Interview und Checkliste

Motivation für gute Leistung

Hanna Harderland ist Lehrerin und anerkannte Lerncoach- und Lern­beratungsexpertin sowie Autorin mehrerer Fachbücher. An ihrem Hamburger Fortbildungsinstitut bildet sie Lerncoaches aus. Wir haben sie zu ihrem Ratgeber „Lernentwicklungs­gespräche führen“ befragt.

Ein Pressefoto von Hanna Hardeland.

Frau Hardeland, Lernentwicklungsgespräche an Grundschulen gibt es bereits seit mehreren Jahren. Wozu brauchen wir jetzt einen Ratgeber?

Hanna Hardeland: In meinen Fortbildungen erlebe ich immer wieder, dass Grundschullehrer verunsichert sind, wie sie ein Lernentwicklungsgespräch überhaupt führen und strukturieren sollen. Sie sind in der Regel für solche Gespräche nicht ausgebildet, stattdessen setzt man ihre Beratungskompetenz einfach voraus. Eltern wiederum sind sich über Ablauf und Nutzen der Gespräche häufig im Unklaren.

Worin besteht dieser Nutzen?

Hanna Hardeland: Im Lernentwicklungsgespräch formulieren die Schüler mit Unterstützung des Lehrers ihr eigenes individuelles Lernziel, werden dadurch eigenverantwortlich zum Experten für ihr eigenes Lernen – und je mehr sich ein Kind mit seinen Lernzielen identifizieren kann, desto wahrscheinlicher wird es die Ziele auch motiviert und langfristig umsetzen. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass viele Lehrer gar nicht genau wissen, wie man Schülern wertschätzendes Feedback gibt und gemeinsam mit ihnen eine motivierende Zielformulierung erstellt. Stattdessen fühlen sich Lehrer oft unter Druck, den Kindern bereits fertig ausformulierte Lernziele auf den Tisch zu legen.

Woher kommt dieser Druck?

Hanna Hardeland: Die Lehrer fühlen sich natürlich auch den Eltern gegenüber verpflichtet, möglichst greifbare Ergebnisse zu liefern. Manche Eltern empfinden Lernentwicklungsgespräche als zu vage, wünschen sich stattdessen klassische Schulnoten zurück. Hier ist ein Umdenken erforderlich: In der Schule geht es heute nicht mehr nur darum, eine bestimmte Punktzahl zu erzielen – sondern darum, konkrete Kompetenzen zu erlangen. Eine Schulnote sagt nichts darüber aus, ob ein Schüler beispielsweise in der Lage ist, eine Aufgabe konzentriert für zehn Minuten selbständig zu bearbeiten. Mit einer schlechten Note kann man ihn vielleicht für seine Arbeitsverweigerung bestrafen. Man kann ihn aber auch fragen, wie man es schafft, ihn wieder für das Thema zu begeistern. Und genau um diese Frage geht es in meinem Buch.