Konzepte und Ideen zur kreativen Raumgestaltung

Neue Lernraumkonzepte vs. Brandschutz – Kann das funktionieren?

Um bei Feueralarm für Sicherheit sorgen zu können, ist ein guter Alarmplan unverzichtbar. Vor allem der Schulflur spielt dabei eine große Rolle. Doch wie kann der Flur genutzt werden, um nicht nur bei Feuer Sicherheit zu schaffen, sondern auch im Schulalltag einen kreativen Raum zu bieten?

Skizze eines Flurs, der nach Brandschutzverordnung neu gestaltet wurde
Die Umgestaltung des Schulflurs muss gut geplant werden. Neue Konzepte helfen, eine schöne Lernumgebung zu schaffen. © Bauereignis

Grundlage für die neue Lernumgebung: Der Brandschutz

Wer sich als Brandschutzhelfer mit den entsprechenden Maßnahmen auseinandersetzt, wird schon das eine oder andere mal über die Musterbauordnung, die Muster-Schulbaurichtlinie oder über die entsprechenden Verordnungen der Bundesländer gestolpert sein. Diese Vorschriften setzen zum Beispiel die Anforderungen an die verwendeten Baustoffe und Bauteile fest, aber sie regeln auch die Zahl der Rettungswege und bestimmen sogar die Abstände zwischen den inneren Brandwänden.

Brandschutzverordnung sorgfältig studieren

Zwar ist Brandschutz in Deutschland Ländersache, doch generell gilt: Aus jedem Aufenthalts- und Unterrichtsraum muss es mindestens zwei Flucht- und Rettungswege geben. Auch die Entfernung zum nächsten Ausgang und die Breite von Fluren und Treppen sind vorgeschrieben, ebenso wie Blitzschutz- und Alarmierungsanlagen sowie Notbeleuchtungen in fensterlosen Räumen. Die Klassenräume werden über lange, möglichst gerade Flure erschlossen, die im Notfall als Rettungsweg dienen, im Alltag aber eher Durchgangsraum als positive Lernumgebung sind. Neue Unterrichtskonzepte, Ganztags- und individualisierter Unterricht, Inklusion sowie die anstehende Digitalisierung erfordern jedoch zusätzliche Räume, in denen Schülerinnen und Schüler allein oder in Gruppen arbeiten, in der Mittagspause entspannen oder wo Lehrkräfte Gespräche mit Eltern oder mit Kolleginnen und Kollegen führen können. Wie aber gelingen diese neuen Raumkonzepte auch unter Brandschutzaspekten?

Feueralarm in der Schule

Neben dem baulichen muss auch der organisatorische Brandschutz in Schulen gewährleistet sein. Deshalb muss die Schulleitung gemeinsam mit dem Sicherheitsbeauftragten, dem Schulträger und der Feuerwehr einen Alarmplan erstellen. An einer zentralen Stelle – z. B. in der Eingangshalle, im Treppenhaus oder am Schwarzen Brett – zeigt ein Aushang nach DIN 14 096, Teil A, was im Brandfall zu tun ist: Brand melden, sich und andere in Sicherheit bringen und erst dann Löschversuche unternehmen. Außerdem sind Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte regelmäßig zu informieren, wie sie sich bei Feueralarm richtig verhalten.

So sieht der Alarmplan aus

Für jede Klasse sollte es einen festen Sammelplatz geben, auf einem Plan werden die möglichen Flucht- und Rettungswege grün markiert. In jedem Schuljahr müssen zwei Probealarme durchgeführt werden. Das Alarmsignal muss sich deutlich vom Stunden- und Pausensignal unterscheiden und überall laut zu hören sein. Hinweise und Checklisten enthält die von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e. V. (DGUV) herausgegebene Broschüre „Feueralarm in der Schule“. Schulen können sie bei ihrem Unfallversicherungsträger beziehen oder unter diesem Link herunterladen.

Brandschutz in Schulen bringt Schülern die Gefahren des Feuers näher
Wie brennt eigentlich welches Material? Brandschutzgutachter Andreas Flock zeigt es den Kindern in einer Projektwoche an der Temple-Grandin-Schule © Bauereignis

Brandschutz in der Schule: Neue Konzepte

Moderne pädagogische Konzepte erfordern flexible Räume und offene Raumkonzepte. Bei Schulneubauten könnten diese Vorstellungen eigentlich verwirklicht werden. Doch offene Konzepte wie Lerncluster oder (offene) Lernlandschaften kollidieren vielfach mit den Anforderungen des Brandschutzes. Weil Schulträger und Kommunen zeitaufwendige Abstimmungen für den Brandschutz scheuen, halten sie teilweise an traditionellen Schulbaumustern mit Fluren und Klassenzimmern fest. Damit verpassen sie nach Aussagen von Barbara Pampe, Projektbereichsleiterin für pädagogische Architektur der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, „eine große Chance, zukunftsorientier te Lern- und Raumkonzepte zeitnah umzusetzen“.

So vereinbaren Sie den Brandschutz mit neuen Lernkonzepten

Dass sich moderne pädagogische Konzepte und Brandschutz vereinbaren lassen, zeigt das von der Technischen Universität Kaiserslautern durchgeführte und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförder te Forschungsprojekt „Brandschutz im Schulbau“. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass offene Lernlandschaften oder Lerncluster im Hinblick auf den Brandschutz maximal 600 Quadratmeter groß sein dürfen. Ein sicherer Ausgang nach draußen oder zu einem sicheren Treppenhaus darf maximal 35 Meter, ein zweiter Ausgang in einen benachbarten Bereich sollte maximal 25 Meter von jeder Stelle des Lernclusters entfernt sein. Wenn es brennt, breitet sich der Rauch in offenen Lernclustern schneller aus als in klassischen Flurschulen mit abgetrennten Klassenräumen. Dieser Nachteil wird jedoch dadurch ausgeglichen, dass die Räume besser einsehbar sind und Brände möglicherweise früher erkannt werden. Auch dass sich die Kinder und Jugendlichen in offenen Lernräumen gut auskennen und sich daher schnell in Sicherheit bringen können, ist ein Vorteil.

Broschüre informiert über Brandschutz im Schulbau

Die wichtigsten Ergebnisse und Empfehlungen der Studie sind in der Broschüre „Brandschutz im Schulbau – Neue Konzepte und Empfehlungen“ zu finden, die vom Bund Deutscher Architekten (BDA), der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, der Technischen Universität Kaiserslautern, der Unfallkasse NRW und dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) herausgegeben wurde. Die Broschüre gibt es als PDF zum Download unter diesem Link.

Quelle: "Raumreserve Flur" von Eva Walitzek, bildung spezial 2/2019, S. 6-9.