eTwinning-Schulen erhalten Schulsiegel für die Zusammenarbeit

eTwinning bringt Schulen zusammen

E für elektronisch, Twinning für Partnerschaft. Fast 700.000 Lehrkräfte nutzen die Möglichkeit, über eTwinning Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern zu knüpfen – und ihren Schülerinnen und Schülern neue Horizonte zu eröffnen. Besonders engagierte Schulen erhalten das eTwinning-Schulsiegel. Lehrkräfte von zwei ausgezeichneten Schulen schildern hier ihre Erfahrungen

Gruppe von eTwinning Teilnehmerinnen und Teilnehmern
Manchmal werden aus virtuellen auch reale Begegnungen wie hier beim Theaterfestival in Rodgau © Alicia Ellenberger

Die Auszeichnung honoriert nicht nur einzelne Lehrkräfte für erfolgreiche Projektarbeit, sondern die gesamte Schule“, erklärt Antje Schmidt vom Pädagogischen Austauschdienst (PAD). Bewerben können sich Schulen, bei denen mindestens zwei Lehrkräfte seit mindestens zwei Jahren bei eTwinning aktiv sind. „Auch kooperative Lernmethoden, das Lernen mit digitalen Medien und das Thema Internetsicherheit müssen in eTwinning-Schulen einen hohen Stellenwert haben“, nennt Antje Schmidt weitere Kriterien.

Europäisches Theater

An der Georg-Büchner-Schule Rodgau gehört eTwinning zum Schulalltag. Allein im vergangenen Schuljahr gab es an der Kooperativen Gesamtschule fünf eTwinning-Projekte. „Ein Projekt zur Geschichte der Berliner Mauer und das Theaterprojekt Educate wurden beim Europäischen Wettbewerb 2019 ausgezeichnet“, berichtet Alicia Ellenberger. Die Lehrerin für Spanisch, Ethik und Darstellendes Spiel am Gymnasialzweig der Schule leitet seit 2016 die eTwinning-Projekte der Schule und wird dabei von einem Dutzend Kolleginnen und Kollegen unterstützt. An manchen Projekten sind nur bestimmte Klassen beteiligt, bei anderen machen Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Klassen oder allen drei Schulzweigen mit. So bildeten Fünftklässler des Realschulzweigs mit Kindern aus Frankreich, England und Griechenland einen europäischen Chor und sangen gemeinsam – bei Treffen im virtuellen Raum – Lieder in der eigenen Sprache und in der Sprache der Partnerländer. Die „Fantastikinder“, so die Idee, teilen nicht nur Lieder, sondern auch Werte und Ideen.

Zwei Lehrerinnen stehen vor ihrer Auszeichnung
Zwei ausgezeichnete eTwinning-Lehrerinnen: Eileen Wiese (links) und Emese Stikel © Emese Stikel

Großer Auftritt für EU-Werte

Ziel des Theaterprojekts Educate war, die kulturellen Interessen der Jugendlichen zu erweitern; gleichzeitig wollten die Projektleiter einen langfristig einsetzbaren Lehrplan für Theaterunterricht erstellen. Bei Workshops und Lehrerfortbildungen bereiteten die Schulpartner aus Malta, Großbritannien, Italien, Spanien, Griechenland und Deutschland ein gemeinsames Theaterstück über EU-Werte – Gleichheit, Freiheit, Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenwürde – vor. Die Schülerinnen und Schüler probten die Szenen in ihren Heimatländern – und hatten dann beim Theaterfestival im Frühjahr in Rodgau ihren gemeinsamen großen Auftritt. „Dass sie sich nicht nur online trafen, sondern sich auch persönlich kennenlernten, war für die Kinder und Jugendlichen ein besonderes Erlebnis“, erzählt Alicia Ellenberger. Auch deshalb war das Interesse an diesem Projekt sehr groß. „Es gab weit mehr Bewerbungen als Plätze und die Auswahl ist uns nicht leicht gefallen.“

Spannende Themen – starke Klassengemeinschaft

Aber auch die anderen eTwinning-Projekte sind beliebt. „Die Schülerinnen und Schüler sind sehr motiviert – die behandelten Themen stehen den eigenen Interessen oft wesentlich näher als die, die im regulären Unterricht angeboten werden. Und sie finden es spannend, Gleichaltrige aus ganz Europa kennenzulernen. Sie erleben auf diese Weise, dass sie, obwohl sie in verschiedenen Ländern leben, oft ähnliche Interessen oder auch vergleichbare Probleme haben“, weiß Alicia Ellenberger. Die gemeinsame Arbeit an einem Projekt stärkt, so ihre Erfahrung, nicht nur das Verständnis für Menschen aus anderen Ländern, sondern oft auch die Klassengemeinschaft. Und ganz nebenbei verbessern die Kinder und Jugendlichen ihre Sprachkenntnisse und ihre Medienkompetenz. „Die Schüler kommunizieren per E-Mail, in Chatrooms und bei Online-Konferenzen. Sie entwerfen gemeinsam Plakate, erstellen Diashows, Bildergalerie, Audio- und Videodateien, Blogs, Wikis, e-Books und vieles mehr – und üben dabei den Umgang mit digitalen Medien“, sagt Alicia Ellenberger.

