Fächerwahl und Fächerkombination

Eine Entscheidung fürs Leben

Hauptfach oder Nebenfach? Naturwissenschaft oder Sprache? Die Wahl des Studiengangs begleitet Lehrende ihr Leben lang. Lesen Sie hier, was Sie bei der Entscheidungsfindung auf jeden Fall beachten sollten.

Ein Mädchen trägt Inliner mit der amerikanischen Flagge
Die Marke seines Autos kann man im Laufe des Lebens wechseln, die studierten Fächer begleiten Lehrende ein Leben lang. Foto: © fizkes/shutterstock.com

Ganz wichtig ist die Antwort auf die Frage, welche Fächer man mit der beruflichen Zielperspektive „Lehramt“ studieren möchte. Und wieder schießen die Erinnerungen an die eigene Schulzeit durch den Kopf. Da war der nette Mathelehrer, der immer mit Rollkragenpullover und einer dunkelblauen Cordjacke in den Unterricht kam. Und man denkt zurück an die junge Englischlehrerin, die lispelte, was ihr anfangs lästerhafte Bemerkungen einiger Jungen einbrachte, bis diese nicht nur merkten, dass diese Besonderheit eine glänzende „pronunciation“ zur Folge hatte, sondern auch, dass Miss Meier sehr fordernd und streng war. So schwer es auch sein mag, diese Erinnerungen an die eigene Schulzeit auszublenden, so wichtig ist es, sich die Tragweite der Fächerwahl und der damit verbundenen Entscheidung klarzumachen und sich entsprechend gründlich mit der Frage auseinanderzusetzen.

Für immer die Englischlehrerin

Die Fächer und die Fächerkombination sind in der späteren Lehrtätigkeit für die gesamte Laufbahn profilbildend. Dies bedeutet, dass in den Augen der Schulleitung, der Kolleginnen und Kollegen, der Eltern sowie der Schülerinnen und Schüler die Persönlichkeit mit den Fächern verknüpft wird. Man ist die Englisch- oder Französischlehrerin oder der Musiklehrer, und aus dieser Rolle kommt man in den rund 40 Jahren der Berufsausübung nicht heraus. Sowohl die inhaltliche Dimension der Fächer als auch deren formale Aspekte wirken sich auf die eigene Ausfüllung der Lehrerrolle aus.

Haupt- oder Nebenfach?

Fächer haben im Bildungsgang der Schülerinnen und Schüler ein unterschiedliches Gewicht. Sowohl im Schulalltag als auch in den Schulzeugnissen wird zwischen „Hauptfächern“ und „Nebenfächern“ unterschieden. Hauptfächer haben einen größeren wöchentlichen Stundenumfang als Nebenfächer, und der Korrekturaufwand ist in einem Hauptfach wie Englisch erheblich im Vergleich zu einem Fach wie Sport oder Musik. Für diese unterschiedliche Arbeitsbelastung gibt es in der Regel keinen Ausgleich. Zugleich ist aber auch daran zu denken, dass man als Vertreter eines Hauptfaches durch das Fach selbst unter Umständen mit einem Autoritätsbonus bei der Schulleitung den Schülerinnen und Schülern rechnen kann.

Gute Voraussetzungen für die Fächerwahl

Zusätzlich zu diesen vor allem dem System Schule geschuldeten Zusammenhängen mit der Fächerwahl, gibt es Überlegungen, die stärker die eigene Persönlichkeit ins Spiel bringen. In dem Zusammenhang gilt es, sich immer wieder Folgendes vor Augen zu führen: Die Marke seines eigenen Autos kann man im Laufe des Lebens wechseln. Im Gegensatz dazu begleiten einen die studierten Fächer ein berufliches Leben lang.

Bei der Entscheidung zugunsten eines Studien- und späteren Lehrfaches sind die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, erworben im Elternhaus, in der Schule oder durch außerschulische Aktivitäten, ein wichtiges Kriterium. Die Freude am Umgang mit bestimmten Inhalten, eine emotionale Bindung an ein Fach bilden gute Voraussetzungen für das wissenschaftliche Studium und die spätere berufliche Tätigkeit. Zugleich ist zum Beispiel das Unterrichten eines Sprachfaches (Stichwort „Klassenfahrt“) fast immer auch verbunden mit der Bereitschaft, eine Lerngruppe ins Zielsprachenland, im Fach Deutsch in eine Theateraufführung zu begleiten oder – wie das Beispiel des Kollegen Tim zeigt – sich mit der Lerngruppe über sehr persönliche, existenzielle Fragen auszutauschen, diesen Prozess zu initiieren und zu begleiten. Es ist wichtig, auch diese Facetten eines Faches mitzubedenken.


Quelle: Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Fachbuch: Gerlach, D./ Leupold, E. (2017):
Schritt für Schritt: Einsteigen – Gestalten – Durchhalten. Praxisbuch für Studium, Referendariat und Unterricht, redaktionell bearbeitet von Lisa Blödorn (17.05.2019)