Mit Herz und Seele

Lehrer sind Psychologen, Seelsorger und Lebensbegleiter

Auch wenn Lehrer noch so qualifiziert sind, ohne gewisse „soft skills“ wie Empathie und Herzenswärme können sie den Lehrberuf nicht ausfüllen. Wie geht man als Lehrer mit einem Kind um, dessen Eltern sich getrennt haben, wie mit einem Todesfall in der Familie?

Ein Mann und ein Kind halten beiden den Zeigfinger vor den Mund.
Kinder sind menschliche Wesen mit Bedürfnissen, Sorgen und Nöten, die Beachtung, Zuwendung, Ermutigung und Bestätigung brauchen. Foto: © Privilege/stock.adobe.com

Lehrer brauchen Soft-Skills

Seit dem Pisa-Schock um die Jahrtausendwende ist die Schulpolitik,  befeuert von immer neuen internationalen Bildungs-Vergleichtests, nicht mehr zur Ruhe gekommen. Da in Deutschland die Bildungspolitik zudem Sache der einzelnen Bundesländer ist, wetteifern diese um die besten Plätze im nationalen Ranking bezüglich Bildungsstandards und Effektivität des jeweiligen Schulsystems. Konkret geht es dabei um die Themen „Kompetenzen statt Inhalte“, „Digitalisierung von Unterrichts- und Arbeitsmitteln“, „neue Unterrichtsformen“, „neue Rollen des Lehrers“ (Unterrichtsmanager, Lernbegleiter) sowie um „Schulsystem und Schulstruktur“ (G-8- oder G-9-Gymnasien, dreigliedriges Schulsystem oder Gemeinschaftsschulen usw.). Das, was in den Schulen geschieht, sollte messbar, vergleichbar, operationalisierbar, steuerbar, kontrollierbar und möglichst effizient sein – alles Kriterien, die in Industrie und Wirtschaft üblich und dort wohl auch nötig sind.

Diese Neuausrichtung von Bildung und Schule begeht aber einen entscheidenden Fehler: Die „Klientel“, mit der es wir Lehrer tagein, tagaus zu tun haben, sind Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung. Keine Lernmaschinen und keine mit digitalen Arbeitsmitteln und Unterrichtsmethoden zu formende Werkstücke, sondern offene menschliche Wesen mit Bedürfnissen, Sorgen und Nöten, die Beachtung, Zuwendung, Ermutigung und Bestätigung brauchen. Nötig sind daher eine feinfühlige Bindungsbildung, ein tiefergehendes Bemühen um Psychologie und Seelsorge und insgesamt eine gesamtmenschliche Lebensbegleitung der uns anvertrauten Schüler. Diese eher „weichen“ Kriterien der Pädagogik sind kaum messbar, sind aber im Schulalltag ebenso wichtig und notwendig wie leicht messbare und sichtbare „harte“ Kriterien: etwa wie digitalisierte Arbeitsmittel oder wie die Schulform, um die in manchen Bundesländern immer wieder neu gerungen wird.

Diese weichen Kriterien sollten in der Lehrerbildung viel mehr berücksichtigt werden. Ein Pädagoge sollte zumindest einige psychologische Grundkenntnisse besitzen – für den Unterricht, aber auch im Umgang mit den Eltern etwa in Sprechstunden. Wie schwierig die Kommunikation mit Schülereltern bisweilen ist, kann folgender heutzutage gar nicht so seltener – Fall eindrucksvoll belegen. Eine erfahrene Kollegin erzählte mir diese Geschichte (in der alle Namen geändert sind):