Plakat mit einer Collage aus Fotos der Schülerinnen und Schüler
Wir sind wertvoll: Im Rahmen eines Projekts über europäische Werte gestalteten die Schülerinnen und Schüler dieses Plakat © Emese Stikel

Fortbildungen für Lehrkräfte

Die Kooperation findet auf der eTwinning-Plattform TwinSpace statt – einem sicheren Raum, zu dem nur ausgewählte Mitglieder Zutritt haben. Bei Online-Kursen, Präsenzveranstaltungen oder Blended-Learning-Fortbildungen erfahren interessierte Lehrkräfte mehr über die Möglichkeiten der Plattform und können Kontakte zu Partnerschulen knüpfen. Die Angebote sind kostenfrei und werden von erfahrenen eTwinning-Botschaftern wie Alicia Ellenberger geleitet. Rund 100 Lehrkräfte stehen als sogenannte Moderatorinnen und Moderatoren für Beratung und Fortbildungen zu Erasmus+ und eTwinning zur Verfügung. Sie werden vom Pädagogischen Austauschdienst des Sekretariats der Kultusministerkonferenz eingesetzt. Auf der europäischen Plattform finden Lehrkräfte außerdem Materialien, in denen Kolleginnen und Kollegen beschreiben, wie sie eTwinning im Unterricht eingesetzt haben, zum Beispiel wie man das Erlernen von Grammatikregeln interessanter gestalten kann oder wie sich das Thema Migration im Unterricht lebensnah aufgreifen lässt.

Europa erleben

Dass nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Lehrkräfte vom Blick über den Zaun profitieren, bestätigt Emese Stikel von der Don-Bosco-Schule in Lippstadt. „Wir haben vor ein paar Jahren durch den Austausch mit unserer walisischen Partnerschule viel über den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht gelernt. Bei Workshops und schulinternen Fortbildungen haben wir einen intensiven Einblick in die Förderpraxis an unserer Partnerschule Ysgol Y Deri gewonnen“, erzählt sie. Inzwischen sind iPads und Lern-Apps aus der Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung nicht mehr wegzudenken – und kommen natürlich auch beim eTwinning zum Einsatz. „Wir arbeiten viel mit Bildmaterial und lassen Texte vorlesen, weil es bei uns keine Voraussetzung ist, dass die Schülerinnen und Schüler lesen können“, erklärt Emese Stikel. Trotzdem funktioniert der Austausch über Ländergrenzen hinweg.

Plakat aus Händen, auf denen Werte wie Liebe, Frieden und Toleranz stehen
Schülerinnen und Schüler erstellen gemeinsam mit eTwinning-Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Türkei ein Plakat über geteilte Werte © Emese Stikel

„Wir sind wertvoll“

Mit Partnerschulen aus der Türkei arbeitete die Don-Bosco-Schule beim Projekt „Wir sind wertvoll“ zusammen. Gemeinsam suchten und fanden die Schülerinnen und Schüler Werte, die Menschen in allen Ländern wichtig sind: Liebe zum Beispiel, Ehrlichkeit, Familie und Frieden. Entstanden ist eine bunte Palette an Arbeitsergebnissen – Bilder, Plakate, Filme, Lieder und vieles mehr. Beim Projekt „Fit & Cool“ ging es im vergangenen Schuljahr um Gesundheitsförderung durch Sport und Ernährung. „Die Kinder und Jugendlichen haben Rezepte ausgetauscht, sich gegenseitig Sportspiele vorgestellt und einen Fitnesstest entwickelt und durchgeführt“, erzählt Emese Stikel. Wie „Wir sind wertvoll“ war auch „Fit & Cool“ ein reines Internetprojekt. Doch an der Europaschule Don Bosco stehen auch Besuche des Europäischen Parlaments und reale Schülerbegegnungen auf dem Programm – u. a. mit polnischen, ungarischen und walisischen Schülerinnen und Schülern. Um
gemeinsam am Projekt Brexit zu arbeiten, reisten die Don-Bosco-Schülerinnen und -Schüler zweimal nach Wales. Sprach- oder andere Probleme gab es bei den Treffen nie: „Wie sie sich verständigen, ist mir manchmal ein Rätsel“, gibt Emese Stikel zu. „Doch sie verstehen sich so gut, dass beim Abschied fast immer Tränen fließen.“

Gute Werte für eTwinning

Nach einer Umfrage, an der sich rund 5.900 Lehrkräfte mit eTwinning-Erfahrung beteiligten, wirkten sich die Partnerschaftsprojekte sehr positiv aus.

  • Etwa 80 Prozent der Befragten glauben, dass eTwinning die Beziehung zwischen Schülern und Lehrkräften verbessert.
  • Über 90 Prozent sagen, dass eTwinning die Motivation der Schüler erhöht und die Zusammenarbeit unter ihnen fördert.
  • Auch auf die eigenen Kompetenzen wirkt sich eTwinning nach Einschätzung der Lehrer positiv aus, vor allem auf die Fähigkeit zur Vermittlung fächerübergreifender Kompetenzen wie Teamwork und Kreativität sowie auf fremdsprachliche Fähigkeiten.

Quelle: 12 Jahre eTwinning. eTwinner berichten über den Einfluss der Plattform auf ihre Unterrichtspraxis, Kompetenzen und Weiterbildungsmöglichkeiten

Quelle: "Lernen ohne Grenzen" von Eva Walitzek, bildung spezial 2/2019, S. 22-24.


Weitere Informationen:
www.kmk-pad.org/etwinning-schule