Gespräche mit Schülern konstruktiv und zielgerichtet führen

Das Wort haben Sie!

Die Interaktion zwischen Lehrern und Lernern verläuft großteils verbal. Ob innerhalb oder außerhalb des Unterrichts: Sollen Gespräche für beide Seiten gut, also wertschätzend und Sinn stiftend verlaufen, müssen sie festen Regeln folgen. Das und mehr zeigen die Pädagogen Marc Bischoff und Henning Teschner in ihrem neuen Buch, aus dem dieser Beitrag stammt.

Nur wer sich meldet, sollte zu Wort kommen dürfen. Anliegen unaufgefordert in die Klasse zu rufen, ist nicht nur störend, sondern auch despektierlich gegenüber der Lehrkraft. ©Robert Kneschke - stock.adobe.com

Gesprächsführungskompetenz ist wichtig, aber nicht jede Lehrkraft besitzt sie im erforderlichen Maß. Was dann passieren kann, soll eine fiktive Situation zeigen: Herr M. betritt die Klasse, stellt seine Tasche ab und möchte seine Klasse begrüßen. Schüler X: „Herr M., ich habe meine Entschuldigung vergessen.“ Herr M.: „Das ist kein Problem. Aber morgen hast du sie dabei.“ Schülerin Y: „Ich muss noch mal nach draußen. Ich habe mein Portemonnaie in meiner Jackentasche.“ Herr M.: „Wir wollen jetzt mit dem Unterricht anfangen. Du kannst das gleich in der Pause erledigen. Guten …“ Schüler Z: „Herr M., ich habe mein Deutschbuch vergessen. Bekomme ich jetzt einen Eintrag?“
An diesem Negativbeispiel wird deutlich, dass nicht der Lehrer die Klasse führt, sondern die Schüler. Sein Versuch, die Klasse zu begrüßen, scheitert, da die Schüler ihm ständig ins Wort fallen. Er wird von den Schülern nicht als „Führungsperson“ anerkannt. Gerade an der Art, wie Gespräche geführt werden, kann man gut erkennen, wer in der Klasse das Sagen hat. Lassen Sie sich das Heft nicht aus der Hand nehmen. Verdeutlichen Sie Ihren Schülern, dass nur der am Unterrichtsgespräch teilnehmen kann, der vorher ruhig seine Hand gehoben und gewartet hat, bis er von Ihnen aufgerufen worden ist. Wer gegen diese Regel verstößt, muss mit seinem Beitrag warten, bis der letzte Schüler, der sich ruhig gemeldet hat, gesprochen hat. Das Vermitteln von Gesprächsregeln ist daher von elementarer Bedeutung. Ein Gespräch ohne klare Regeln funktioniert in den meisten Fällen nicht. Nebenbei gesagt: Vielen Schülern ist nicht bewusst, dass das Hereinrufen sehr unhöflich ist, besonders, wenn Sie als Lehrer etwas sagen wollen. Weisen Sie darauf hin, dass das Einhalten von Gesprächsregeln auch eine Form der Höflichkeit und der Wertschätzung ist. Machen Sie Ihren Schülern klar, dass sich diese auch einmal etwas gedulden müssen und nicht sofort ihren Willen bekommen.

 

Weiterlesen

Zahlreiche Tipps und Tricks für einen guten Berufseinstieg enthält das Buch „Schritt für Schritt in der Schule ankommen“ von Marc Bischoff und Henning Teschner, aus dem dieser Heftbeitrag stammt – eine wertvolle Praxishilfe vor allem für angehende Lehrkräfte.

