstrahlung) und autoritärem Gehabe. Schüler besitzen dafür empfindliche Sensoren und können durchaus unterscheiden, ob diese Ausstrahlung des Lehrers überzeugend oder nur vorgespielt ist.

Sie wünschen sich zu Recht einen Lehrer mit natürlicher Autorität, der sie beachtet, liebt, ernst nimmt, fördert, unterstützt und den sie gleichzeitig respektieren können. Auch sollte er neben fachlichem Wissen eine natürliche Empathiefähgigkeit besitzen. Gleichzeitig erwarten die Schülerinnen und Schüler, dass ein Lehrer sich durchsetzen und überzeugend Grenzen setzen kann, falls dieser von der Klasse oder von einzelnen Schülern in Frage gestellt werden. Indem Heranwachsende die Autorität des Lehrers testen, loten sie zugleich aus, wie weit sie selbst gehen können. Dies gehört zur Pubertät im Allgemeinen und zum „Spiel“ des Unterrichts zwischen Schülern und Lehrern im Besonderen.

Ein Lehrer muss Grenzen setzen können

Die Grundlage für einen guten (Fach-)Unterricht ist eine geklärte Beziehung zwischen den einzelnen Schülern, der ganzen Klasse und dem Lehrer. Beide Ziele des Bildungskanons – die Wissensvermittlung und die gleichzeitige Begleitung der Schüler bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung – können nur erreicht werden, wenn der Grundsatz „Erziehung durch Beziehung“ konkret Wirklichkeit wird. An dem Lehrer liegt es, dass sich innerhalb der Schulstrukturen ein pädagogischer Raum öffnet, in dem Fachunterricht stattfinden, die einzelnen Schüler individuell gefördert und ein möglichst gutes Arbeitsklima herrschen kann.

Eine Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, dass der Pädagoge selbst im Tiefsten seiner Persönlichkeit erwachsen geworden ist. Nur dann kann er die „Königsaufgabe“ erfüllen, die mit seinem Beruf verbunden ist: seinen Schülern Orientierung zu geben, ihnen ein Vorbild bei ihrer eigenen Persönlichkeitsentfaltung zu sein und sie dabei kompetent zu begleiten. Zu dieser Rolle gehört auch die Fähigkeit, einzelnen Schülern oder ganzen Klassen klare Grenzen setzen zu können.

Manche Schüler schreien förmlich danach, durch den Lehrer solche Grenzen zu erleben, weil sie sie zu Hause vermissen – sei es, weil ihre Eltern überfordert oder selbst noch nicht ganz erwachsen sind; weil ihre Eltern aus falsch verstandener Liebe zuviele Zugeständnisse machen oder sie es schlicht versäumt haben, ihnen respektvolles Verhalten anzuerziehen.

Das Erwachsenwerden erfordert Begleitung und Orientierung

Warum aber ist die Klarheit und eine echte Autorität des Lehrers so wichtig, gerade für Schüler in der Pubertät? Während diese mit Einsetzen des Pubertäts-Prozesses aufgrund ihrer biologischen Reifung ganz von selbst vom Kind zum Jugendlichen werden, gelingt der nächste Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen in der Regel nicht so leicht. Hierbei braucht es erfahrene Mentoren. Wir Lehrerinnen und Lehrer sind eigentlich dafür prädestiniert. Aber dazu müssen wir uns darüber auch bewusst sein, wenn wir die uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler bei ihrem Reifungs- und Übergangsprozess des Erwachsenwerdens adäquat begleiten wollen.


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