Vom Durchgangs- zum Aufenthaltsbereich

4 Tipps für eine positive Lernumgebung im Schulflur

Schulflure sind meistens nur Rettungswege – denn wenn es mal brennt, wird vor allem der Flur zum Zentrum der Rettung. Wer den Flur auch als Aufenthaltsbereich nutzen will, muss deshalb viele Vorschriften beachten. Lesen Sie weiter, um vier Tipps für die Verwandlung des Schulflurs in eine positive Lernumgebung zu erhalten.

Weiter, aufgeräumter Schulflur
Typischer Flur mit schwer brennbaren Möbeln, die den Rettungsweg frei lassen. Hier wird Raum genutzt, und eine positive Lernumgebung zu schaffen. © Bauereignis

Tipp 1: Vorschriften beachten

Werden Schulen neu gebaut oder umfassend saniert, ergibt sich daraus die Chance, neue und offene Raumkonzepte zu verwirklichen. Doch so lange wollen viele Schulleitungen und Lehrkräfte nicht warten: Sie ergreifen selbst die Initiative, weil sie neue Räume als Aufenthalts- und Lernräume erschließen möchten. Besonders gut bieten sich dazu die kargen Schulflure an. "Das kann sogar ohne Bauantrag in recht kurzer Zeit möglich sein, wenn die Flure weiterhin Rettungswege bleiben", weiß Katharina Sütterlin, Archtiketin vom Berliner Unternehmen Bauereignis Sütterlin Wagner.

Schulen sollten jedoch zur Planung eines solchen Vorhabens von Anfang an ein Architekturbüro einbeziehen, welches das partizipative Gestaltungskonzept für die neue Lernumgebung in Zusammenarbeit mit Brandschutzsachverständigen erarbeitet. Denn bei der Umgestaltung müssen zahlreiche Sicherheits- und Brandschutzregeln beachtet werden. "Bleiben die Flure Rettungswege, muss generell die Durchgangsbreite von 1,50 Meter eingehalten werden", nennt die Architketin als Beispiel. In diesen Bereich dürfen weder Türen noch irgendwelche Möbel hineinragen. Für die Bereiche hinter den Türen und am Treppenhaus gelten besondere Bestimmungen. Außerdem muss der Flur brandlastfrei bleiben, das heißt, brennbare Materialien – auch Möbel – dürfen dort nicht dauerhaft gelagert werden. "Ein Rettungsweg ist kein Abstellraum", mahnt Katharina Sütterlin.

Tipp 2: Auf Materialien achten

Flure müssen aber nicht leer stehen: So können in einem 4-Meter-breiten Flur in einem 2,50-Meter-breiten Bereich Möbel aufgestellt werden. "Wichtig ist allerdings, dass keine schwer einsehbaren Nischen entstehen, in denen Kinder sich verstecken können. Das kann nämlich im Brandfall tödlich sein."

Für Flure, Foyers und andere Durchgangsbereiche werden zum Beispiel Stühle und Tische aus Stahl angeboten, die nicht brennbar sind. Sie werden fest im Boden oder in der Wand verankert, damit sie nicht umfallen und im Notfall den Rettungsweg versperren.

Katharina Sütterlin und ihre Kollegin haben für Flure ein altes Material neu entdeckt: "Wir machen gute Erfahrungen mit Massivholzmöbeln", sagt sie. "Wenn das Holz dick genug ist, ist es schwer entflammbar. Und anders als bei Kunststoffen entstehen beim Verbrennen keine giftigen Gase." Außerdem ist Holz nachhaltig. Sitznischen können gemauert werden, beispielsweise aus Porenbeton. Der mineralische Baustoff enthält keine brennbaren Bestandteile und ist gemäß DIN 4102-1 der höchsten Baustoffklasse A1 – nicht brennbar – zugeordnet. Außerdem ist er, so Katharina Sütterlin, recht leicht – das kann im Hinblick auf die Statik wichtig sein.

Pädagoginnen und Pädagogen entspannen auf dem Flur und tauschen sich aus
Auch Pädagoginnen und Pädagogen brauchen Orte für den informellen Austausch, hier an der Nürtingen-Grundschule © Bauereignis
Zwei Schülerinnen nutzen die neuen Holzmöbel, um auf dem Flur zu spielen und sich zu entspannen
Multifunktionale Möbel aus Eichenholz (Rutsche, Höhle, Tisch und Liege) und neue Garderobenspinde aus Metall an der Temple-Grandin-Schule © Bauereignis

Tipp 3: Akustik nachbessern

Möbel allein machen aus einem Flur aber keine Lernumgebung, in der sich Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gern aufhalten: "Viele Flure und Treppenhäuser sind sehr schalllaut, da sie akustisch nicht gedämmt sind. Von den glatten Wänden und Decken werden die Töne als Echo zurückgeworfen, es gibt einen Nachhall. Um sich dennoch verständigen zu können, werden die Unterhaltungen immer lauter geführt", weiß Katharina Sütterlin. Das führt dazu, dass es im Flur laut ist – und man sich dort nur ungern länger auf- und unterhält. Für eine gute "Hörsamkeit" müssen die Flure akustisch ertüchtigt werden, das heißt, die Decken und ein Teil der Wände muss mit schalldämmenden und feuerfesten Materialien belegt werden. Um ein gutes Ergebnis zu gewährleisten, sollten Akustikmaßnahmen professionell mit Architektenplanung und Akustikgutachten durchgeführt werden. Die akustische Dämmung kommt auch dem Schulklima zugute: Es wird ruhiger – und entspannter.

Tipp 4: Experten einbeziehen

Schülerin lernt auf dem Flur an einem neuen Holztisch
Schülerinnen und Schüler können die neue Flurgestaltung nutzen, um zu spielen oder sich zu entspannen - auch zum Lernen kann der Flur genutzt werden © Bauereignis

Eine weitere, aber baulich etwas aufwendigere Möglichkeit zur Nutzung der Flurflächen ist es, mehrere Bereiche zu Nutzungseinheiten zusammenzulegen. Die Flure werden dann zu normalen Aufenthaltsbereichen. "Das ist bei manchen Grundrissen möglich", sagt Katharina Sütterlin. Der Vorteil: Dann können dort Möbel nach Belieben aufgestellt und aufgehängt werden. Allerdings muss für die Nutzungsänderung ein Bauantrag gestellt werden; auch der Einbau von Brandschutztüren oder andere bauliche Maßnahmen können nötig werden. Ohne Hilfe von Fachleuten geht das auf keinen Fall. Um zu klären, was generell möglich und an der jeweiligen Schule machbar ist, bietet die Architektin seit Anfang des Jahres eine Brandschutzsprechstunde an. Gemeinsam mit dem Brandschutzexperten Andreas Flock (Brandkontrolle Andreas Flock GmbH) berät sie Schulen und Lehrkräfte vor Ort. Das Interesse ist groß.

Quelle: "Raumreserve Flur" von Eva Walitzek, bildung spezial 2/2019, S. 6-9.