Meditation für Vorbereitung und Verarbeitung des Lehreralltags

Wellness für die Seele

Der Lehrerberuf ist einer der schönsten, aber sicher auch einer der anstrengendsten. Um mental gesund zu bleiben, sollten besonders angehende Lehrkräfte lernen, die Selbstsorge zu einem selbstverständlichen Teil ihres Lebens zu machen – etwa Meditationen für jeden Tag

Das sogenannte Waldbaden hat sich zu einer beliebten Meditationsform entwickelt. Aber auch ein allmorgendliches Innehalten zu Hause auf dem Sofa sorgt für Ausgeglichenheit ©Mariia Korneeva - stock.adobe.com

Die größte Gefahr, einen Burnout zu bekommen, liegt in der permanenten mentalen und psychischen Anstrengung des Lehrberufs. Hier geht es um mehr als nur um Fach- und Vermittlungskompetenz, nämlich um eine Bindungsbildung, um Erziehung durch Beziehung und um die Klarheit der Lehrperson im Unterricht. Nicht zufällig sind gerade diese „weichen Faktoren“ der Pädagogik (sogenannte „Soft Skills“) in der Liste der wichtigsten Kriterien für einen guten und erfolgreichen Unterricht des Neuseeländer Bildungsforschers John Hattie ganz vorn zu finden.  
So sind Lehrer eben auch als Psychologe, Seelsorger und Lebensbegleiter gefordert. Die Schule, wie ein Gymnasium mit zum Beispiel 1000 Schülern, 2000 Eltern und 100 Lehrkräften, ist eben ein offenes System, das nie ganz perfekt organisiert und kontrolliert werden kann. Es können sich immer und manchmal ganz unerwartet psychisch fordernde Situationen wie etwa folgende ergeben: 

  • einzelne verhaltensauffällige Schüler, die den Unterrichtsbetrieb stören;
  • wilde Pubertätsklassen mit hohem Jungenanteil, die kaum zu bändigen sind;
  • Eltern, die mit den Noten ihrer Kinder nicht zufrieden sind, die Schuld vorschnell beim angeblich unfähigen Lehrer suchen und dies bei Klassenelternabenden bisweilen auch munter oder gar aggressiv öffentlich artikulieren;
  • Konflikte mit Kollegen, Fachleitern oder der Schulleitung, die nicht sofort behoben werden können usw. 

Psychischer Ausgleich ist wichtig

Diese und andere Aspekte der täglichen Lehrarbeit erfordern, sich psychisch und mental fit zu halten. Helfen können dabei Kurse in Themenzentrierter Interaktion (TZI) mit dem pädagogisch-psychologischen Modell der „Dynamischen Balance“ oder auch Supervisionen mit konkreten Fallbesprechungen im Team mit Kollegen. 
Dies kann durchaus gewinnbringend sein, kostet allerdings viel Zeit. Daher ist es empfehlenswert, auch noch auf eine andere Weise für sich zu sorgen: etwa durch regelmäßige Meditationen. Das sogenannte „Waldbaden“, das absichtslose Spazierengehen und Verweilen im Wald, ist ein probates Mittel, um den seelischen Akku wieder aufzuladen, um abzuschalten und die psychische Belastung möglichst an den „viel langsamer schwingenden“ Wald abzugeben. Doch auch das erfordert einige Planung und nicht jeder, insbesondere Stadtbewohner, hat einen „Badewald“ vor der Haustür. So bietet sich auch eine tägliche, mit rund 20 Minuten Dauer gut integrierbare Morgenmeditation an: Einfach nach der morgendlichen Körperpflege und dem Frühstück auf die Wohnzimmercouch setzen, eine Kerze anzünden und eine warme Decke um den Körper wickeln. Mit geschlossenen Augen dann absichtslos die Gedanken fließen lassen – nichts bewerten, nur beobachten und nach innen schauen. Oft passiert es dann ganz automatisch, dass der Körper auf eine tiefe Bauchatmung umschaltet, die es noch unterstützt, Ruhe zu finden und sich ganz ins Hier und Jetzt zu versetzen. Derart ausgeruht, kommt man anders in den Alltag hinein: präsenter, bewusster, gelassener, ruhiger, entspannter.