Die Wahl des Lehramts

Arbeitsplatz Grundschule oder weiterführende Schule?

Grundschullehramt oder Lehramt für weiterführende Schulen? Kinder erziehen oder Jugendliche auf ihrem Weg begleiten? Sie können sich nicht entscheiden? Dann lesen Sie hier den Erfahrungsbericht einer Grundschullehrerin.

Zwei Kinder sitzen auf einer Treppe.
Die fachliche Dimension unterscheidet sich in den Studiengängen kaum. Foto: © Piotr Wawrzyniuk/Shutterstock.com

Ist die grundsätzliche Entscheidung für den Lehrberuf gefallen, gilt es weitere Entscheidungen zu treffen. Etwa die, welches Lehramt man anstrebt, genauer: ob man in der Grundschule oder auf der Sekundarstufe in einer weiterführenden Schule (Sekundarschule, Gesamtschule, Gymnasium, Berufsschule) unterrichten will.

Großer Erziehungsanteil in der Grundschule

Die diesbezüglichen Überlegungen sollten folgende Aspekte berücksichtigen: In der Grundschule zu unterrichten, bedeutet erstens, mit Kindern zu arbeiten, die in ihrer Begabung höchst unterschiedlich sind (Stichwort: Heterogenität). Sie bringen soziale Verhaltensweisen und teilweise erste Lernerfahrungen mit, die durch das Elternhaus und den Kindergarten geprägt wurden. Der Erziehungsanteil im Unterricht ist in der Grundschule erheblich. Die Lehrerin/ der Lehrer muss auf dieser Stufe die Lust und die Bereitschaft mitbringen, die Kinder durch Nähe und Emotionalität und durch klare Lernanforderungen an das schulische Lernen heranzuführen.

Lehrer begleiten beim Erwachsenwerden

Der Unterricht der Sekundarstufe kann auf diesem Fundament sozialen Lernens aufbauen. Die Unterstützung im Lernprozess erfolgt durch die Lehrperson bei der Arbeit mit den Jugendlichen auf der Grundlage einer für die Schülerinnen und Schüler spürbaren Wertschätzung, die aber von einer starken kognitiven Komponente im Lehr-/Lern-Prozess begleitet wird. Die Phase der Pubertät der Jugendlichen und das bei manchen Schülerinnen und Schülern damit einhergehende abweichende Verhalten stellt für jede Lehrerin und jeden Lehrer in jedem Fach eine besondere Herausforderung dar. Die Begleitung der Jugendlichen beim Prozess des Erwachsenwerdens ist hingegen nicht nur ein besonderes Merkmal der Arbeit in der Sekundarstufe II, sondern ein sinngebender Moment auf allen Stufen der Arbeit in der Schule. Bezüglich des Studiums sollte man sich dabei nicht der Illusion hingeben, dass das eine Lehramt leichter zu studieren sei als das andere.

Ähnliche Inhalte in beiden Studiengängen

Die fachliche Dimension bleibt mit dem zu erwerbenden Fachwissen weitgehend identisch. Auch im Bereich der Erziehungswissenschaften bzw. Allgemeinen Pädagogik kommt es während des Studiums nur in Teilen zu thematischen Vorlesungs- und Seminarangeboten, die spezifisch auf das jeweilige Lehramt eingehen. Schließlich ist es aber eine Besonderheit, die möglicherweise auch von Bedeutung bei der Entscheidung für das eine oder das andere Lehramt sein kann.

Fachfremder Unterricht – Erfahrungen einer Grundschullehrerin

Wie die authentische Rückmeldung einer Kollegin aus der Grundschule zeigt (siehe Seite 2), muss man als Lehrer/-in in der Grundschule damit rechnen, auch Unterricht in Fächern zu erteilen, die man nicht studiert hat. So kann es passieren, dass eine Lehrerin, die die Fächer Deutsch und Geschichte studiert hat, in einem Schuljahr auch das Fach Musik unterrichten muss. Eine solche Anforderung ist undenkbar auf der Sekundarstufe, wo das Prinzip der Unterrichtserteilung durch eine qualifizierte – und das meint: studierte – Lehrkraft in der Regel durchgehalten wird oder höchstens in einem den eigenen Fächern inhaltlich „nahen“ Fach „fachfremd“ unterrichtet wird.