Gute Schule – was ist das eigentlich?

Daniela Rzejak und Prof. Dr. Frank Lipowsky von der Universität Kassel haben den Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitforschung „Vielfalt fördern“ vorgelegt. Untersucht wurden die Wirkungen und Erfolgsfaktoren der Fortbildung in der zweijährigen Pilotphase ab dem Schuljahr 2011/12 mit vielfältigen quantitativen und qualitativen Instrumenten. Die Vergleichsstudie in diesem Rahmen zeigt für die Pilotphase zwar keine Vorteile auf Schülerebene, dafür aber Entwicklungsvorteile bei der Zusammenarbeit der fortgebildeten Lehrkräfte

Dass sie eine sehr differenzierte Meinung zu Schule haben und wertvolle Impulse zur Schulentwicklung geben können, haben Kinder und Jugendliche auf dem Schülerkongress des Deutschen Schulpreises im März 2018 eindrucksvoll bewiesen. Das hat uns neugierig gemacht. Wir wollten mehr wissen und haben bei Schülerinnen und Schülern von der Grundschule bis zur berufsbildenden Schule nachgefragt: Was ist aus eurer Sicht besonders wichtig, damit Schule und Unterricht erfolgreich sind? Wo seht ihr die Stärken eurer Schulen, wo ist Veränderungsbedarf? Welche Anregungen habt ihr, um Schulen weiterzuentwickeln?
Gemeinsam mit der Bildungswissenschaftlerin Monika Buhl von der Universität Heidelberg haben wir Fragebögen entwickelt, die die befragten Kinder und Jugendlichen auffordern, sich mit den sechs Qualitätsbereichen des Deutschen Schulpreis auseinanderzusetzen: „Leistung“, „Umgang mit Vielfalt“, „Unterrichtsqualität“, „Verantwortung“, „Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner“ sowie „Schule als lernende Institution“. Sie sind Grundlage für die Bewertung der Schulen im Rennen um den Deutschen Schulpreis. Bereits 2006 hat der Deutsche Schulpreis die Qualitätsbereiche gemeinsam mit Wissenschaft und Praxis entwickelt. Sie werden fortlaufend aktualisiert und haben sich als Merkmale guter Schule mittlerweile etabliert.

Die Ergebnisse des Kongresses und der Umfrage veröffentlicht die Robert Bosch Stiftung in einer neuen Publikation im März 2020 – ergänzt um zentrale Befunde aktueller Studien zum Schul- und Lebensalltag von Kindern und Jugendlichen. „An meiner Schule wird jeder Schüler gehört und respektiert. Gespräche finden auf Augenhöhe statt und jeder Schüler wird ernst genommen”, antwortet zum Beispiel ein Schüler des Ernst- Moritz-Arndt-Gymnasiums Osnabrück auf die Frage, ob er an seiner Schule mitbestimmen darf. Zum Thema Schulentwicklung sagt eine Schülerin der Berufsbildenden Schulen im niedersächsischen Einbeck: „Lehrkräfte und Schulen müssen sich weiterentwickeln, um modernen Problemen gewachsen zu sein.“ Und einer Schülerin der vierten Klasse von der Bonner Kettelerschule gefällt an ihrem Unterricht, „dass wir oft zusammen mit anderen Kindern arbeiten. Ich finde es gut, dass die größeren Kinder den kleineren Kindern helfen. Wir machen viele Fächer alle zusammen.”

Die vielfältigen Ideen und Impulse der Schülerinnen und Schüler sollen Lehrkräfte und Schulleitungen bestärken, die Lernenden künftig stärker in die Gestaltung von Unterricht, Schule und Schulentwicklung einzubeziehen. Wenn Lehrkräfte und Schulleitungen sich von deren Perspektiven inspirieren lassen, profitieren davon alle Beteiligten.

Die Publikation „Gute Schule – Ideen und Impulse von Schülerinnen und Schülern“ erscheint am 17. März 2020 und ist auf Anfrage über den Deutschen Schulpreis erhältlich.