Erschienen im Verlag Klett-Kallmeyer
(ISBN 978-3-7727-1340-8), ca. 120 Seiten, 19,95 €.
Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag

Prioritäten setzen

Zwei wichtige Punkte, die häufig bei der Gesprächsführung vergessen werden, sind die Zeit und der Ort des Gesprächs. Grundsätzlich legen Sie diese beiden Punkte fest. Entscheidend ist, wann es Ihnen am besten passt. Wenn Ihnen nach einer anstrengenden Doppelstunde der Kopf raucht, Sie Hunger haben und noch in die Aufsicht gehen müssen, dann ist der Wunsch von Schüler A, über seine mündliche Note mit Ihnen zu sprechen, nachrangig. Anstatt auf sein Anliegen sofort einzugehen, vereinbaren Sie mit ihm einen Termin beispielsweise im Anschluss an die 6. Stunde im Sprechzimmer – falls es so etwas an Ihrer Schule geben sollte. Wichtig ist, dass Sie das Gespräch dann führen, wenn Sie auch wirklich Zeit und Muße dafür haben. Gespräche zwischen Tür und Angel sind häufig nicht zielführend. Deshalb sollten Sie darauf verzichten.
Ein gutes Gespräch setzt auch voraus, dass Sie die entsprechenden Unterlagen griffbereit haben. Sollten Ihnen wichtige Informationen nicht vorliegen, führen Sie grundsätzlich kein Gespräch. Aus dem Kopf heraus zu sagen, warum Schüler A eine bestimmte mündliche Note erhalten hat, birgt gewisse Risiken. Wenn Sie sich bei ihrer Begründung irren sollten, weil Sie vergessen haben, einen fachspezifischen Test zu berücksichtigen, können Sie massiv an Glaubwürdigkeit verlieren und ihre Notengebung kann schlechten Falls infrage gestellt werden. Aus diesem Grund sollten Sie sich immer bei Schüleranfragen wegen eines Gesprächs vergegenwärtigen, dass ausschließlich Sie den Zeitpunkt des Gesprächs bestimmen und nicht die Schüler!

Immer mit der Ruhe

Für den Schulalltag bedeutet das, dass Ihnen Ihre Pausen heilig sein sollten. Sie brauchen die Zeit, um sich von der letzten Stunde zu erholen, mal kurz abzuschalten, ein nettes Gespräch mit einem Kollegen zu führen … Alle Schüleranliegen, die nicht „lebenswichtig“ sind, sollten Sie zunächst einmal auf die Zeit nach dem Unterrichtsschluss schieben. Wenn das Anliegen für die Schüler von großer Bedeutung ist, werden sie auch am Ende des Schultags noch einmal zu Ihnen kommen. Nebenbei erfahren Sie auf diese Art und Weise auch, wie wichtig den Schülern das jeweilige Anliegen ist. Oft ist es nämlich so, dass nach Schulschluss die Schüler etwas Besseres vorhaben, und die Angelegenheit löst sich in Wohlgefallen auf. Falls der Schüler doch erscheint, sehen Sie, dass ihm die jeweilige Angelegenheit sehr wichtig ist.

Nicht nur der Zeitpunkt eines Gespräches ist von Bedeutung, sondern auch der Ort. Ein Gespräch zwischen Ihnen und einem Schüler sollte in einem entsprechenden „Rahmen“ stattfinden. Daher raten wir Ihnen davon ab, wichtige Themen wie zum Beispiel die Erläuterung einer Zensur während der großen Pause auf dem Pausenhof zu besprechen, wo die übrigen Mitschüler das Gespräch mithören und sich gegebenenfalls einmischen könnten. Ein solches Gespräch sollte – wenn möglich – in einem Besprechungsraum stattfinden, damit Sie sich in aller Ruhe und ungestört mit dem Anliegen des Schülers auseinandersetzen können. Sollten Sie als Kollege mit einem Schüler ein Gespräch führen wollen, sollten Sie dafür sorgen, dass Sie nicht allein mit ihm im Raum befinden. Hier ist es ratsam, eine weitere Person, wie zum Beispiel eine Kollegin, mit in den Raum zu nehmen, sodass der Schüler nicht im Anschluss – vor allem, wenn ihm das Ergebnis des Gesprächs nicht gefällt – behaupten kann, Herr X hat mich beleidigt, geschlagen etc.
Sie werden jetzt vielleicht denken, dieser letzte Tipp sei völlig überzogen. Wir haben aber leider die Erfahrung machen müssen, dass solche „Behauptungen“ tatsächlich im Schulalltag vorkommen können und man als Kollege große Probleme damit bekommen kann, den haltlosen „Vorwurf“ zu entkräften.