Evaluation identifiziert Einflussfaktoren für den Fortbildungserfolg

Teams schmieden

Daniela Rzejak und Prof. Dr. Frank Lipowsky von der Universität Kassel haben den Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitforschung „Vielfalt fördern“ vorgelegt. Untersucht wurden die Wirkungen und Erfolgsfaktoren der Fortbildung in der zweijährigen Pilotphase ab dem Schuljahr 2011/12 mit vielfältigen quantitativen und qualitativen Instrumenten. Die Vergleichsstudie in diesem Rahmen zeigt für die Pilotphase zwar keine Vorteile auf Schülerebene, dafür aber Entwicklungsvorteile bei der Zusammenarbeit der fortgebildeten Lehrkräfte

Innovationsbereitschaft und ein freundliches Klima im Kollegium sind wichtige Faktoren, die eine Fortbildung erfolgreich machen. ©contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Im statistischen Globalvergleich zwischen einer Stichprobe von Schulen aus der Pilotphase des Projekts und einer Kontrollgruppe von Schulen, die nicht an der Fortbildung teilnahmen, zeigt sich,dass „Vielfalt fördern“ in der Pilotphase die Zusammenarbeit unter den Lehrkräften verbessert hat. Einerseits erwies sich auf der Ebene der Lehrkräfte, dass diese ihre individuelle Unterrichtspraxis stärker mit anderen Kolleginnen und Kollegen reflektierten, andererseits wurden auf Schulebene neue Strukturen für Kooperationen etabliert oder bestehende gestärkt. Globalstatistisch zeigt der Vergleich zur Kontrollgruppe für die Pilotphase keine weiteren Entwicklungsvorteile der fortgebildeten Lehrpersonen oder der von ihnen unterrichteten Schülerinnen und Schüler – weder bei der von Letzteren wahrgenommenen Unterrichtsqualität noch bei den Leistungen in Deutsch und Mathematik. Statistisch auffällig sind allerdings die großen Unterschiede zwischen den fortgebildeten Schulen und innerhalb dieser zwischen den Lehrkräften. Die Fortbildung entfaltet also ihre Wirkung unterschiedlich – in Abhängigkeit von den Voraussetzungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Zentrale Erfolgsfaktoren: Motivation der Lehrkräfte, Innovationsbereitschaft im Kollegium, Fortbildungsklima

So haben die Evaluatoren über die globalstatistische Vergleichsstudie hinaus die Erfolgsfaktoren für die Wirksamkeit der Qualifizierung in einer Fortbildungsstudie mit quantitativen Analysen und einer Vertiefungsstudie mit qualitativen Interviews herausgearbeitet. Dabei zeigt sich, dass die Fortbildung vor allem bei intrinsisch motivierten Teilnehmenden Erfolg hat – mit Blick auf das Nutzungsverhalten der Angebote, die zeitliche Belastung, die Zufriedenheit und den selbstberichteten Lernertrag. Umgekehrt wird deutlich, dass ein höherer Anteil an extrinsisch motivierten Lehrpersonen innerhalb des Kollegiums sich ungünstig auf den Fortbildungsprozess auswirkt.
Wichtig für die Wirkung sind auch die Innovationsbereitschaft im Kollegium und das Fortbildungsklima. Die Offenheit im Kollegium gegenüber schulischen Neuerungen sowie ein freundliches und vertrauensvolles Klima während der Fortbildung haben einen positiven Einfluss auf die Kooperation unter den Kolleginnen und Kollegen, d. h. auf die Häufigkeit, über Lernschwierigkeiten einzelner Schülerinnen und Schüler zu sprechen, Unterrichtseinheiten gemeinsam durchzuführen und sich im Unterricht gegenseitig zu hospitieren. Während die Innovationsbereitschaft nicht beeinflusst werden kann, können Moderatorinnen und Moderatoren das Klima während der Fortbildung maßgeblich mitprägen.

Moderatoren spielen wichtige Rolle

Neuland betritt die Evaluation mit ihren Analysen über die Wirksamkeit des Moderatorenhandelns. Es zeigt sich, dass die Wahrnehmung der Moderatorinnen und Moderatoren durch die Teilnehmenden ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Fortbildung ist und dass es entscheidend darauf ankommt, dass die Moderatorinnen und Moderatoren die Bedeutsamkeit und Relevanz der Fortbildungsinhalte aufzeigen können. Besonders bedeutsam ist dabei der Einbezug der Teilnehmererfahrungen: Auch dadurch kann das Fortbildungsklima als ein entscheidender Faktor für die Motivation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer positiv beeinflusst werden. Allerdings zeigt sich auch, dass sich die Moderatorinnen und Moderatoren in der Pilotphase teilweise nicht ausreichend
auf ihre Aufgabe vorbereitet gefühlt haben.

Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Fortbildung bereits umgesetzt

Im Abschlussbericht werden die aus Sicht der wissenschaftlichen Begleitforschung wichtigsten Empfehlungen zur Optimierung des Fortbildungsangebots zusammengefasst, darunter insbesondere eine stärkere Teilnehmerorientierung, um die motivationalen Bedingungen bei den Teilnehmenden besser zu berücksichtigen, eine hohe Praxisrelevanz in der Moderatorenausbildung sowie eine stärkere fachliche Ausrichtung der Fortbildung.
Zentrale Empfehlungen der wissenschaftlichen Begleitforschung konnten bei der Weiterentwicklung bereits dadurch sukzessive umgesetzt werden, dass beständig Feedback aus der Praxis aufgenommen wurde. So konnten Schulen mit besonders motivierten Teilgruppen die Fortbildung beginnen, sofern eine Transferperspektive in das Gesamtkollegium gegeben war. Verbessert und ausgebaut wurde auch die Ausbildung der Moderatorinnen und Moderatoren. Bezogen auf die Inhalte der Fortbildung wurde eine stärkere Flexibilisierung erreicht, sodass die Fortbildung jetzt stärker als noch in der Pilotphase auf die spezifischen Bedarfe der Schulen und Lehrkräfte eingehen kann. Auch der Fachbezug in den Modulen wurde gezielt ausgebaut.
Seit dem Schuljahr 2017/18 wird „Vielfalt“ fördern im Land NRW Grundschulen und Schulen mit Sekundarstufe I angeboten. Die Projektleitung dafür liegt bei der Qualitäts- und Unterstützungsagentur – Landesinstitut für Schule (QUA-LiS) Nordrhein-Westfalen. Von 2011 bis 2017 wurde „Vielfalt fördern“ in einem Kooperationsprojekt zwischen dem Land NRW und der Bertelsmann-Stiftung entwickelt, erprobt und sukzessive immer mehr Schulen im Land zugänglich gemacht. In dieser Zeit wurde die Fortbildung kontinuierlich weiterentwickelt – in Richtung stärkerer Praxisrelevanz sowie einer noch klareren Orientierung an evidenzbasierten Merkmalen wirksamen Unterrichts.